Das Gericht schenkt somit den Aussagen des Mädchens Glauben, nicht der Aussage des Priesters, der den Missbrauch bis zuletzt bestritten hat. Der Priester hatte sich im Prozess teils selbst bei seinen Ausführungen widersprochen. Die Richter am Landgericht Koblenz bestätigten auch das Strafmaß des Amtsgerichts: Acht Monate Haft, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Gegen das Urteil kann der Priester noch Revision einlegen.
Bereits im März hatte das Amtsgericht Montabaur den katholischen Priester Thomas Jäger in erster Instanz verurteilt. Er stritt die Vorwürfe ab und ging in Berufung. Auf seiner Webseite berichtet der Mann offen über das gegen ihn laufende Verfahren. Deshalb nennt der SWR auch seinen vollen Namen, anders als sonst üblich.
Verfahren vor dem Landgericht Koblenz Umstrittener Priester aus dem Westerwald wegen Kindesmissbrauchs verurteilt
Das Landgericht Koblenz hat einen Priester aus dem Westerwald im Berufungsverfahren wegen Kindesmissbrauchs verurteilt. Zuvor hatte ihn ein Amtsgericht schuldig gesprochen.
Priester war im Fürstentum Liechtenstein tätig
Jäger stammt aus dem Westerwald und wurde Anfang des Jahrtausends im Bistum Limburg zum Priester ausgebildet. Im Fürstentum Liechtenstein wurde er zum Priester geweiht und arbeitete dort als Pfarrer und Religionslehrer. 2019 soll es in seinem Pfarrhaus in der Gemeinde Ruggell zu einem Vorfall gekommen sein, der seitdem die Liechtensteiner und nun zum zweiten Mal die rheinland-pfälzische Justiz beschäftigt.
Achtjährige unter Vorwand ins Haus gelockt
Ein damals achtjähriges Mädchen berichtete nach einem Besuch im Pfarrhaus seinen Eltern, der Mann habe sie unter dem Vorwand, ihr ein Ministrantenbuch geben zu wollen, ins Pfarrhaus gelockt. Dort habe er gegen den Willen des Mädchens deren Brust massiert. Die Eltern erstatteten Strafanzeige wegen Kindesmissbrauchs.
Justiz in Liechtenstein kam im Fall des Priesters nicht weiter
Bei einer Hausdurchsuchung fand die Liechtensteiner Polizei bei dem Priester ein Handy mit Hinweisen auf den Besuch pornographischer Seiten. Auf den Seiten sei möglicherweise auch Kinderpornographie angeboten worden, heißt es in einem späteren Gutachten. Dafür wurde der Mann 2020 in Liechtenstein zu einer Geldstrafe verurteilt. Aber die nächste Instanz hob das Urteil wegen Mängeln bei der Beweiserhebung auf.
Im selben Jahr ließ das "Fürstliche Obergericht" von Liechtenstein eine Anklage gegen Jäger wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs zu. Doch der deutsche Beschuldigte erschien nicht zur Verhandlung vor dem "Fürstlichen Land- und Kriminalgericht".
Da das Gericht nicht in Abwesenheit des Angeklagten verhandeln kann, "wurde das Strafverfahren abgebrochen", teilte die Staatsanwaltschaft Liechtensteins auf SWR-Anfrage mit. Trotzdem verhängten die Liechtensteiner Behörden ein unbefristetes Berufsausübungsverbot in Bezug auf seine Tätigkeit als Religionslehrer.
Staatsanwaltschaft Koblenz übernahm den Fall
In der Zwischenzeit wurde zum selben Tatvorwurf auch in Deutschland ein Strafverfahren gegen den heute 50-Jährigen eröffnet, das zu der Verurteilung in Montabaur führte. Das Berufungsverfahren gegen dieses Urteil beschäftigte nun das Landgericht Koblenz.
Die insgesamt drei Verhandlungstage fanden in Koblenz weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Grund war unter anderem die Zeugenaussage des Mädchens, deren Privatsphäre die Richterin während des Prozesses wahren wollte. Am zweiten Verhandlungstag sollte eigentlich das Urteil fallen. Der Angeklagte konnte jedoch sein Abschluss-Statement nicht vortragen, weil der Akku seines Notebooks leer war und er kein Ladekabel dabei hatte.
Auf SWR-Anfrage an den Verteidiger von Thomas Jäger antwortete ein Medienbüro mit Kritik an der Ermittlungsführung in Liechtenstein. Es spricht von einer "mangelhaften Aktenklage" sowie einem "rechtsungültigen/-widrigen Urteil des Amtsgerichts Montabaur".
Priester auch bei Treffen von Rechtsextremisten in Brandenburg
Keine Antworten gab es in der Stellungnahme auf Fragen nach dem politischen Hintergrund des Priesters. Auf dessen Handy hatte die Liechtensteiner Polizei eine Ausgabe von "Mein Kampf" sowie eine "Liste von inländischen Neonazis" gefunden, wie die einheimische Presse berichtete.
In den vergangenen Jahren wurde der Priester mehrfach mit Vertretern der sogenannten Neuen Rechten gesehen. Zuletzt hatte Thomas Jäger im Sommer 2025 - wie bereits im Vorjahr - ein vermeintliches "Sommerfest" in Schnellroda in Brandenburg besucht. Das dort jahrelang ansässige "Institut für Staatskunde" war vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet worden und hatte sich im April 2024 aufgelöst.
Offenbar auch Kontakte zur AfD
Auch zur AfD unterhält der Priester offenbar Kontakt: Von dem Treffen des "Arbeitskreises Christen in der AfD" im Mai gibt es Fotos im Internet, die den Mann als Besucher einer Mitgliederversammlung des Arbeitskreises in Mainz zeigen. Auch der örtliche AfD-Stadtverband hat ein entsprechendes Foto veröffentlicht.
Ein stellvertretendes Vorstandsmitglied, das an der Veranstaltung teilnahm, wollte auf SWR-Anfrage die Anschuldigungen gegen den Priester nicht kommentieren.