Tote Bäume und Äste

Wie gefährlich ist es im Wald am Donnersberg?

Zwei Sportevents am Donnersberg wurden abgesagt, weil die Route durch den Wald zu gefährlich ist. Was das nun für Spaziergänger bedeutet.

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Von Autor/in Friederike Pick

"Da oben ist alles tot", sagt Martin Teuber und zeigt Richtung Himmel. Dort offenbart sich ein trister Anblick: Kahle und graue Äste, einige davon sind abgeknickt und hängen leblos herab. Es sind die Baumkronen Dutzender Eichen, Kiefern und weiterer Baumarten, die am Südhang des Donnersbergs stehen. Martin Teuber ist Förster, seit rund 15 Jahren kümmert er sich um den Wald am Donnersberg. Er sagt: "In solchen Wäldern ist die Sicherheit nicht mehr gewährleistet."

Besonders viele tote Äste und Bäume am Donnersberg

Tote Bäume und Äste sind zum einen ein ökologischer Verlust für den Wald am Donnersberg. Zum anderen stellen sie eine Gefahr für Spaziergänger und andere Waldbesucher dar - ein toter Ast zum Beispiel kann jederzeit abknicken und herunterfallen. "Waldtypische Gefahren" heiße das im Fachjargon, so Teuber. Wer in den Wald gehe, müsse diese in Kauf nehmen. Die Situation am Donnersberg sei allerdings seit ein paar Jahren extrem. "Wir haben hier besonders viele tote Bäume und Äste." Somit sei auch das Risiko für Waldbesucher höher.

Im Wald am Donnersberg sind viele Bäume umsturzgefährdet.
Im Wald am Donnersberg drohen viele Bäume umzustürzen.

Grund dafür ist, dass der Wald am Donnersberg mehr mit Trockenheit kämpfen muss als andere Waldgebiete. Das wiederum liegt laut Teuber an dessen Geologie: Der felsige Boden und die Hanglage sorgten dafür, dass die Bäume besonders schwer an Wasser gelangen. Wenn es regnet, fließe das Wasser einfach den Berg herunter. Tiefer liegende Wasserspeicher gebe es nicht, stattdessen müssten sich die Bäume an der dünnen Erdschicht über dem Felsmassiv bedienen.

Klimawandel hat Trockenheit am Donnersberg verschärft

Eigentlich seien die Baumarten am Donnersberg gut an die dortigen Bedingungen angepasst, erklärt der Förster. "Aber der Klimawandel hat das Problem verschärft." Mehrere trockene Jahre in Folge hätten dafür gesorgt, dass große Teile des Waldes am Donnersberg abgestorben seien.

Im Wald am Donnersberg sind viele Bäume umsturzgefährdet.
Förster Martin Teuber (links) und Ralph Barme (rechts) im Wald am Donnersberg.

Auch die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) in Trippstadt befasst sich mit den Folgen des Klimawandels auf die Wälder. Dort ist das Problem mit dem Wald am Donnersberg bekannt: "Das Donnersbergmassiv gehört zu den am stärksten von den Waldschäden betroffenen Waldgebieten in Rheinland-Pfalz", teilt Friedrich Engels vom FAWF mit. "Die Jahre seit 2017 waren alle zu warm und die meisten auch zu trocken." In fünf der acht Jahre sei es sehr trocken gewesen. "Wenig überraschend sind besonders die flachgründigen, südexponierten Hangstandorte von dem Trockenstress betroffen und solche Standorte finden sich am Donnersberg recht häufig."

Auch tote Bäume haben ökologischen Wert für den Wald

Wenn Förster Martin Teuber über den Wald am Donnersberg spricht, dann kommt er schnell von einem Thema zum nächsten. Er erzählt von einer besonders großen Baumartenvielfalt am Donnersberg, von Hunderte Jahre alten Bäumen, von dem komplexen System Wald. Teuber scheint jeden Baum einzeln zu kennen - ob es ihm gut geht oder nicht.

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Manche Bäume sind mit einem orangenen Kreuz gekennzeichnet. "Der müsste weg", sagt Teuber und zeigt auf eine markierte Buche. Wenn der Wandermarathon am Donnersberg dieses Jahr stattfinden würde, hätte die Buche zur Sicherheit gefällt werden müssen. "Ökologisch macht das keinen Sinn", sagt Teuber. "Auch ein toter Baum wirft Schatten und kühlt den Wald. Außerdem bietet er Lebensraum für Pilze, Insekten und Vögel." Möglicherweise könnten sich die Bäume aber auch wieder erholen, wenn das Wetter mitspiele. Letztlich sei es eine Abwägung, wie viele Bäume sich für eine Veranstaltung zu fällen lohnten - sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht.

Förster rät zu Achtsamkeit im Wald am Donnersberg

"Man muss eben mit offenen Augen durch den Wald gehen", sagt Martin Teuber. "Wenn ich irgendwo länger verweile, werfe ich einfach mal den Blick nach oben. Hängt da ein dicker toter Ast, stelle ich mich fünf Meter weiter." Letztlich müsse man für sich selbst entscheiden, ob man das Risiko für sich in Kauf nehme. Wie es in Zukunft für den Wald am Donnersberg aussieht, dazu will Teuber keine eindeutige Prognose abgeben. "Beim Klimawandel weiß keiner, wo es hingeht."

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