Im Islam wird während des Monats Ramadan gefastet, im Christentum während der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Die beiden ritualisierten Perioden stehen für Besinnung, Verzicht und eine stärkere Hinwendung zu Gott. Die wichtigsten Fragen rund um Ramadan und Fastenzeit klären wir hier:
- Warum gibt es eine Fastenzeit?
- Wie läuft das Fasten ab?
- Ist das Fasten verpflichtend?
- Welche Rolle spielen Gemeinschaft und Glaube?
- Ab welchem Alter muss gefastet werden?
- Wer muss nicht fasten?
- Wann wird das Fasten final gebrochen?
Warum gibt es eine Fastenzeit?
Islam
Während des Ramadan erinnern Muslime an die Offenbarung des Koran. Der Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam und damit eine religiöse Pflicht für Muslime. Das Fasten soll helfen, Selbstdisziplin zu entwickeln, Dankbarkeit für Nahrung zu zeigen und sich stärker auf Mitgefühl mit anderen, besonders Schwächeren zu besinnen.
Christentum
Die 40-tägige Fastenzeit dient der Vorbereitung auf Ostern. Sie beginnt an Aschermittwoch und endet an Ostern, die Sonntage sind ausgenommen. So erinnert sie an die 40 Tage, die Jesus laut der Bibel in der Wüste gefastet hat, in Vorbereitung auf die Aufgabe, sein Leben hinzugeben. Sie knüpft aber auch an die 40 Tage an, die Moses der Bibel zufolge ohne Nahrung am Berg Sinai verbracht hat. Eine weitere Parallele wird zu den 40 Jahren gezogen, die das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste verbringen musste.
Die Fastenzeit ist eine Phase der Umkehr, der inneren Reinigung und der bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, häufig wird vom "inneren Frühjahrsputz" gesprochen.
Zeit der Buße und Umkehr für Christen Aschermittwoch: Worum geht's beim Start in die Fastenzeit?
"Am Aschermittwoch ist alles vorbei", heißt es so schön unter Fastnachtern. Es beginnt die für Christen so wichtige Fastenzeit. Was hat der Aschermittwoch damit zu tun?
Wie läuft das Fasten ab?
Islam
Muslime verzichten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang vollständig auf Essen und Trinken. Nach Sonnenuntergang wird das Fasten im Kreis von Familie oder Gemeinschaft gebrochen - traditionell mit einer Dattel oder einem Schluck Wasser. Auch auf Rauchen, Trinken und Sex soll verzichtet werden. Außerdem wird ein besonderer Wert auf Mitmenschlichkeit gelegt und Bedürftigen soll geholfen werden. Auf Kraftausdrücke, Beleidigungen und üble Nachrede soll in dieser Zeit dagegen verzichtet werden.
Christentum
Der Verzicht ist meist individuell gestaltet. Traditionell wurde weniger und einfacher gegessen, an Feiertagen verzichten Katholiken zudem auf Fleisch. Heute gestalten Christen die Fastenzeit individuell, viele verzichten auf einzelne Lebensmittel, Genussmittel oder Gewohnheiten wie Süßigkeiten oder soziale Medien. Oder nehmen sich die Etablierung neuer gesunder Angewohnheiten vor. Ein vollständiger ganztägiger Verzicht auf Essen ist heute eher unüblich. In einigen orthodoxen Kirchen wird in Abstufungen auf tierische Produkte verzichtet.
Ist das Fasten verpflichtend?
Islam
Das Fasten im Ramadan ist für alle erwachsenen Muslime verpflichtend. Ausgenommen sind etwa Kranke, Reisende und Schwangere. Auch Kinder müssen nicht fasten.
Christentum
Früher war das Fasten strenger geregelt. Heute gilt es in vielen christlichen Konfessionen als persönliche Entscheidung. Der Schwerpunkt liegt stärker auf der inneren Haltung als auf festen Vorschriften.
Welche Rolle spielen Gemeinschaft und Glaube?
Islam
Gebet und Gemeinschaft nehmen einen besonders hohen Stellenwert ein. Das gemeinsame Fastenbrechen stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl. Gebete und das Lesen im Koran nehmen einen großen Teil der Tageszeit in Anspruch.
Christentum
Die sonntäglichen Gottesdienste, Gebete und wohltätige Aktionen spielen eine wichtige Rolle in der Fastenzeit. Die Zeit soll helfen, sich bewusster mit dem Glauben auseinanderzusetzen und sich auf Ostern, das zentrale christliche Fest, vorzubereiten.
Ab welchem Alter muss gefastet werden?
Islam
Ab der Pubertät, also mit der religiösen Mündigkeit, müssen Jugendliche fasten. Kinder sind nicht verpflichtet, viele üben aber trotzdem schon freiwillig, indem sie einzelne Stunden oder Tage mitfasten.
Christentum
Im Christentum gibt es heute keine einheitliche Fastenpflicht mehr. In der katholischen Kirche gilt das Abstinenzgebot, also zum Beispiel der Verzicht auf Fleisch an bestimmten Tagen, ab dem 14. Lebensjahr. Das eigentliche Fastengebot betrifft in der Regel Volljährige. In vielen evangelischen Gemeinden ist Fasten freiwillig und nicht an ein bestimmtes Alter gebunden.
Wer muss nicht fasten?
Islam
Menschen, deren Gesundheit es schaden würde, sind vom Fasten befreit. Dazu gehören Kranke, Kinder, Schwangere, Stillende, ältere oder geschwächte Personen sowie Reisende. Frauen während der Menstruation fasten ebenfalls nicht. Versäumte Tage sollen in der Regel später nachgeholt werden. Kann der oder die Betroffene das nicht, so ist es ersatzweise möglich, stattdessen Hilfsbedürftigen unter die Arme zu greifen.
Christentum
Auch im Christentum geht die Gesundheit vor. Kranke, ältere Menschen, Schwangere oder Personen mit besonderen Belastungen müssen nicht mitfasten. Da heutzutage Fasten zumeist auf Freiwilligkeit beruht, entscheiden die Gläubigen selbst.
Wann wird das Fasten final gebrochen?
Islam
Der Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender, daher verschiebt sich der Zeitraum jedes Jahr um ein paar Tage. Im Jahr 2026 endet er am 20. März. Nachdem viele Musliminnen und Muslime in der Nacht auf diesen Tag für die Vergebung ihrer Sünden beten, folgt dann das Fest des Fastenbrechens, das sogenannte Zuckerfest. Es gibt viele süße Speisen, Kinder bekommen Geschenke oder Geld und man wünscht sich "Eid Mubarak" (Gesegnetes Fest).
Christentum
Für Christen ist der Karsamstag der letzte Fastentag - in diesem Jahr fällt er auf den 4. April. Zu Ostern werden häufig üppige Fleischgerichte gegessen, außerdem gehört die Ostereier-Suche zu den gängigen Traditionen.
Folgt man dem liturgischen Kalender, also der Grundordnung des Kirchenjahres, so liegt das Ende der Fastenzeit sogar noch etwas früher, nämlich mit dem Beginn der Abendmesse am Donnerstag in der Karwoche, dem sogenannten Gründonnerstag. An diesem Tag wird an das letzte Abendmahl von Jesu und seinen Jüngern gedacht (Quelle: katholisch.de). Gefastet wird allerdings auch an den zwei folgenden Tagen, in denen an Jesu Leiden und seinen Tod am Kreuz erinnert wird.
Kirchengemeinden veranstalten gerne Solidaritätsessen mit einfachen Gerichten und sammeln Spenden für Hilfsprojekte.
Transparenzhinweis: In diesem Artikel gab es leider Ungenauigkeiten und Fehler in Bezug auf Ramadan und die christliche Fastenzeit. Wir haben diese korrigiert und bitten um Entschuldigung.