Hiwa Durmus untersucht im Hachenburger Krankenhaus mit einer kleinen Endoskop-Kamera ein Modell eines Kniegelenks - arthroskopieren nennt man das in der Medizin. Das hat die Medizinstudentin aus Köln vorher so noch nie gemacht. Sie war neugierig auf die Arbeit in einer ländlichen Region, deshalb hat sie sich für das Mediziner Camp im Westerwaldkreis angemeldet.
Die 24-Jährige ist im elften Semester und steht kurz vor dem Ende ihres Studiums. "Danach möchte ich eine Ausbildung zur Assistenzärztin machen. Da ist es mir wichtig, ein Krankenhaus zu finden, wo ich eine gute Ausbildung bekomme und wo auch wirklich Zeit zum Lernen da ist", sagt Durmus. Sie findet es gut, wie freundlich und familiär das Team des Hachenburger Krankenhauses miteinander umgeht.
Kleine Krankenhäuser von Vorteil bei der Ausbildung
David Winkler studiert Medizin in Mainz und ist ebenfalls beim diesjährigen Mediziner Camp dabei. Auch er steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums und der Entscheidung, wo es danach für ihn beruflich hingehen soll. "Ich bin flexibel, was die Region angeht. Es sollte aber ein gewisser Freizeitwert vorhanden sein", so der 24-Jährige.
Auch er erwartet von seinem ersten Arbeitsplatz, dass dort viel Wert auf die Ausbildung gelegt wird. "Da kann ein kleineres Krankenhaus von Vorteil sein, weil die Ärzte dort oft nicht so viele junge Assistenzärzte betreuen müssen wie in einer großen Uni-Klinik."
David Winkler nimmt als Erfahrung aus dem Camp mit, dass die Arbeit auf dem Land nicht langweiliger ist als in der Stadt. Und dass speziell die Allgemeinmedizin sehr abwechslungsreich ist. Den aktuellen Ärztemangel sieht er einerseits als Chance, weil er mehr Auswahl bei den Arbeitsplätzen hat. "Andererseits werden die Arbeitsbedingungen durch einen Mangel natürlich nicht unbedingt besser", so Winkler.
Einige Ärzte geben Einblicke beim Mediziner Camp
Damit das Mediziner Camp überhaupt stattfinden kann, braucht es Ärzte im Westerwaldkreis, die bereit sind, mitzumachen. Nina Herbort, Hausärztin aus Bad Marienberg, ist mit ihrer Gemeinschaftspraxis schon zum zweiten Mal dabei.
"Wir wollen zum einen die Initiative des Kreises unterstützen, weil wir die Notwendigkeit sehen, neue Ärzte zu gewinnen. Mir macht es aber auch Spaß, jungen Kollegen etwas beizubringen und mit auf den Weg zu geben", sagt Herbort.
Ähnlich sieht das auch Patrick Löhr, Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Hachenburger Krankenhaus. "Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um zu zeigen, dass wir hier in einem eher kleinen Krankenhaus auch gute Medizin machen und eine gute Ausbildung bieten können."
Viele Ärzte im Westerwaldkreis suchen Nachfolger
Marion Klein vom Gesundheitsamt des Westerwaldkreises hat das Mediziner Camp mitorganisiert. "In den kommenden Jahren gehen viele Ärzte hier in den Ruhestand, die suchen händeringend Nachfolger", sagt Klein. Das Camp sieht sie als einen von mehreren Bausteinen, um junge Ärzte für die Region zu gewinnen.
Klein sieht das Ganze aber auch realistisch. "Wir bekommen jetzt kein direktes Feedback von den Studenten. Und wir wissen auch, dass sie hier nicht schon in zwei Jahren eine Praxis eröffnen werden." Beim Camp gehe es vielmehr darum, den Studenten den Westerwaldkreis vorzustellen und schmackhaft zu machen. In der Hoffnung, dass sie sich vielleicht irgendwann als Ärzte dort niederlassen.