Am Mittwoch hat der islamische Fastenmonat Ramadan begonnen. Muslime erinnern in dieser Zeit an die Offenbarung des Korans. Auch Menschen aus Rheinland-Pfalz fasten während des Ramadan, so auch ein Ehepaar aus Andernach. Leila ist 35 Jahre alt und arbeitet in einem Versicherungsbüro. Ihr Mann ist 38 Jahre alt. Alen Čamo arbeitet als selbständiger Statiker und erlebt im Job viel Akzeptanz, berichtet er.
Ramadan bedeutet Verzicht
Besonders wenn es mal stressig wird, greift Alen Čamo auf der Arbeit üblicherweise gern zu Schokolade. Beide sind bekennende Kaffeeliebhaber. Das alles gehe jetzt nicht. Das sei eine Herausforderung. Genauso der Alltag als Familie müsse weitergehen.
Familie Čamo aus Andernach feiert den Ramadan
Für das muslimische Paar und ihre beiden Söhnen Vedad (9) und Nedim (7) ist der Fastenmonat eine besondere Familienzeit. Das Fasten gehört für die Familie zum islamischen Glauben dazu, sagt Familienvater Alen. Es sei ihnen wichtig, die Verhaltensregeln einzuhalten. An Ramadan gehe es ihnen aber insbesondere darum, gelassener zu werden und zu entschleunigen.
Die Čamos brechen das tägliche Fasten im Kreise der Familie. An Ramadan ist es üblich, sich gegenseitig einzuladen, sagt Leila Čamo dem SWR. Oft sind Oma, Onkel und Tante dabei. Dann beginnt es in der Familie zunächst traditionell mit einem Gebetsruf und danach mit Wasser und Datteln.
Im Anschluss gibt es Suppe und eine Hauptspeise. Der Andernacher Familie ist es wichtig, das Fastenbrechen eher simpel zu halten. Es wird nicht dick aufgetischt, sagt die Familienmutter. Ihr sei es wichtig, dass ihre Kinder Dankbarkeit für eine tägliche Mahlzeit entwickeln: "In so vielen Ländern ist Krieg, die Menschen haben nichts zum Essen. Das Fasten erinnert einen daran."
In so vielen Ländern ist Krieg, die Menschen haben nichts zum Essen. Das Fasten erinnert einen daran.
Ramadan fordert die junge Familie auch heraus
Als junge Familie bringt der islamische Fastenmonat auch hin und wieder Herausforderungen mit sich. Die Zeit um Ramadan ist mit Kindern anstrengender geworden, sagen die beiden Eltern. Früher habe man sich zwischendurch mehr ausruhen können. Arbeit, Schule und Freizeit müssten im Alltag koordiniert werden, die Jungs spielen zum Beispiel in ihrer Freizeit Fußball. Die Čamos versuchen während des Ramadan, sich die Zeit als Familie zu nehmen, zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen. Auf das freuen sich die Kinder immer besonders.
Für die Kinder ist Ramadan eine besondere Zeit
Die Kinder, Nedim und Vedad, fasten allerdings nicht. Manchmal würden sie jedoch schon gerne daran teilnehmen und sind voller Tatendrang, erzählt die zweifache Mutter. Sie würden das Fasten manchmal ein wenig unterschätzen. Die beiden Eltern finden dann häufig einen Kompromiss: Am Wochenende für ein paar Stunden oder eine Stunde vor dem Fastenbrechen dürfen die beiden Jungs mitmachen und gelegentlich auf Speisen und Getränke verzichten. So könnten sie auch am Fasten teilhaben. Das steigere die Vorfreude der Kinder auf das gemeinsame Essen.
Die Fastenzeit ist eine Zeit voller schöner Momente
Ramadan ist aber vor allem eine Zeit der schönen Momente, erklärt die Familie dem SWR. Man gehe so oft es geht gemeinsam in die Moschee und treffe sich mit Freunden und der Familie, berichtet Vater Alen Čamo:"Die Begegnungen mit verschiedenen Menschen und Freunden, das ist das Besondere."
Die Begegnungen mit verschiedenen Menschen und Freunden, das ist das Besondere.
Ein ganz besonderer Moment ist die 27. Nacht, die im Islam auch "Nacht der Bestimmung" genannt wird, erklärt die Familie. Um diese Zeit sei der Koran gesandt worden. Für Leila und Alen Čamo sind die letzten zehn Tage noch einmal ganz besonders: Denn man wisse, dass der Ramadan sich nun dem Ende neigt. Er endet mit dem Zuckerfest am 20. März.