Eine neue Studie schlägt Alarm und zeigt auf, dass bereits jeder Fünfte über 65 Jahre in Rheinland-Pfalz von Armut bedroht ist.
Karin Reinke, eine 84-jährige Rentnerin aus Speyer, ist ein Beispiel dafür. Trotz lebenslanger Arbeit, bis weit über die 60 hinaus, bleibt ihr monatlich nur ein Betrag zwischen 180 und 220 Euro zum Leben. Die frühere Krankenschwester und Kneipenwirtin muss sich heute mit dem Nötigsten begnügen und kann sich keine Extras mehr leisten.
Projekt Silbertaler hilft Bedürftigen
Das Projekt Silbertaler in Speyer unterstützt ältere Menschen wie Karin Reinke mit Lebensmittelspenden. Einmal pro Woche erhalten Bedürftige eine Kiste mit Grundnahrungsmitteln. Doch das Projekt kämpft mit zwei großen Herausforderungen: Auf der einen Seite mit der Scham der Betroffenen, die Hilfe benötigen, und auf der anderen Seite mit großen bürokratischen Hürden.
Es ist einfach eine große Scham da, zu sagen okay, ich befinde mich jetzt in der Altersarmut und ich besorge mir jetzt Hilfe. Die Scham ist einfach zu groß, und die Bürokratie ist auch sehr groß, so einen Antrag auszufüllen.
Nebenkosten und Miete als Treiber der Teuerung
Durch die Hilfe der Silbertaler bleiben Karin Reinke etwa 200 Euro zum Leben. Doch die steigenden Kosten für Miete und Nebenkosten verschärfen ihre Situation zusätzlich. Karin Reinke ist zwar Mitglied einer Baugenossenschaft, die ihre Mieten begrenzt. Aber auch sie musste eine Erhöhung um 40 Euro hinnehmen. Die Stadtwerke fordern 30 Euro mehr.
Kein Einzelfall
In eine solche Situation geraten derzeit viele Frauen im Alter: Weil ihre Gehälter früher deutlich niedriger waren, viele die Kinder erzogen haben und sich zum Teil auch auf die Rente ihrer Männer verlassen haben.
Hilfe statt Miete - Senioren-WG in der Südeifel
Eine kreative Lösung hat Juliette Küsters gefunden. Die 69-Jährige konnte sich ihre Wohnung nicht mehr leisten und zog in das Haus eines Seniors in der Südeifel.
Zuvor wohnte sie mit ihrem Lebensgefährten in der Nähe von Düren in einer Wohnung. Als der Lebensgefährte verstarb, konnte sie die 700 Euro Miete für die Wohnung mit ihrer Rente von 870 Euro nicht mehr bezahlen.
Sie zahlt nun keine Miete mehr, sondern hilft ihm im Gegenzug im Haushalt. Die 69-Jährige und der 71-jährige Romain Thies sind kein Paar, er wohnt im Erdgeschoss, sie im ersten Stock.
Mehr Wohnraum nötig: RLP verweist auf den Bund
In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Sozialwohnungen in Rheinland-Pfalz um 40 Prozent. Sozialministerin Dörte Schall (SPD) antwortet auf die Konfrontation mit diesen Zahlen: Rheinland-Pfalz könne wenig tun, man hätte gehofft, dass die (noch) aktuelle Bundesregierung beim Thema Mietpreisbremse etwas tut. Das ist nicht passiert und sei eine der Herausforderungen für die nächste Bundesregierung.
Knapper Wohnraum in RLP Immer weniger Sozialwohnungen - vor allem Ältere betroffen
In Rheinland-Pfalz stehen immer weniger Sozialwohnungen zur Verfügung. Einer neuen Studie zufolge müssten es bis 2030 doppelt so viele sein wie bisher.