Waldbrand am Rotenfels

Alte Munition in Wäldern in Rheinland-Pfalz: So groß ist die Gefahr

Weltkriegsmunition hat die Löscharbeiten beim Waldbrand am Rotenfels bei Bad Kreuznach erheblich erschwert. Und auch in anderen Regionen von RLP liegen noch Kampfmittel.

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Stand

Die Einsatzkräfte waren mehrere Tage mit den schwierigen Löscharbeiten im Naturschutzgebiet am Rotenfels im Landkreis Bad Kreuznach beschäftigt. Auch in anderen Gebieten in Rheinland-Pfalz liegt noch bisher unentdeckte Weltkriegsmunition. Wie gefährlich ist das? Wir haben dazu die wichtigsten Fragen beantwortet.

Wo liegt noch Weltkriegsmunition in Rheinland-Pfalz?
Warum wird die Munition nicht entfernt?
Kann sich die Munition bei Hitze entzünden?
Wie gefährlich sind die rheinland-pfälzischen Wälder für Spaziergänger?

Wo liegt noch Weltkriegsmunition in Rheinland-Pfalz?

Grundsätzlich könnte überall noch unentdeckte Munition aus den beiden Weltkriegen auftauchen. Besonders wahrscheinlich ist das in Gebieten, die in Zeiten der Kriege als Munitionsdepots oder als Bunkeranlagen dienten. Im Waldgebiet des ehemaligen Munitionslagers Dodenburg in der Region Trier dürfen etwa die Wege aus Sicherheitsgründen gar nicht verlassen werden. Nach Angaben der Verbandsgemeinde liegen dort bis heute nicht vollständig geräumte Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden.

Warnschild im Waldgebiet des ehemaligen Munitionslagers Dodenburg in der Region Trier. Hier dürfen Wege nicht verlassen werden.
Warnschild im Waldgebiet des ehemaligen Munitionslagers Dodenburg in der Region Trier. Hier dürfen Wege nicht verlassen werden.

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm teilt mit, dass es entlang des Westwalls noch historische Kampfmittel gibt. Bei Waldbränden stellten sie eine erhebliche Gefahr dar. Rund um die alten militärischen Verteidigungsanlagen müsse die Feuerwehr ihre Einsatztaktik darauf einstellen.

Auch im Forst rund um Koblenz befinden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach Angaben des Forstamts Koblenz finden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer Arbeit immer wieder Bombenlöcher. Ähnliches berichten viele weitere Kreise und Forstämter in Rheinland-Pfalz auf Anfragen des SWR. So wird im Lennebergwald zwischen Mainz und Budenheim sowie im Ober-Olmer Wald noch Munition im Boden vermutet.

Warum wird die Munition nicht entfernt?

Hier gilt: Nur wenn es einen konkreten Anlass gibt, werden Blindgänger, Granaten oder Munition entfernt, zum Beispiel vor Bauarbeiten. "Eine flächendeckende Kampfmittelräumung großer Waldgebiete ist technisch, organisatorisch und naturschutzfachlich sehr aufwendig", erklärt Isabel Gemperlein, Sprecherin der Stadt Bad Kreuznach. Das betroffene Waldgebiet am Rotenfels grenzt an die Stadt an.

Um Munition aus einem Wald zu entfernen, müssten außerdem viele Bäume gefällt werden. Das wäre bei einem Naturschutzgenbiet wie dem am Rotenfels nicht einfach so möglich, erklärt Sven Rasehorn, technischer Leiter des Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz. "Wenn sie da versuchen, eine Kampfmittelräumung zu machen, dann ist von dem Wald nachher nicht mehr viel übrig."

Kann sich die Munition bei Hitze entzünden?

Bei einer Hitzewelle wie in der vergangenen Woche werden auch im Wald hohe Temperaturen erreicht. Dass diese Hitze jedoch Munition zum Explodieren bringen könnte, diese Gefahr sieht das für Kampfmittel zuständige Innenministerium nicht. Es sei nicht bekannt, dass das je passiert sei, so das Ministerium. Allerdings existierten Munitionsarten, deren Inhaltsstoffe bei Kontakt mit der Außenluft reagieren könnten, zum Beispiel Phosphormunition. Dafür müsste die Munition jedoch dicht an der Oberfläche liegen und es müsse Phosphor austreten. "Heiße Temperaturen können die chemische Reaktion mit der Außenluft begünstigen", so ein Sprecher des Innenministeriums. So könnte ein Brand entstehen.

Aber auch tiefer im Boden liegende Munition kann zur Gefahr werden: "Im Fall der Brandbekämpfung kann durch das Löschwasser Munition aus tieferen Bodenhorizonten freigelegt werden." So steht es in einem Bericht zum Waldbrandschutz von Landesforsten Rheinland-Pfalz.

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Wie gefährlich sind die rheinland-pfälzischen Wälder für Spaziergänger?

Auch wenn in den Wäldern in Rheinland-Pfalz noch immer zahlreiche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen: Nach Angaben des Innenministeriums ist keine konkrete oder gesteigerte Gefahr bei Waldbesuchen ersichtlich. Dem Ministerium seien keine Fälle bekannt, bei denen Personen durch Kampfmittel bei Waldbesuchen verletzt wurden. Besonders sicher sei es auf den Waldwegen.

Dennoch mahnt das Ministerium, im Wald aufmerksam und umsichtig zu sein – insbesondere mit Blick auf waldtypische Gefahren, wie etwa abbrechende Äste. Auch der Leiter des Forstamts Koblenz, Sebastian Schmitz, sagt: „Das Risiko von einem trockenen Ast getroffen zu werden ist wesentlich höher als das einer zufällig detonierenden Munition.“

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