Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, der Text der Studie der Historiker habe ihn sehr bewegt. Er blicke mit großem Respekt auf den Bericht – vor allem mit Respekt für die Betroffenen. Er empfinde aber auch Traurigkeit über das Geschehene: an erster Stelle über das Verbrechen des Missbrauchs mit all der Belastung, die das für die Betroffene gebracht hat.
Versäumnisse anderer und persönliche Grenzen
Traurig mache ihn aber nicht nur, dass was von Verantwortlichen versäumt worden ist. Sondern auch die Grenzen, an die er persönlich und andere Verantwortliche seit 2009 mit ihm gestoßen sind.
Aufruf an Betroffene, sich zu melden
Mindestens 24 Menschen, so sagt es die Studie, seien in seiner Amtszeit Opfer sexualisierter Gewalt geworden. Das sei schrecklich. Nicht alle diese Betroffenen seien den Verantwortlichen im Bistum bekannt. Er bitte sie daher darum, wenn es ihnen möglich sei, sich auch noch beim Bistum zu melden. Diese Bitte gelte natürlich für alle von sexualisierter Gewalt Betroffene.
Ich kann nur um Verzeihung bitten für das, was ich oder meine Mitarbeitenden Betroffenen sexualisierter Gewalt in unserem Bistum an neuen Verletzungen zugefügt haben.
Ackermann sagte, er könne nur um Verzeihung bitten für das, was er oder seine Mitarbeitenden Betroffenen sexualisierter Gewalt im Bistum Trier durch ihr Handeln oder Nichthandeln an neuen Verletzungen zugefügt hätten. Künftiges Handeln solle sich stärker an Betroffenen ausrichten.
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Der Bericht helfe, weil er durch seine tiefgehende Recherche sehr plastisch zeige, warum manche Fehler passieren konnten oder warum es Versäumnisse gab. Er zeige aber auch, dass er, Ackermann, und seine Mitarbeitenden keinen dieser Fehler aus bösem Willen oder vorsätzlich begangen hätten.
Last für Betroffene sexualisierter Gewalt und für Gemeinden
Die Studie zeige deutlich die Last, die durch das jahrzehntelange Schweigen auf Betroffenen gelegen hat. Sie zeigt darüber hinaus die Belastung, die die individuelle und institutionelle Aufarbeitung seit 2010 mit sich gebracht hat: für die unmittelbar Betroffenen, aber auch für die nicht direkt Betroffenen.
Dabei denke er insbesondere an Menschen in den Gemeinden, mit denen das Bistum in manchen früheren Fällen auch nicht angemessen umgegangen seien. Und zwar indem die Bistumsleitung zu spät oder unzureichend informiert habe. Aber er denke auch an die Belastungen für alle, die sich um Aufklärung und Aufarbeitung bemüht haben.
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Kardinal Reinhard Marx: Ich hatte keine Übersicht
Marx schreibt als Reaktion auf die Studie, dass er für seine Amtszeit als Bischof von Trier (2002- 2008) zur Aufklärung und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Missbrauch beitragen wolle. Allerdings habe er keinen Einblick mehr in das Archiv seiner Trierer Amtszeit und könne nur das beitragen, woran er sich erinnern könne.
Nicht auf Betroffene aktiv zugegangen
Marx teilt weiter mit, dass er sich nicht daran erinnern könne, dass ihn Betroffene während seiner Trierer Amtszeit um ein persönliches Gespräch gebeten hätten. Auch er sei damals nicht ausreichend sensibel gewesen und sei nicht aktiv und systematisch auf Betroffene zugegangen.
Damaliges Vorgehen mit sexuellem Missbrauch nicht angemessen
Nach den damaligen Leitlinien sollten Beschuldigte dazu bewegt werden, sich selbst anzuzeigen. Im Rückblick sei das Vorgehen nicht angemessen gewesen. Auch habe es damals keine präzisen und nachvollziehbaren Auflagen gegeben für die Sanktionierung und Aufsicht von Missbrauchs-Tätern.
Gelernt habe er, schreibt Marx, dass das Verfahren zur Anerkennung des Leids zwar für viele Betroffene wichtig sei, aber nicht ausreiche.
Ihm sei deutlich geworden, dass er in seiner Zeit als Bischof von Trier die Thematik sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs nicht so umfassend und klar wahrgenommen habe, wie das angemessen gewesen wäre.
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Betroffenen nicht gerecht geworden
Bewusst sei ihm, dass das Handeln der Trierer Bistumsleitung während seiner Amtszeit deshalb nicht immer so eindeutig war, wie er sich das aus heutiger Sicht wünschen würde.
Insbesondere gelte das für die Situation direkt und indirekt Betroffener. Das bedauere er und bitte die Menschen um Verzeihung, denen er nicht gerecht geworden sei.