Noch sind nicht alle Baustellen verschwunden und der Wiederaufbau wird die Region noch Jahre beschäftigen. Dennoch ist die Entwicklung nach Angaben des Ahrtal-Tourismus Verbandes spürbar: Mehr Gäste, modernisierte Angebote und ein wachsendes Selbstbewusstsein prägen die Tourismusregion vier Jahre nach der Flut.
Fast eine Million Gäste in 2025
"Es geht aufwärts", sagt Andreas Lambeck, Geschäftsführer des Ahrtal-Tourismus. Die Zahl der Gästebetten steige kontinuierlich. Rund 6.700 Betten stehen derzeit zur Verfügung - fast so viele wie vor der Flut. Immer mehr Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen öffnen wieder, besonders in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Dernau und Altenahr.
Nach dem Einbruch in der Zeit nach der Flutkatastrophe verzeichnet die Region 2025 voraussichtlich mehr als 900.000 Übernachtungen - rund 100.000 mehr als im Vorjahr, aber noch etwa eine halbe Million weniger als 2019.
Wander- und Radwege im Ausbau
Auch beim Thema Infrastruktur geht es sichtbar voran. Die Wanderwege im Ahrtal werden nach und nach instand gesetzt, der bekannte Rotweinwanderweg ist weitgehend wieder begehbar. Dazu kommen acht neue Ahrschleifen, thematische Rundrouten durch Weinberge und Täler.
Das Radwegenetz wird ebenfalls ausgebaut - viele Strecken sind bereits nutzbar, einzelne Abschnitte werden noch saniert. Bis 2026 sollen die meisten Verbindungen wieder geschlossen sein.
Wandern und Radfahren sind zentrale Themen, auf die wir uns jetzt konzentrieren. Beides gehört fest zur Identität der Region.
Immer noch werde geprüft, ob eine Hängeseilbrücke an der Bunten Kuh machbar sei oder eine sogenannte Treppe ins Nichts - also eine Aussichtsplattform - gebaut werden könnte. Wandern und Radfahren seien zentrale Themen, auf die sich der Verband konzentriere, sagt Lambeck. "Beides gehört fest zur Identität der Region."
Ahrtalbahn fährt bald wieder
Ein wichtiger Schritt steht laut dem Tourismus Verband im Dezember an: Dann soll die Ahrtalbahn nach Jahren des Wiederaufbaus wieder durch das ganze Tal fahren. Mit der AhrtalCard können Gäste künftig kostenlos den Nahverkehr nutzen - auch bis nach Koblenz. Der Verband rechnet mit einem deutlichen Schub, vor allem bei Tagesausflüglern und Wandergruppen aus dem Großraum Köln-Bonn. Die Bahn gilt zugleich als Symbol dafür, dass nachhaltiger Tourismus im Ahrtal wieder greifbar wird, so Andreas Lambeck.
Endspurt beim Wiederaufbau der Ahrtalbahn Im Dezember sollen Züge durchgängig durchs Ahrtal fahren
Bald sollen wieder Züge von Remagen bis Ahrbrück fahren. Die Deutsche Bahn hat jetzt in Dernau gesagt, ob das auch klappt wie geplant.
Ehemalige Helfer werden zu Gästen
Neben der steigenden Zahl der Übernachtungen gibt es noch etwas anderes, was auffällig ist: Die Gästestruktur habe sich verändert, erklärt Lambeck. Viele der heutigen Besucherinnen und Besucher sind jünger als früher - ein Effekt, den der Tourismusverband auf die Zeit der Helferinnen und Helfer nach der Flut zurückführt.
Viele haben das Tal damals kennengelernt und kommen jetzt als Gäste wieder.
Viele von ihnen hätten das Tal damals kennengelernt und würden nun als Gäste zurückkehren. Diese Mischung aus neuen und treuen Besucherinnen und Besuchern tue der Region gut. Veranstaltungen, Weinfeste und Kulturangebote seien stärker nachgefragt als in den Jahren vor der Katastrophe.
Neue Impulse für das Ahrtal
In Bad Neuenahr-Ahrweiler entstehen derzeit außerdem mehrere zentrale Bauprojekte, die das touristische Profil der Region nach Angaben des Verbands prägen sollen. Im Kurpark werden eine Eventhalle und ein Haus des Gastes gebaut, 2027 folgt eine Heilwasser-Erlebniswelt. Parallel setzt das Ahrtal auf Veranstaltungen, Weinfeste und regionale Gastronomie, die bereits wieder zahlreiche Besucherinnen und Besucher anziehen. Die Mischung aus neuen Angeboten, offener Kommunikation und modernisierter Infrastruktur prägt das Bild des Ahrtals nach der Flut.