Sie ist 360 Meter lang, 100 Meter hoch und schwebt über den Bäumen. Die Rede ist von der Hängeseilbrücke Geierlay im Rhein-Hunsrück-Kreis. "Ohne die Windkraft hätten wir die Brücke nie bauen können", erklärt der Ortsbürgermeister von Mörsdorf, Marcus Kirchhoff (parteilos).
Durch die jährlichen Pachteinnahmen für die Grundstücke, auf denen die Windräder stehen, nehme der Ort jedes Jahr rund 250.000 Euro bis 300.000 Euro ein. Durch die Einnahmen hätten sie vor über zehn Jahren die Geierlay-Brücke mitfinanzieren können. Die Pachtverträge für die Grundstücke, auf denen die Anlagen stehen, seien für 20 Jahre abgeschlossen worden. Das wäre als Sicherheit ausreichend gewesen, so Kirchhoff.
Ohne die Windkraft hätten wir die Brücke nie bauen können.
Geierlay-Brücke zieht viele Touristen an
Jedes Jahr besuchen nach Angaben des Rhein-Hunsrück-Kreises rund 300.000 Menschen die Brücke im Hunsrück. Besucherinnen und Besucher müssen für die Geierlay keinen Eintritt bezahlen. Bei den Besucherparkplätzen fallen Gebühren an. Dadurch nimmt der Ort Geld ein.
Mörsdorf hat mittlerweile 12 Windräder
In Mörsdorf stehen mittlerweile 12 Windräder. Allerdings nicht, weil sie Windräder so toll finden würden, sagt Marcus Kirchhoff. Die Windkraft sei nur ein Mittel, um den Ort zu finanzieren. Durch die Windkraft habe man verschiedene Projekte umsetzen können. Von den Bürgerinnen und Bürgern habe es auch nie ein Wort gegen die Windkraftanlagen gegeben, weil von Anfang klar war, da kommt viel Geld für den Ort rein, erklärt er.
Investitionen sind kein Problem mehr
Wo andere Kommunen über Geldsorgen klagen, entsteht in Mörsdorf unter anderem eine neue Kita. Hier sollen Kitakinder, Schulkinder und Senioren auch in Zukunft zusammen essen können, erzählt Kirchhoff. Außerdem sei ein neues Baugebiet erschlossen worden, ein weiteres soll folgen. Das liege auch daran, dass mehr Familien zum Beispiel aus Köln oder Wiesbaden, in den Ort ziehen würden.
Zeiten, in denen die Gemeinde darüber nachdenken musste, ob man Weihnachtsbeleuchtung für den Ort kaufen kann, sind demnach vorbei. Vor der Windkraft und dem Bau der Brücke vor über zehn Jahren hätten sie jährlich im Haushalt nur 70.000 Euro zur Verfügung gehabt, so der Ortsbürgermeister. Jetzt habe man die Einnahmen durch die Windkraft, die ein Drittel des Haushaltes ausmachen würden. Die anderen zwei Drittel kämen aus den Einnahmen durch den Tourismus.
Auch Kriegsfeld im Donnersbergkreis profitiert
Einen warmen Geldregen gibt es jedes Jahr auch für die Gemeinde Kriegsfeld im Donnersbergkreis. Rund um Kriegsfeld ist in den vergangenen Jahren viel erneuerbare Energie entstanden. Windräder und Photovoltaikanlagen, von denen die Gemeinde finanziell stark profitiert.
"Für uns ist das elementar, weil wir nur dadurch Einnahmen generieren können", sagt Angi Brabänder (FWG), die Ortsbürgermeisterin von Kriegsfeld. "Wirtschaftsunternehmen können wir vor Ort nicht ansiedeln, die Möglichkeiten haben wir nicht. Die Landwirtschaft nimmt leider auch immer mehr ab. Das würden wir uns auch anders wünschen. Die erneuerbaren Energien sind unsere Haupteinnahmequellen. Auch in der Zukunft", so Brabänder.
Ab 2027 jährlich 100.000 Euro
Heißt konkret: Die Gemeinde Kriegsfeld rechnet damit, dass sie ab nächstem Jahr rund 60.000 Euro pro Jahr durch erneuerbare Energien einnimmt. Ab 2027, wenn ein neues Photovoltaikfeld ans Netz geht, sollen es dann schon 100.000 Euro sein.
Außerdem soll auf dem Reilsberg in der Nähe von Kriegsfeld ein weiterer Windpark entstehen. Der würde laut Ortsbürgermeisterin Angi Brabänder jährlich weitere rund 200.000 Euro in die Gemeindekasse spülen. Wann der neue Windpark gebaut wird, ist aber noch nicht klar.
Kriegsfeld könnte das Geld gut gebrauchen, um neue Projekte umzusetzen. "Unser Sportplatz ist aktuell noch ein Hartplatz, der dringend saniert werden muss und dafür braucht man einfach Geld." Für einen Kunstrasenplatz würden beispielsweise bis zu 600.000 Euro fällig.
Kommunaler Finanzausgleich Problem für Kriegsfeld
Trotz der Einnahmen aus den erneuerbaren Energien fehlt Kriegsfeld mittlerweile wieder das Geld, um einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Grund ist der kommunale Finanzausgleich.
Wir werden faktisch durch das Land handlungsunfähig gemacht.
"Aktuell ist es aufgrund der Regelungen zum kommunalen Finanzausgleich für uns nicht möglich, den Gemeindehaushalt auszugleichen", sagt Angi Brabänder. "Wir müssen dementsprechend in 2026 die Grundsteuer B erhöhen – ohne, dass wir selbst eigene Projekte gestalten.
Ein derartiges Vorgehen hemmt unseren Gestaltungsspielraum und verhindert die Entwicklung der Gemeinde", so Brabänder. "Wir werden faktisch durch das Land handlungsunfähig gemacht. Wir wollen attraktiv sein für Familien - für alle Generationen." Das könne für Kriegsfeld nur mit den Einnahmen aus den erneuerbaren Energien und mit sinnvollen und fairen Regeln vom Land funktionieren.