Der Stadtrat Neuwied hatte bereits am 3. Februar das vom Bochumer Institut für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung (InWIS) erarbeitete Wohnraumversorgungskonzept inklusive Wohnungsmarktanalyse verabschiedet. Am 11. Februar wurde das Konzept nun der Stadtöffentlichkeit vorgestellt. Dabei ist deutlich geworden: Neuwied hat gemessen an den nackten Zahlen aktuell genug Wohnbestand. Aber: In bestimmten Segmenten besteht laut Analyse Nachholbedarf.
Perspektivisch zu wenig kleine Wohnungen in Neuwied
Das erkannte auch Oberbürgermeister Jan Einig (CDU) im Gespräch mit dem SWR an: "Grundsätzlich ist jetzt zum Beispiel in der Analyse rausgekommen, dass wir eigentlich zu wenig Single-Wohnungen in unserer Stadt haben." Laut der vorgestellten Zahlen machen die in Neuwied gerade einmal neun Prozent des gesamten Wohnungsbestandes aus, im Durchschnitt der kreisfreien Städte in Rheinland-Pfalz liegt der Wert demnach bei 26 Prozent.
Große Wohnungen gibt es dagegen in Neuwied ausreichend, hier liegt der Anteil laut der InWIS-Analyse bei 69 Prozent und damit über dem Durchschnitt der kreisfreien Städte im Land (40 Prozent). Grundsätzlich verfüge Neuwied mit rund 34.000 Wohneinheiten über ein "quantitativ ausreichendes Wohnungsangebot", heißt es im Abschlussbericht zum Wohnraumversorgungskonzept. Gleichzeitig legte das Konzept offen, dass dieses grundsätzlich gute Angebot langfristig nicht mehr zum Bedarf passt.
Neuwied wird älter werden und weiter wachsen
Für die Analyse ist das InWIS-Institut davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl von Neuwied weiter wachsen wird. Gemäß einer "Fortschreibung der letzten Jahre", wie Institutsleiter Torsten Bölting erklärte, gehe man weiterhin von einem moderaten Bevölkerungswachstum von rund drei Prozent oder knapp darunter aus. Dies entspreche der Quote der letzten zehn Jahre.
In Zahlen ausgedrückt bedeutet das laut Analyse, dass Neuwied bis 2040 mindestens 2.130 Wohnungen mehr braucht. Egal ob als Neubauten oder aus Umnutzung von Bestandsimmobilien. Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels seien dies künftig aber nicht mehr die in Neuwied so zahlreich vorhandenen großen Wohnungen.
Bezahlbare und kleinere Wohnungen werden benötigt
Denn laut der vorgestellten Wohnungsmarktanalyse soll bis 2040 sowohl der Anteil an Senioren-Haushalten (plus neun Prozent) als auch der Anteil an Single-Haushalten und jungen Familienhaushalten steigen (plus 11 Prozent). "Beide wünschen sich bezahlbare Wohnungen. An beiden Enden des Altersspektrums gibt es offenbar Bedarf", ordnete Torsten Bölting ein. Einen Bedarf nach tendenziell kleineren Wohnungen.
Um unter anderem das zu erreichen, sieht das Wohnraumversorgungskonzept sechs konkrete Handlungsfelder vor, in die die Kommune gemeinsam mit privaten Eigentümern und Immobilienentwicklern künftig investieren soll. Darunter die Sicherung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Weiterentwicklung von Wohnangeboten für Familen, Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung sowie das Feld des Baulandmanagements und der Nachverdichtung.
Großprojekte Rasselstein- und Hafenquartier brauchen noch Zeit
Unter dem letzten Punkt ist zu verstehen, dass die Stadt brachliegende Areale und ungenutzte Immobilien zu Wohnflächen machen, weiterhin neue Bauplätze ausweisen soll. Mit Blick auf die Quartiersentwicklung auf dem Rasselsteingelände und am Hafen verwies Oberbürgermeister Einig gegenüber dem SWR auf die Komplexität der Planung, sagte aber auch: "Wir sind zuversichtlich, dass das in den nächsten fünf bis zehn Jahren in die erste Umsetzungsphase geht."
Frühzeitiger möchte die Stadt kleinere Baugebiete entwickeln. Ziel ist es laut Einig, durch den Ankauf vieler Kleinstparzellen zusammenhängende Baugebiete zu schaffen: "Nur so kann ich ja irgendwann auch mal eine Erschließung gewährleisten. Fast in allen Stadtteilen gibt es immer noch Flächen, die perspektivisch mal als Wohnbaufläche vorgesehen sind, aber durch diese Kleinparzellierung aktuell noch unmöglich zu bebauen sind. Da müssen wir ran." Erste Ankäufe durch die Stadt gebe es bereits.
Kommune ist auf die Initiative privater Investoren angewiesen
Einig machte im Gespräch mit dem SWR deutlich, dass die Stadt Neuwied immer nur Impulse geben könne und eine moderierende, steuernde Rolle einnehme: "Für die Umsetzung brauchen wir private Eigentümer und Investoren." Das Wohnraumversorgungskonzept gebe künftig für beide Seiten verbindliche Spielregeln vor.
Wenn ein Investor kommt, können wir ihm jetzt sagen: Wenn du hier Wohnungen bauen willst, freuen wir uns. Aber hier ist das Wohnraumversorgungskonzept, da steht drin, was wir eigentlich brauchen.
"Für die Verwaltung und die Politik ist das ein Handlungskonzept, aus dem wir Prioritäten ableiten können", so Einig. Private Investoren wüssten im Gegenzug, wo die Kommune langfristig hin wolle: "Wenn ein Investor kommt, können wir ihm jetzt sagen: Wenn du hier Wohnungen bauen willst, freuen wir uns. Aber hier ist das Wohnraumversorgungskonzept, da steht drin, was wir eigentlich brauchen. Guck mal, ob das mit deinen Plänen überein geht."
Monitoring soll Einhaltung der Ziele gewährleisten
Die Stadt Neuwied hat sich im Zuge der Veröffentlichung des Konzepts eine verpflichtende Selbstkontrolle auferlegt. In regelmäßigen Abständen sollen Zwischenberichte im Rahmen eines Monitorings im Stadtrat vorgelegt werden, so Einig: "Die werden zeigen, ob die Zahlen zu dem passen, was wir uns vorgenommen haben. Und die Öffentlichkeit wird uns von ganz alleine immer wieder hinterfragen."