SWR-Datenrecherche: Platz 4 im Negativranking

Nur fünf Fahrten am Tag: Ockenfels hat eine der schlechtesten Busverbindungen des Landes

In Ockenfels im Kreis Neuwied fährt nur fünfmal am Tag der Bus. Damit ist der Ort im landesweiten Vergleich besonders schlecht angebunden. Aber die Situation soll sich bald bessern.

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Von Autor/in Tim Saynisch

Morgens holt der Bus in Ockenfels um 7.21 Uhr und um 7.51 Uhr die Schulkinder ab und mittags kommen die Schüler um 12.33 Uhr und 13.33 Uhr zurück nach Ockenfels. Nach 16.03 Uhr hält dann gar kein Bus mehr im Ort. Mit diesen fünf Fahrten am Tag zählt Ockenfels zu den Gemeinden in Rheinland-Pfalz, die bisher am schlechtesten an den ÖPNV angebunden sind. Das hat eine Datenrecherche des SWR ergeben.

Ockenfels liegt unmittelbar an der Rheinschiene

Der SWR hat sich die Frage gestellt: Wann fährt in den Gemeinden im Land der erste Bus und wann der letzte? In beiden Kategorien belegt Ockenfels jeweils Platz 4 im Negativranking. Und das überrascht auf den ersten Blick schon. Denn der Ort mit seinen rund 1.000 Einwohnern liegt nur rund zwei Kilometer entfernt von der wichtigen Bundesstraße B42, die Koblenz und Bonn verbindet. Ebenso weit ist es zum Bahnhof in Linz, der Anbindung an die rechte Rheinstrecke bietet.

Ein Bus dreht auf dem Wendehammer in Ockenfels
Seltener Anblick: In Ockenfels fährt derzeit nur fünfmal am Tag ein Bus.

Ernst Willi Giersen ist 77 Jahre alt, Mitglied des Ortsbeirats und wohnt schon immer in Ockenfels. Nur für Ausbildung und Studium habe er den Ort verlassen, sagt er dem SWR. "Es ist schön hier, aber man braucht eben ein Auto", meint der Rentner. Denn Ockenfels habe eine Schwierigkeit: Der Ort sei quasi eine Sackgasse. "Das Problem ist einfach, dass wir keine Durchgangsstraßen haben. Wenn wir die hätten, dann hätten wir hier längst eine Busverbindung."

Fehlende Busverbindung belastet die Menschen

Aber im Ort gibt es nur einen Wendehammer. Ein Bus nur für den Ort würde also immer voll hin und leer zurück fahren - oder umgekehrt. Das habe bisher kein Busunternehmen machen wollen. Die Situation sei eine Belastung für alle im Ort, sagt Ernst Willi Giersen.

Peter Thomas (links) und Ernst-Willi Giersen stehen an der Bushaltestelle in Ockenfels
Peter Thomas (links) und Ernst-Willi Giersen würden in Ockenfels gern öfter den Bus statt das Auto nehmen. Aber es gibt keine regelmäßige Verbindung-

Davon ist auch Ortsbürgermeister Torsten Müller (SPD) überzeugt: "Ich kenne fünf oder sechs Pendler, die hier zu Fuß runterlaufen und in die Bahn einsteigen", erklärt Müller. "Runter" heißt in dem Fall den Berg hinunter zum Bahnhof nach Linz. Denn Ockenfels liegt am Hang, auf einem namensgebenden Felsen. "Wenn ich dann am Bahnhof ankomme, muss ich wieder hier hoch", führt der Bürgermeister aus. Aus Sicht der Gemeinde ist das keine alltagstaugliche Lösung. Deswegen hat sie sich selbst geholfen.

Gemeinde behilft sich mit Sammeltaxi

Vor mehreren Jahren wurde ein Anruf-Sammeltaxi ins Leben gerufen. Das fährt heute auf Bestellung mehrere Stationen im Ort an: Unter anderem das Feuerwehrhaus, die Bergstraße, die Weinbergstraße und den Donatusplatz, wo auch die Bushaltestelle ist. Nach Angaben des Ortsbürgermeisters haben die Ockenfelser mehr als 2.000 Fahrten im letzten Jahr damit gemacht. Auf lange Sicht sei das Sammeltaxi aber ein Auslaufmodell, meint Müller. Denn die Gemeinde könne sich den Betrieb nur schwer leisten.

Das Anruf-Sammeltaxi kostet die Gemeinde im Jahr viel Geld. Das geht in die Zehntausende, die wir an den Taxiunternehmer zahlen.

"Das Anruf-Sammeltaxi kostet die Gemeinde im Jahr viel Geld. Das geht in die Zehntausende, die wir an den Taxiunternehmer zahlen. Und wir haben kein Gewerbe im Ort. Die Refinanzierung ist entsprechend anspruchsvoll", so Müller. Zwar zahlten auch die Bürger für jede Fahrt, das sei aber eher ein symbolischer Betrag von wenigen Euro.

Kreisverwaltung Neuwied hat Bedarf erkannt

Deshalb pocht Ockenfels seit Langem auf eine regelmäßige Busanbindung. "Der Bedarf ist da", findet der Ortsbürgermeister. Das hat mittlerweile auch die Kreisverwaltung Neuwied registriert, die für den ÖPNV zuständig ist. Seit dem letzten Jahr steht die Ortsgemeinde mit ihr im intensiven Austausch. "Auch die Nutzung des Anruf-Sammeltaxis hat uns gezeigt, dass wir da ran müssen", sagt Philipp Rasbach, der als erster Kreisbeigeordneter das Ressort Nahverkehr betreut.

Ortsbürgermeister Torsten Müller zeigt auf den Busfahrplan von Ockenfels
Ortsbürgermeister Torsten Müller zeigt: Auf dem Fahrplan in Ockenfels gibt es viele Leerzeilen.

Auf Anregung der Ortsgemeinde Ockenfels plant die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben gerade das ÖPNV-Angebot für Ockenfels neu. Die Linie 176 im Verkehrsverbund Rhein-Mosel (VRM), die zwischen Waldbreitbach und Linz verkehrt, soll künftig über Ockenfels geführt werden. In Linz würde dann eine Umsteigemöglichkeit zu anderen Buslinien und zum regionalen Zugverkehr entstehen. Geplant sei ein stündlicher Busverkehr.

Neue Buslinie soll im Spätsommer starten

"Damit hätte Ockenfels ein vergleichbares ÖPNV-Angebot wie andere Gemeinden im Kreisgebiet", erklärt die Kreisverwaltung auf SWR-Anfrage. Ortsbürgermeister Müller wäre mit dieser Lösung zufrieden: "Das wäre schon eine Menge mehr als jetzt. Und mit dem Deutschlandticket könnten Pendler umweltfreundlich zur Arbeit fahren."

Ganz nebenbei würde Ockenfels dann auch schlagartig seinen Platz auf den hinteren Rängen im Landesvergleich los. Die neue Busverbindung soll laut Kreisverwaltung ab Spätsommer kommen.

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Tim Saynisch
Foto von Multimediareporter Tim Saynisch

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