Wie wirkt sich die schulfreie Zeit auf Kinder aus?

Sommerferien in RLP sind rum: Wie gelingt der Sprung zurück in den Schulalltag?

Die Sommerferien in RLP sind vorbei. Wie können Eltern ihre Kinder auf den Schulstart vorbereiten? Und sind sechs Wochen Ferien zu lang oder genau richtig? 
 

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Von Autor/in Clara Holzhauser

Für Schülerinnen und Schüler geht in Rheinland-Pfalz die Schule wieder los. Für viele Kinder ist das eine aufregende Zeit – sie sehen ihre Freunde wieder, vielleicht bekommen sie andere Lehrer oder ein neues Fach.

Für manche kann der Schulstart aber auch mit Ängsten verbunden sein – vielleicht müssen sie eine Klasse wiederholen oder gehen auf eine neue Schule. Eins ist klar, die Zeit nach den Ferien wird für Kinder und Eltern eine Umstellung, allein schon deshalb, weil sie wieder in den Schulalltag mit geregelten Zeiten finden müssen. 

Abschiedsritual zum Ferienende

Damit der Übergang besser gelingt, hat Expertin Claudia Christ, die in Wiesbaden eine Praxis für Psychotherapie und Coaching leitet, einen Tipp für Eltern: Gestaltung eines Abschiedsrituals zum Ferienende, damit ein klarer Einschnitt für die Kinder deutlich werde. Das könne ein Ausflug, ein gemeinsames Fotoalbum oder ein Picknick sein.

Zu viel Medienkonsum: "Die Kinder sind dann zerstreuter"

Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbands Rheinland-Pfalz und Lehrerin am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim, empfiehlt, dass Kinder vor allem gegen Ende der Ferien weniger Zeit vor dem Handy oder mit Computerspielen verbringen sollten.

Es falle nach den Ferien auf, wer in der freien Zeit viel gezockt hat: "Die Kinder sind dann zerstreuter, können kaum stillsitzen, sind ganz hibbelig, vor allem wenn sie Spiele am Computer gespielt haben, die einen nervös machen, wo man schnell reagieren muss. In den 5. Klassen kann es sein, dass das bei Schülern drei bis vier Wochen dauern kann, bis es sich wieder einpendelt."

 

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Ihre Wunschvorstellung für die Sommerferien von Kindern: "Raus gehen in die Natur, ein Buch lesen, mit den Eltern wandern gehen. So kann die Fantasie von Kindern angeregt werden und vielleicht lernt man dann in den Ferien sogar ein neues Hobby oder Gesellschaftsspiel kennen."

Wichtig für Kinder: neue Anregungen

Auch Claudia Christ betont, wie wichtig neue Anregungen in der schulfreien Zeit sind: "Anregungen müssen immer so sein, dass Kinder das Gefühl haben, ich lerne was dazu. Zum Beispiel: Ich kann jetzt ein Zelt aufbauen, ich kann einen Baum hochklettern, ich habe einen Erfolg."

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Sie erklärt, dass neue Anregungen Einfluss auf den "Summer Learning Loss" von Kindern haben. Dieses Phänomen beschreibt unter anderem den Lernrückschritt von Schülern während der Sommerferien. "Der 'Summer Learning Loss' tritt noch schneller ein, wenn die Kinder salopp gesagt nur vor dem Handy oder der Glotze sitzen und keine neuen Anregungen bekommen. Kinder in unteren Bildungsschichten werden weniger in den Ferien zu Neuem angeregt und vergessen noch schneller."

Sechs Wochen Sommerferien: zu lang, zu kurz, genau richtig?

Wenn man über die Sommerferien spricht, wird immer wieder über die Länge der schulfreien Zeit diskutiert. "Sechs Wochen halte ich ehrlich gesagt für fast schon zu lang. Ich wäre da fast eher bei vier Wochen", meint Psychotherapeutin und Internistin Claudia Christ. 

Das reiche, dass Kinder auch mal ausschlafen können und keinen Leistungsdruck wegen Prüfungen haben. "Aber wir sehen das auch bei Erwachsenen: Wenn die aus dem Beruf zu lange rausgenommen sind und länger als vier Wochen weg sind, dann sinkt die Bereitschaft, wieder in den Beruf einzusteigen."

Keine Kürzung der Sommerferien – stattdessen Ausbau von Ferienangeboten

Der Landeselternbeirat (LEB) Rheinland-Pfalz lehnt nach einer Pressemitteilung aus dem Juli die Kürzung der Sommerferien ab: "Die häufig geäußerten Sorgen über Betreuungslücken in den Sommerferien sind nachvollziehbar – sie dürfen jedoch nicht als Begründung für eine Ferienkürzung missbraucht werden."

Und weiter: "Der LEB RLP fordert stattdessen den Ausbau verlässlicher, wohnortnaher Ferienangebote in Zusammenarbeit mit Kommunen, Trägern der Jugendhilfe und Vereinen."

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"Sie haben die richtige Länge"

Auch Lars Lamowski, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung Rheinland-Pfalz, ist gegen eine Kürzung: "Die Sommerferien haben die richtige Länge, um vom Schulbetrieb Abstand nehmen zu können. Zudem brauchen die Lehrkräfte auch die Zeit, um sich zu erholen und das neue Schuljahr vorzubereiten. In den kürzeren Ferien funktioniert beides zusammen nicht."

Cornelia Schwartz vom Philologenverband Rheinland-Pfalz sieht das ähnlich: "Wir fahren da in Deutschland ein gutes Maß."

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Immer wieder Thema: Die unterschiedliche Lage der Sommerferien

Auch immer wieder Streitthema in der Bildungspolitik: wann welches Bundesland Sommerferien hat. Susanne Döhler war sechs Jahre lang stellvertretende Sprecherin des Landeselternbeirates Rheinland-Pfalz - dieser wird sich am 23. August neu konstituieren. Sie sieht die bundesweite Ferienregelung kritisch: "Wenn Geschwister in unterschiedlichen Bundesländern zur Schule gehen, ist das wirklich eine Herausforderung."

Sie etwa wohnt mit ihrer Familie in Rheinland-Pfalz, kommt aber aus Bayern: "Ich habe mit meiner Verwandtschaft nur zwei Ferienwochen, die sich überschneiden. Da gibt es kaum eine Möglichkeit, sich zu treffen. Das ist schade." 

Eine Lösung zu finden sei schwierig. "Wenn jetzt alle gleichzeitig Ferien hätten, wären auch alle genervt. Wir wollen auch nicht mehr Stau auf den Straßen haben."

Wunsch nach anderer Ferienverteilung

Ein weiterer Kritikpunkt: "Die Eltern aus Rheinland-Pfalz fühlen sich benachteiligt dahingehend, dass sie immer in der Hauptsaison ihre Reisen buchen müssen und sind dann preislich im Vergleich zu den Bundesländern benachteiligt, die immer quasi in der Nachsaison ihre Urlaube buchen können", berichtet Susanne Döhler.

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Auch für den rheinland-pfälzischen Bildungsminister Sven Teuber (SPD) sind die Termine der Sommerferien ein Thema. Er erklärte im Interview mit dem SWR: "Baden-Württemberg und Bayern haben den Vorteil, dass im September bereits Nebensaison ist. Der Münchner Professor für Tourismuswirtschaft Jürgen Schmude hat errechnet, dass Sie dadurch mindestens 20 Prozent Preisvorteil bei der Buchung haben. Es ist ungerecht, wenn das immer nur den beiden Südländern zur Verfügung steht."

"Ausschlafen und mal trödeln ist auch gut"

Bei einer Sache sind sich aber alle Expertinnen und Experten einig: dass die Sommerferien wichtig für die Entwicklung von Kindern sind. Expertin Claudia Christ bilanziert: "Ferien sind großartig, um das Gehirn mit anderen Anregungen zu stimulieren und mal ohne Notendruck zu sein, eigene Ziele zu entwickeln und rechtzeitig das Gelernte spielerisch nachzuarbeiten. Ausschlafen und mal trödeln ist auch gut."

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Clara Holzhauser

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