Missstände in Schweinezuchtbetrieb

Tierquälerei-Vorwürfe gegen Bauernfunktionär im Kreis Ahrweiler - Prüfsiegel entzogen

Verweste Ferkel, verletzte Tiere, Dreck im Stall: Einem Bauernfunktionär im Kreis Ahrweiler werfen Tierschützer Tierquälerei vor - seine Schweinezucht verlor das Prüfsiegel.

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Von Autor/in Clemens Sarholz

Gegen einen führenden Funktionär des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau aus dem Kreis Ahrweiler sind schwere Tierquälerei-Vorwürfe erhoben worden. Der Mann leitet eine Schweinezucht im nordrhein-westfälischen Halver (Märkischer Kreis). Die Tierschutzorganisation Aninova hat nach eigenen Angaben gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert.

Tierschützer veröffentlichen heimlich gefilmte Videos

Aninova hatte in der Nacht vom 9. auf den 10. Oktober heimlich Videoaufnahmen angefertigt. Sie sollen abgemagerte, verletzte und tote Tiere und massive Hygienemängel zeigen. Auf dem Material, das dem SWR vorliegt, sind verwahrloste Stallungen mit Spinnenweben, Ungeziefer und Mülltonnen voller toter Ferkel zu sehen. Außerdem zeigen die Bilder abgeschnittene Schwänze, die neben lebenden Tieren auf dem Boden liegen.

Ausschnitte aus dem Material hat Aninova auch auf Instagram gestellt. Das Video sorgte bundesweit für Empörung: Innerhalb von zehn Tagen erhielt es knapp eine Million Aufrufe und wurde vielfach geteilt und kommentiert. "Diese Tiere wurden im Grunde sich selbst überlassen", sagt Aninova-Vorstand Jan Peifer. "Wer solche Zustände zulässt, zeigt, dass Tierleid in diesem System einkalkuliert ist."

Veterinäramt bestätigt Verstöße

Das Veterinäramt des Märkischen Kreises überprüfte den Betrieb am 14. Oktober. Dabei seien Mängel im Bereich Tierschutz und Hygiene festgestellt worden, unter anderem bei der "Entsorgung von tierischen Nebenprodukten" und der "Versorgung kranker Tiere". Zudem bemängelt die Kontrollbehörde zu enge Kastenstände und Schädlingsbefall. Tote Tiere seien bei der Kontrolle nicht gefunden worden.

Auf dem Rücken eines Schweines sind Kratzer.
Das Bild zeigt laut der Tierschutzorganisation Aninova ein Schwein, das in dem Zuchtbetrieb in Halver aufgezogen wird.

Gleichzeitig erklärte das Amt, der Zuchtbetrieb bewege sich "weitgehend innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen". Nach Bewertung der Situation lägen "aus veterinärrechtlicher Sicht keine strafrechtlichen Tatbestände vor", es solle aber Nachkontrollen geben. Die Tierschutzorganisation kritisiert die rechtliche Einschätzung und wirft der Behörde mangelnde Konsequenz vor.

Fehlerhafte Kontrolle - Prüfsiegel entzogen

Auch das Prüfunternehmen "Qualität und Sicherheit" (QS) führte unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe eine Sonderprüfung durch. Nach eigener Auskunft am gleichen Tag, an dem auch das Veterinäramt vor Ort war, dem 14. Oktober. "Hierbei wurden untragbare Zustände festgestellt, darunter auch tote Tiere", schreibt das Unternehmen.

Die im Sonderaudit dokumentierten Mängel wurden bei einer regulären Prüfung Anfang Oktober nicht festgestellt, sagt das Unternehmen. Der verantwortliche Kontrolleur dürfe deshalb jetzt keine Prüfungen mehr für das Unternehmen QS durchführen.

Der Schweinezuchtbetrieb sei mit sofortiger Wirkung aus dem QS-System ausgeschlossen worden, schreibt eine Sprecherin. Für den Zuchtbetrieb ist das vermutlich ein schwerer Schlag. Die meisten großen Supermarktketten in Deutschland bieten nur Fleisch aus QS-zertifizierten Betrieben an.

Ein Gang in einem verdreckten Schweinestall.
Laut Aninova sind auf diesem Foto die verdreckten Stallungen des Schweinezuchtbetriebs in Halver zu sehen.

Funktionär des Bauernverbands im Kreis Ahrweiler in der Kritik

Brisant ist vor allem die Rolle des Betriebsleiters: Nach SWR-Informationen ist der Schweinezüchter zugleich ein Funktionär des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau im Kreis Ahrweiler. Während er öffentlich für die Interessen der Landwirtschaft eintrete, herrschten auf seinem eigenen Hof "Zustände der Verwahrlosung", so Tierschützer Jan Peifer.

In der Vergangenheit hat sich der betroffene Funktionär in Interviews als Befürworter eines besseren Tierwohls präsentiert - zugleich aber betont, wie schwierig die Balance zwischen Tierwohl, Wirtschaftlichkeit und Verbraucherpreisen sei. Auf eine Anfrage des SWR zu den aktuellen Vorwürfen hat der betroffene Funktionär bislang nicht reagiert.

Verband reagiert zurückhaltend

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau erklärte auf SWR-Anfrage: "Da der betreffende Betrieb nicht in unserem Verbandsgebiet liegt, sondern in Nordrhein-Westfalen, bitten wir um Verständnis, dass wir hierzu keine Ausführungen gemäß Ihrer Fragen vornehmen können." Zudem verwies der Verband darauf, dass er aus Datenschutzgründen keine weiteren Informationen zur Person weitergeben könne.

Misstände in Schweinezuchtbetrieb: Ermittlungen laufen

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat bestätigt, dass im Zusammenhang mit der Schweinezucht in Halver eine Anzeige eingegangen ist. Die werde derzeit geprüft.

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