Was sagen Menschen in Rheinland-Pfalz?

Neuer Wehrdienst kommt: Wehrpflicht wird wieder möglich

Die Einführung einer Wehrpflicht wurde zuletzt kontrovers diskutiert. Nun gab es grünes Licht. Bundesverteidigungsminister Pistorius (SPD) setzt weiter auf Freiwilligkeit - mit Ausnahmen.

Teilen

Stand

Das Bundeskabinett hat das Gesetz von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zur Einführung eines neuen Wehrdienstes auf den Weg gebracht. Die Ministerrunde billigte auf ihrer Sitzung im Verteidigungsministerium den Rechtsrahmen, der eine Wehrerfassung junger Männer einführt - aber zunächst freiwillig. Eine Rückkehr zur Wehrpflicht schon in Friedenszeiten, wie sie vor allem Unionspolitiker wiederholt gefordert hatten, wurde nicht vereinbart.

Union und SPD hatten sich schon kürzlich darauf geeinigt, dass der Wehrdienst bei der Bundeswehr vorerst freiwillig bleiben soll. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte seinen Widerstand dagegen zurückgezogen.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium steht dem Vorschlag positiv gegenüber, teilte es mit. Der Gesetzentwurf stelle zunächst die Freiwilligkeit in den Vordergrund. Außerdem solle der Dienst attraktiver werden. Das sei wichtig und überfällig.

Die aktuelle geopolitische Situation kann gerade jungen Menschen Sorgen bereiten und diese Probleme verdienen unsere Aufmerksamkeit.

Die wichtigsten Neuerungen:

  • Der mindestens sechsmonatige Wehrdienst bleibt zunächst freiwillig.
  • Ab 2026 werden alle Männer ab 18 Jahren erfasst. Sie müssen dazu einen Fragebogen ausfüllen. Für Frauen ist die Erfassung freiwillig.
  • Die per Fragebogen erfassten Männer werden ab 2028 zur Musterung eingeladen, Frauen können sich freiwillig melden.
  • Freiwillige sind von Anfang an Soldaten auf Zeit und bekommen einen höheren Sold, mehr als 2.000 Euro netto. Bisher galt das erst ab einer Verpflichtung von zwei Jahren.
  • Mit Sprachkursen, Berufsförderung und Zuschüssen zum privaten Führerschein soll der Wehrdienst attraktiver werden.

Aber: Im Bedrohungsfall könnte es wieder eine Wehrpflicht geben

Mit dem neuen Modell sollen bis 2030 bis zu 100.000 Freiwillige rekrutiert werden. Es gibt aber ein großes Aber: Kommt es zu einer Bedrohungslage, kann die Wehrpflicht durch eine Gesetzesänderung wieder eingeführt werden. Dafür reicht ein einfacher Beschluss des Bundestages. Dann wären alle per Fragebogen erfassten Männer ab Jahrgang 2008 mögliche Wehrpflichtige.

In Rheinland-Pfalz werden zu Beginn des kommenden Jahres 16.800 junge Männer des Jahrgangs 2008 einen Fragebogen zur Bereitschaft für den Wehrdienst bekommen und ausfüllen müssen. Das hat das statistische Landesamt mitgeteilt. Junge Frauen können den Fragebogen auf freiwilliger Basis ausfüllen, sind aber nicht verpflichtet.

Ein Teil der jungen Männer werde zur Beurteilung eingeladen. Die Musterung solle ab 1. Juli 2027 erst verpflichtend werden. Laut Verteidigungsministerium bestehen noch nicht ausreichend Kapazitäten für ärztliche Untersuchungen.

Generationen beim Thema Wehrpflicht gespalten

Wenn es um die mögliche Wiedereinführung eines Grundwehrdienstes geht, deutet sich ein Generationenkonflikt an: Während bei den über 35-Jährigen laut ARD-Deutschlandtrend weit mehr als 70 Prozent für eine Wehrpflicht sind, bleiben die Jüngeren skeptischer. Von ihnen sind zwar 51 Prozent dafür, aber auch 45 Prozent dagegen. Betroffen von einer Wehrpflicht wären die 18- bis 25-Jährigen.

"SWR Aktuell 360 Grad"-Host Marvin Neumann hat darüber in Koblenz mit jungen und älteren Menschen gesprochen und sich auch in der Bundeswehr-Kaserne umgesehen. In Koblenz arbeiten rund 8.000 Bedienstete für die Bundeswehr, die damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt ist.

Der Bundeswehr fehlen viele Soldaten

Insgesamt beschäftigt die Bundeswehr derzeit mehr als 260.000 Menschen, davon waren 182.984 Soldatinnen und Soldaten (Stichtag 31.7.2025). Den Bedarf schätzt die Politik aber deutlich höher ein. Rund 460.000 Soldatinnen und Soldaten sollten inklusive Reservistinnen und Reservisten im Ernstfall zur Verfügung stehen. Das fordert Verteidigungsminister Pistorius.

Ich würde aus Prinzip Nein sagen.

Laut Jugendtrendstudie 2025 sind 69 Prozent der Gen Z (also Personen, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden) nicht bereit, ihr Land mit einer Waffe zu verteidigen. Ganz zu schweigen von der Idee, für ihr Land zu sterben. Das verneinen 81 Prozent. 

Auch in Koblenz sind die meisten jungen Menschen dieser Meinung: "Ich finde, das soll jeder selbst entscheiden. Wenn jemand sagt, du musst das, würde ich schon aus Prinzip nein sagen", sagt Mia.

Wehrdienst ja oder nein? - Manche sind unschlüssig

"Ganz klar nein. Da wird in die eigene Freiheit eingegriffen", bekräftigt der 26-jährige Student Hermann. Der 33-jährige Malte, der als Jugendlicher nur wegen seiner Schulpflicht der Einberufung entging, sieht sich in einem moralischen Konflikt: "Im Fall der Fälle brauchen wir Leute, die bereit sind, ihren Kopf dafür hinzuhalten. Ich trau mich das nicht, den Dienst an der Waffe."

Ludwigshafen

Gesetzentwurf für Wehrdienst vom Kabinett beschlossen So finden Schüler aus Ludwigshafen das neue Gesetz zum Wehrdienst

Das Bundeskabinett will ein neues Gesetz zum Wehrdienst schaffen. Was halten betroffene Schülerinnen und Schüler aus Ludwigshafen davon?

SWR4 am Nachmittag SWR4

Ältere Menschen sprechen sich vor der Kamera von "SWR Aktuell 360 Grad"-Host Marvin Neumann häufiger pro Wehrpflicht aus. So sagt etwa Dirk, der selbst bei der Bundeswehr gedient hat: "Wir wissen nicht, was kommt. Die Situationen werden kritischer. Daher finde ich es durchaus angebracht, die Wehrpflicht unter gewissen Rahmenbedingungen wieder einzuführen, zum Beispiel für alle Geschlechter."

Seit 14 Jahren keine Wehrpflicht mehr in Deutschland

Seit 2011 ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt. Junge Männer müssen seitdem nicht mehr wählen, ob sie Dienst an der Waffe tun oder alternativ Zivildienst leisten. Um Frauen mit einzubeziehen, müsste ohnehin das Grundgesetz geändert werden. Momentan ist es nur möglich, einen freiwilligen Wehrdienst zwischen 7 und 23 Monaten zu leisten.

Florian Fegen, Bundeswehr-Karriereberater im Karrierecenter der Augusta-Kaserne in Koblenz, registriert dafür Meldungen aus verschiedensten Altersgruppen. Anfragen kämen "vom 16-Jährigen, der gerade seinen Hauptschulabschluss macht, bis zum Mitte 50-Jährigen, der sagt, ich möchte zur Bundeswehr".

Die Augusta-Kaserne ist einer von 275 Bundeswehrstandorten in Deutschland - es waren aber einmal deutlich mehr. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht vor 14 Jahren wurden insgesamt 31 Kasernen geschlossen, vier davon in Rheinland-Pfalz. Weitere Standorte wurden verkleinert. Es fehlt also allein schon an Platz für die gewünschte Zahl der Rekrutinnen und Rekruten.

RLP

Über 1.000 neue Soldaten Zahl der Bundeswehr-Rekruten aus Rheinland-Pfalz steigt stark

Weil in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt ist, braucht die Bundeswehr Freiwillige. Die Zahl der Rekruten aus Rheinland-Pfalz ist zuletzt stark gestiegen.

Debatte über Wiedereinführung der Wehrpflicht Pflicht zur Bundeswehr? So denken junge Rheinland-Pfälzer

Gerade wird wieder ein verpflichtender Wehrdienst diskutiert. Was denken die Menschen in Rheinland-Pfalz, die eine solche Pflicht treffen würde?  

SWR Aktuell Rheinland-Pfalz SWR RP

Soldaten und Reservisten aus BW zur Verteidigungsfähigkeit Diskussion um Wehrpflicht: Immer weniger Soldaten für den Ernstfall

Die Mehrheit der Deutschen fordert, die Wehrpflicht wieder einzuführen. Selbst zur Waffe greifen, um im Ernstfall das Vaterland zu verteidigen, wollen allerdings die wenigsten.

Zur Sache! Baden-Württemberg SWR BW

Bundeswehr: Was gegen die Rückkehr zur Wehrpflicht spricht

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) denkt über die Rückkehr zur Wehrpflicht nach. Die Grünen-Sicherheitsexpertin Sara Nanni hält nichts davon.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!