Allein am 26. August sind laut Kreisverwaltung auf dem Maifeld, in der Verbandsgemeinde Pellenz und in der Vordereifel acht Schulbusse ausgefallen. Die Integrative Gesamtschule Maifeld (IGS) berichtet von Fahrern, die sich nicht auskennen. Von Eltern, die sich beschweren und von Problemen für den Unterricht. Landrat Marko Boos (SPD) spricht von einem "schwerwiegendem Vertragsbruch".
Kreisverwaltung: "Die Geduld ist aufgebraucht"
Boos macht das Transdev-Tochterunternehmen Verkehrsbetriebe Mittelrhein (VMR) für die Situation verantwortlich. "Die Geduld ist aufgebraucht", heißt es in einer Pressemitteilung. "Die Situation ist für Eltern, die ihre Kinder in die Verantwortung des ÖPNV geben müssen, absolut untragbar." Er sei "maßlos enttäuscht, dass Transdev es wiederholt nicht schafft, die elementare Aufgabe einer funktionierenden Schülerbeförderung sicherzustellen".
Schulleiter der IGS Maifeld: "Busse sind sehr unzuverlässig"
Dass es immer wieder Probleme mit den Bussen gibt, bestätigt auch der Schulleiter der IGS Maifeld, Malte Möbius. "Allein heute hatten wir schon einen Busausfall und zwei Verspätungen", sagt er am Telefon. Eine Mutter habe sich beschwert, dass sie in diesem Schuljahr ihren Sohn schon drei mal von der Schule abholen musste, weil die Busse ausgefallen seien. "Und heute ist erst der achte Schultag."
Wenn Kinder ständig zu spät kommen, sitzen sie nicht ausgeglichen im Unterricht
Das Problem ist aus Sicht des Schulleiters, dass in einem Bus viele Schüler sitzen, deren Eltern dann einspringen müssten, um ihre Kinder zur Schule zu bringen. Dadurch gebe es täglich viele Beschwerden. Außerdem stresse das die Schüler und störe den Unterricht. "Wenn Kinder ständig zu spät kommen, sitzen sie nicht ausgeglichen im Unterricht", sagt Möbius.
VMR: "99,32 Prozent der Fahrten erbracht"
Auf SWR-Nachfrage weisen die Verkehrsbetriebe Mittelrhein die Vorwürfe zurück: Seit dem Beginn des Schuljahres seien 99,32 Prozent der Fahrten normal und ohne Probleme durchgeführt worden. Allerdings betreffe das alle Fahrten in dem Bereich, gibt der VRM zu. Für den Schülerverkehr gebe es keine einzelnen Daten dazu.
Wir haben alle Anstrengungen unternommen, um zum Schulstart eine stabile, verlässliche Verkehrsleistung auf die Straße bringen zu können
Wie das Unternehmen weiter mitteilt, kam es am ersten Schultag nach den Sommerferien aufgrund höherer Gewalt allerdings zu insgesamt 86 Fahrtausfällen. Hintergrund sei ein Großbrand auf dem Nachbargelände eines der VMR-Hauptstandorte gewesen. Dadurch hätten viele Busse den Parkplatz nicht verlassen können.
Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben zum neuen Schuljahr neun zusätzliche Fahrzeuge angemietet und außerdem 13 Fahrer neu eingestellt und eingearbeitet. "Wir haben alle Anstrengungen unternommen, um zum Schulstart eine stabile, verlässliche Verkehrsleistung auf die Straße bringen zu können", heißt es von der Transdev-Tochter.
Das sagt das Qualitätsmanagement?
Der Verkehrsverbund Rhein-Mosel plant den öffentlichen Nahverkehr im Norden von Rheinland Pfalz und ist damit auch für den Busverkehr in acht Landkreisen und der Stadt Koblenz zuständig. Geschäftsführer Stephan Pauly sagt, zurzeit drehe sich etwa 80 Prozent seiner Arbeitszeit um den Ärger im Landkreis Mayen-Koblenz. Und er wird deutlich: "Leider muss ich feststellen, dass ausschließlich in Maifeld, Pellenz und der Vordereifel die vertraglich zugesagten und vom Kreis finanzierten Leistungen mit einer unbegreiflichen Penetranz und einer ungehörigen Chuzpe konsequent nicht oder schlecht erbracht werden. Nur dort in dieser Form."
Rechtliche Konsequenzen
Gemeinsam mit der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz prüft der Verkehrsverbund deswegen jetzt rechtliche Schritte. Man ziehe in Erwägung den Vertrag zwischen dem Transdev-Tochterunternehmen und dem Landkreis vorzeitig aufzuheben, um allen Beteiligten weitere "Nachteile und Ärgernisse" zu ersparen und "weiteren Schaden" abzuwenden.