Es war ein Bild, das in der Adventszeit 2024 für Aufregung sorgte: Da standen Chorsängerinnen und -sänger mit verklebten Mündern auf dem Weihnachtsmarkt in Koblenz und blieben stumm - aus Protest gegen die hohen GEMA-Gebühren für Weihnachtshits wie "Last Christmas". Deswegen war auch der "klingende Adventskalender" auf dem Weihnachtsmarkt 2024 abgesagt worden, bei dem Chöre an 20 Tagen aufgetreten wären. Laut Koblenz Touristik hätte das aber rund 125.000 Euro gekostet.
Koblenz Touristik: GEMA-Gebühren immer noch zu hoch
Inzwischen hat die GEMA ihre Gebühren für Weihnachtsmärkte verringert. Denn Koblenz war kein Einzelfall in Rheinland-Pfalz: Für die Veranstalterinnen und Veranstalter gilt ab sofort ein neuer Tarif speziell für den Einsatz von Musik auf Weihnachtsmärkten. Das haben GEMA und die Bundesvereinigung der Musikveranstalter (BVMV) bekanntgegeben. Wenn GEMA-pflichtige Songs live gesungen werden, kostet das jetzt rund 35 Prozent weniger. Doch eine echte Lösung ist das noch nicht, sagt Jan Moryson von der Koblenz Touristik, die den Weihnachtsmarkt in Koblenz mit veranstaltet.
"Für einen einzelnen Auftritt 4.000 Euro an die GEMA zu zahlen, ist für uns unverhältnismäßig", so der Sprecher der Koblenz Touristik. Trotzdem soll es in diesem Jahr wieder Livemusik auf dem Weihnachtsmarkt geben. Dafür setzt die Koblenz Touristik vor allem auf Lieder, für die man keine GEMA-Gebühren zahlen muss. Und es gebe auch schon Pläne, in welchem Rahmen es auch Chorkonzerte mit GEMA-pflichtiger Musik wie "Last Christmas" oder "Die Weihnachtsbäckerei" geben kann.
Alternative Pläne für Weihnachtskonzerte in Koblenz
Der Weihnachtsmarkt in Koblenz beginnt in rund zwei Monaten. Dann würde die Koblenz Touristik gerne auch mit den Gemeinden in der Koblenzer Innenstadt zusammenarbeiten: Konzerte in Kirchen seien nämlich deutlich günstiger als solche im Freien, sagt Jan Moryson. Draußen liegen demnach GEMA-Gebühren für Livemusik bei mehreren tausend Euro. In einer Kirche koste ein solches Chorkonzert dagegen weniger als 100 Euro, also nur einen Bruchteil.
Weihnachtsmarkt Koblenz 30.000 Quadratmeter groß
Die Lizenzgebühr für die Live-Musik ist in den vergangenen Jahr auch deshalb so kostspielig geworden, weil die GEMA mit der gesamten Fläche einer Veranstaltung rechnet. Für den Koblenzer Weihnachtsmarkt sind das rund 30.000 Quadratmeter - quasi die gesamte Koblenzer Innenstadt. Und daran hat sich trotz der Einigung bei den GEMA-Gebühren nichts geändert. Dazu Jan Moryson: "In einer Stadt wie Koblenz, wo die komplette Fläche für die Berechnung genutzt wird, ist der Preis nach wie vor illusorisch."
In einer Stadt wie Koblenz, wo die komplette Fläche für die Berechnung genutzt wird, ist der Preis nach wie vor illusorisch.
Die Koblenz Touristik verhandelt nach seinen Angaben weiter mit der GEMA: Es gehe um eine sogenannte "Angemessenheitsregelung". Also um die Frage, ob es gerechtfertigt ist, die ganzen 30.000 Quadratmeter als Veranstaltungsfläche zu berechnen, wenn nur auf einem kleinen Platz live gesungen wird. Sollte diese andere Regelung greifen, dann würden sich die Kosten auf 1.000 Euro pro Tag verringern. Und das wäre für die Koblenz Touristik eher machbar.
Trotz geringerer Gebühren Kaum Musik auf Mainzer Weihnachtsmarkt 2025
Auf dem Weihnachtsmarkt in Mainz wird es auch in diesem Jahr kaum Musik geben. Und das, obwohl die GEMA die Gebühren dafür gesenkt hat.
Kreis-Chor-Verband verantwortlich für rund 40 Chöre
Dietmar Weidenfeller, Vorsitzender des Kreis-Chor-Verbands Koblenz, freut sich, dass es in diesem Jahr mehr Live-Musik als noch vor einem Jahr geben wird. So sei viermal ein gemeinsames Singen auf dem Weihnachtsmarkt geplant - mit GEMA-freier Musik.
Auch Weidenfeller wünscht sich eine andere Berechnungsgrundlage der GEMA-Gebühren. Er ist gegen eine Pauschale und dafür, dass man auch pro Stunde bezahlen kann. Für ihn ist die neue Tarifeinigung ein Schritt in die Richtige Richtung, aber mit 4.000 Euro sind die Kosten immer noch zu hoch für die Stadt. Dann lieber GEMA-freie Musik spielen und die Einnahmen für einen Wohltätigenzweck spenden. Darin sind sich Dietmar Weidenfeller und Jan Moryson von der Koblenz Touristik einig.