Die Pläne hatte ZF erstmals im Dezember 2025 öffentlich infrage gestellt. Man müsse den Umzug grundsätzlich neu bewerten, hieß es damals in einer Stellungnahme des Unternehmens. Der Automobilzulieferer begründete das unter anderem damit, dass das Werk in Ahrweiler aktuell nicht ausgelastet sei. Dadurch sei es nicht profitabel - und somit auch nicht das künftige Werk in Niederzissen. Ursprünglich war der Umzug für 2026 geplant.
Nach dieser Ankündigung begannen Gespräche zwischen ZF und der IG Metall. Aber wie die Gewerkschaft mitteilt, sind diese festgefahren. Deswegen wolle sie den Druck auf die Verhandlungen erhöhen: "Die Fronten sind verhärtet, jetzt wird es laut auf der Straße." Dafür trafen sich die Demonstrierenden vor dem ZF-Werk in Bad Neuenahr-Ahrweiler und sind dann mit einem Autokorso in Richtung Niederzissen zu dem neuen Werk gefahren. Laut IG Metall fuhren 100 Autos mit.
Autozulieferer stellt Umzug nach Niederzissen infrage Weiter ungewisse Zukunft für ZF-Mitarbeiter in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Erst letzte Woche hatte ZF bekannt gegeben, dass der Umzug des Werks von Ahrweiler nach Niederzissen fraglich ist. Nun hat die Belegschaft ihren Frust deutlich gemacht.
Beschäftigte fordern Planungssicherheit
Viele Mitarbeitende äußerten vor Ort ihre Verunsicherung. Hintergrund ist die weiterhin offene Frage, wie es mit dem nahezu fertiggestellten Werk in Niederzissen weitergeht. Beschäftigte und Betriebsrat verweisen auf frühere Zusagen zum geplanten Umzug und verlangen Planungssicherheit.
Der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens betonte, die Belegschaft wolle am Unternehmen festhalten und in Niederzissen arbeiten. Es gehe jetzt aber nicht nur um wirtschaftliche Kennzahlen, sondern vor allem um die Perspektiven und Sicherheit der Mitarbeitenden.
ZF verweist auf laufenden Prüfprozess
Das Unternehmen teilte dem SWR auf Anfrage mit, dass das Ziel eine langfristige und wirtschaftlich tragfähige Perspektive für Standort und Belegschaft sei. Der Prüfprozess laufe deswegen noch. Parallel würden verschiedene Optionen bewertet, darunter auch alternative Nutzungskonzepte.
Nach Angaben des Betriebsrats und der IG Metall wird erwartet, dass das Unternehmen Anfang März seine Vorschläge zur Zukunft des Standorts vorlegt. Mitte März sollen die Ergebnisse bei einer Betriebsversammlung vorgestellt werden.
Auch die Kommunalpolitik äußert sich zur Situation: Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Brohltal, Johannes Bell, sprach von einem schwer nachvollziehbaren Zustand. Ein neu errichtetes Werk leer stehen zu lassen, sei kein tragfähiges Signal für die Region und die Beschäftigten. Gerade nach den Belastungen der Flutkatastrophe hätten viele Mitarbeitende großes Engagement gezeigt.
Flutkatastrophe Grund für ursprünglich geplanten Umzug nach Niederzissen
Das neue Werk in Niederzissen war unter anderem vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe errichtet worden. ZF wollte sich nach Angaben von Beschäftigten aufgrund der Hochwassergefahr vom bisherigen Standort in Bad Neuenahr-Ahrweiler trennen. Der Mietvertrag für das Werk in Ahrweiler läuft 2028 aus.
Während des Warnstreiks wurde zugleich deutlich, dass viele Mitarbeitende weiterhin am Unternehmen festhalten wollen. In Gesprächen am Rande der Demonstration betonten Beschäftigte, sie wollten auch künftig für ZF arbeiten und den Standort Niederzissen gemeinsam mit dem Unternehmen mit Leben füllen.
Mitarbeitende wollen in Niederzissen arbeiten
Mehrere Teilnehmende hoben hervor, dass es ihnen nicht nur um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehe, sondern auch um die Identifikation mit dem Unternehmen und dessen Zukunft in der Region.
Die IG Metall hat zudem für den 7. März einen Demonstrationsmarsch in Bad Neuenahr-Ahrweiler angekündigt. Nach Angaben der Gewerkschaft richtet sich der Aufruf an Beschäftigte, Angehörige und weitere Unterstützer.