Gesetzentwurf für Wehrdienst vom Kabinett beschlossen

So finden Schüler aus Ludwigshafen das neue Gesetz zum Wehrdienst

Das Bundeskabinett will ein neues Gesetz zum Wehrdienst schaffen. Was halten betroffene Schülerinnen und Schüler aus Ludwigshafen davon?

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Stand

Von Autor/in Paul Lütge

13 Uhr am Mittwoch: Bis eben hat sich das Bundeskabinett im abhörsicheren "U-Boot"-Raum im Verteidigungsministerium getroffen. Es ging um den Wehrdienst, genauer: ein neues Gesetz zum Wehrdienst, das vorbereitet wurde. Es sei "nicht irgendein Gesetz, sondern ein Riesenschritt nach vorne", sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius in der Pressekonferenz danach.

Im Entwurf des Gesetzes steht: Von 2026 an sollen alle 18-Jährigen ein Schreiben bekommen, um die Frage zu beantworten, ob sie den Dienst an der Waffe leisten wollen. Männer müssen ihn ausfüllen, für Frauen ist das freiwillig.

Ludwigshafen: Wie finden Schülerinnen und Schüler den Wehrdienst?

13 Uhr am Mittwoch, das heißt auch: Kurze Pause für die Oberstufenschülerinnen und -schüler in Ludwigshafen. Höchste Zeit, sie als Betroffene mal zu fragen, was sie von dem neuen Gesetz halten.

"Grundsätzlich finde ich es erstmal nicht schlimm, so lange es nicht zu einer Wehrpflicht kommt, und es nur eine Anfrage ist", sagt Ilias, 18. Er sagt, es sei wichtig, die Leute über den Wehrdienst zu informieren, da viele auch nicht wüssten, was sie nach der Schule machen sollen. "Eine komplette Wehrpflicht finde ich aber zu arg."

Schülerin aus Ludwigshafen: "Ein Anschreiben ist gut, um darauf aufmerksam zu machen"

Die Minister der Union und SPD haben sich im darauf geeinigt, dass der Wehrdienst vorerst freiwillig bleiben soll. Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten sollen zur Musterung eingeladen werden. Ab 2028 wird eine Musterung für alle 18-jährigen Männer verpflichtend, auch, wenn sie nicht zum Wehrdienst wollen.

"Ich finde ein Anschreiben schon gut, weil Leute so auf den Wehrdienst aufmerksam gemacht werden", sagt Sophie, 17. "Ich persönlich würde den Wehrdienst aber nicht machen", sagt sie.

Schülerinnen und Schüler in Ludwigshafen gegen Wehrpflicht

Das Gesetz zum Wehrdienst ist noch nicht beschlossen. Der Gesetzentwurf wird noch im Bundestag diskutiert, später folgt eine Abstimmung. Mehrere CDU-Politiker forderten bereits einen automatischen Übergang von einem freiwilligen Wehrdienst zur Wehrpflicht, sollte die Bundeswehr nicht ausreichend wachsen.

Eine Gruppe von Schülerinnen steht an einem Moped und raucht. Auf eine mögliche Wehrpflicht angesprochen, sagt eine von ihnen: "Wir sollten nicht dazu gezwungen werden, zur Bundeswehr zu gehen. Jeder soll selbst entscheiden, was er nach der Schule machen möchte."

Schüler in Ludwigshafen: "Ich will nicht auf Menschen schießen"

Die Regierung will den Wehrdienst attraktiver machen. Dazu gehört auch: Mehr Geld. Wehrdienstleistende sollen nach dem Gesetzesentwurf mindestens 2.000 Euro brutto im Monat bekommen.

Die Pause vor dem Nachmittagsunterricht ist fast rum, eine Gruppe steht noch draußen, ein Schüler schüttelt auf die Fragen zur Wehrdienst-Erfassung nur den Kopf. "Ich finde das nicht gut, ich will da nicht rein", sagt er. "Ich habe keine Lust auf andere Menschen zu schießen, dafür setze ich mich nicht ein."

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Daran ändere für ihn auch ein höheres Gehalt nichts. "Wenn ich jetzt schon mein Abi mache und danach studiere, ist das viel attraktiver, als zum Bund zu gehen", sagt er.

Seit 2011 ist die Wehrpflicht in Deutschland ausgesetzt. Junge Männer müssen seitdem nicht mehr wählen, ob sie Dienst an der Waffe tun oder alternativ Zivildienst leisten. Gut möglich, dass sie bald wieder Post bekommen.

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Paul Lütge
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