Die Jury hat vor allem den Gemeinschaftssinn und das ehrenamtliche Engagement der Ziegenhainer gelobt. Da kommt unweigerlich der Gedanke auf, dass das Dorf vermutlich viele aktive Vereine hat. Weit gefehlt, Ziegenhain hat keinen einzigen Verein. Stattdessen lautet das Motto: "Unser Dorf ist unser Verein".
Michael Gruner ist vor drei Jahren aus der Stadt nach Ziegenhain gezogen. "Ich bin hier mit offenen Armen empfangen worden, die Gemeinschaft hier ist toll, es macht richtig Spaß hier zu wohnen", erzählt er. Ob Groß oder Klein, ob Alt oder Jung, alle würden ins Dorfleben mit integriert.
Niemand soll in Ziegenhain allein sein
Bürgermeister Nicolas Ahrend (parteilos) ist es wichtig, dass sich niemand im Dorf alleingelassen fühlt. "Wenn ich mal einige Wochen nichts von einem Bewohner gehört habe, gehe ich auf ihn zu und frage nach, ob alles in Ordnung ist." Das sei gut für den Gemeinschaftssinn.
Wenn jemand neu ins Dorf zieht, lässt Ahrend ihm erstmal eine Woche Zeit zur Eingewöhnung. Dann schaut er vorbei, stellt sich vor und erklärt, welche Angebote es in Ziegenhain so gibt. Einmal im Monat gibt es zum Beispiel einen gemeinsamen Bürgerabend. Da essen sie gemeinsam, außerdem hat dort jeder die Möglichkeit Ideen fürs Dorf einzubringen. Dort werden sie auch gemeinsam überlegen, was mit den 15.000 Euro Preisgeld aus dem Wettbewerb passieren soll.
Einige Projekte wurden in Eigenleistung umgesetzt
Mitten in Ziegenhain gibt es bereits einen Mehrgenerationenplatz mit Spielgeräten für Kinder und Jugendliche. Vieles davon haben die Dorfbewohner gemeinsam aufgebaut. Für die Älteren im Dorf möchten sie dort noch eine Boule-Bahn bauen.
Am Dorfrand gibt es einen Gemeinschaftsgarten, wo einige Bewohner Gemüse wie Kohlrabi oder Kartoffeln anbauen. Daraus ist auch direkt die nächste Idee entstanden, nämlich ein Kartoffelfest im Dorf. Und auch das Bürgerhaus wollen sie noch gemeinschaftlich umbauen und erweitern.
"Zusammen an etwas zu arbeiten, ist genauso wichtig wie zusammen zu feiern, um sich kennenzulernen", ist Philipp Hergesell überzeugt. Viele Bewohner würden nicht nur bei Projekten der Gemeinde mit anpacken, sondern sich auch gegenseitig privat bei Arbeiten unterstützen.
Kinder werden aktiv ins Dorfleben mit eingebunden
"Uns ist es auch wichtig, dass wir die Kinder überall mit einbinden, wo das möglich ist", erklärt Hergesell, der selbst Familienvater ist. Deshalb packen die Kinder auch bei Arbeitseinsätzen schon mit an. So würden sie bereits vieles schon von klein auf lernen.
Demografisch betrachtet steht Ziegenhain übrigens gut da. Unter den rund 170 Bewohnern sind mehr als 30 Kinder und Jugendliche. Es gibt auch fast keinen Leerstand im Dorf. "Wer hier wegzieht, macht das höchstens, weil er beruflich dazu gezwungen ist", sagt Michael Gruner und lacht. Er hat seinen Umzug nach Ziegenhain jedenfalls nie bereut.