Dass sich die Zeiten geändert haben, spürt man schon am Eingang zur Stadtbibliothek Ludwigshafen: Keine Schränke mehr für Rucksack und Co. Hier darf man einfach mit allem durchmarschieren, denn hier gibt es sogenannte Sicherheitsgates: Die erkennen, was reingetragen wird. Aber auch, was mit rausgehen soll. Der Effekt: Man kann sich frei bewegen und fühlt sich vollkommen unbeobachtet bei dem, was man tut.
In den Bibliotheken gibt es viel zu entdecken
Im Erdgeschoss der Stadtbibliothek gleich der erste Anziehungspunkt: Das Café. Hier sitzen sie allein oder zu zweit an kleinen Tischen und lesen - Zeitungen und Zeitschriften, klassisch auf Papier gedruckt.
Cornelia ist eine von ihnen. Sie kommt regelmäßig hierher, liebt die Atmosphäre und das große Angebot: "Ich kann hier gleich mehrere Wirtschaftszeitungen lesen, man sitzt hier schön. Und wenn man Lust hat, kann man nach oben gehen und sich ein Buch ausleihen."
Über Bücher neue Freunde finden Mehr als nur gemeinsames Lesen: Der Silent Book Club in Mainz
Bücher lesen ist voll im Trend. Das zeigen die Ausleihzahlen der Bibliotheken. Aber heute liest man nicht alleine, sondern gemeinsam. So wie im Silent Book Club in Mainz.
Rund 1.000 Menschen nutzen pro Tag das Angebot der Stadtbibliothek Ludwigshafen und ihrer Stadtteilbibliotheken. "2017 wurde die Stadtbibliothek Ludwigshafen vollkommen umgebaut. Seither hat sich die Zahl der Besucher verdoppelt", sagt Karina Arena, die dort als Teamleitung arbeitet.
Ludwigshafen erlebt damit einen Trend, den Bibliotheken in ganz Rheinland-Pfalz bemerken. 2024 kamen in die rund 600 öffentlichen Bibliotheken in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Landesbibliothekszentrums 3,6 Millionen Besucher. Fast 7 Prozent mehr als im Jahr davor. Und die Tendenz ist steigend.
Rendezvous mit einem Buch
Noch immer sind Bibliotheken auch das, wofür ihr Name steht: ein Ort, an dem Bücher aufbewahrt werden.
Und Bücher haben noch immer eine große Bedeutung für die Menschen, die diese Orte besuchen. Besonders beliebt sind sie bei den ganz Kleinen. In der Stadtbücherei Landau stehen Bilderbücher und Bücher fürs Erste Lesen ganz oben auf der Ausleihliste. "Die Eltern kommen gemeinsam mit den Kindern, um Lektüre auszusuchen", sagt Sabine Schäfer, eine der Leiterinnen der Bibliothek. "Die ganz Kleinen dürfen dann auch auswählen, was sie gerne vorgelesen haben möchten."
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Zum ersten Mal hat die Stadtbücherei Pirmasens Kuscheltiere zur Pyjama-Party zwischen Bücherregalen eingeladen – eine Aktion, die Kinder ganz nebenbei fürs Lesen begeistern soll.
Ein Genre, das gar nicht mehr so neu ist, aber offenbar wieder neu entdeckt wurde, sind die Romane der Reihe "New Adult": Geschichten über Liebe, Glück oder den Start ins Leben, die sich an junge Menschen ab 18 richten. Aber offenbar nicht nur die begeistern.
Ich komme hierher, weil ich hier Bücher finde, die ich sonst nicht lesen würde.
"Ich lese eigentlich alles, aber besonders interessant finde ich das Genre Junge Erwachsene oder New Adult", sagt Besucherin Jasmin. Sie kommt regelmäßig einmal die Woche in die Stadtbibliothek Landau, "weil ich hier Bücher finde, die ich sonst nicht lesen würde".
An New Adult liebt sie, dass sich dort verschiedene Richtungen mischen, "wie zum Beispiel Krimi und Horror oder Science Fiction und Romance. Da geht es auch in alle Geschlechterrichtungen und alles wird bunt gemischt, zusammengewürfelt und in einer neuen Fassung neu erzählt", sagt Jasmin begeistert. Mit ihren 50 Jahren fällt sie eindeutig nicht mehr in die eigentliche Zielgruppe.
Es werden immer neue Aktionen geplant
Um Bücher auch weiter attraktiv zu machen, lassen sich die Bibliotheken immer Neues einfallen. Aus dem Angebot "Blinddate mit einem Buch" ist in der Stadtbibliothek Landau die Aktion "Mut zum Buch" entstanden. Die Bücher sind in Zeitungspapier eingepackt, man kann also weder Titel noch Autor sehen.
"Wir wollen gerne mal ausprobieren, inwieweit unsere Leser bereit sind, ihre Lesekomfortzone zu verlassen und sich bewusst mal auf eine neue Lektüre einzulassen", sagt Leiterin Sabine Schäfer. "Es ist ein kleiner Hinweis gegeben, um was es geht. Und man leiht so ein Buch aus und lässt sich zu Hause beim Auspacken überraschen." Das komme gut bei den Lesern an.
Ein eigener Kosmos voller Veränderung
Viel gelesen wird in Rheinland-Pfalz aber nicht mehr nur Gedrucktes - auch die Ausleihzahlen bei der Onleihe für E-Books und Hörbücher steigt. 2024 wurden 2,5 Millionen elektronische Medien ausgeliehen, sagt das Landesbibliothekszentrum. Ein Plus von mehr als sieben Prozent.
Bibliotheken in Rheinland-Pfalz sind längst mehr als Orte, an denen Bücher aufbewahrt werden. Sie sind Häuser der Begegnung, des Austauschs, des miteinander Spielens und Lernens.
Ausprobieren, experimentieren, das sind neue Möglichkeiten in den Bibliotheken im Land. Im sogenannten Makerspace lernen Besucher in Workshops unter anderem den Umgang mit 3D-Druckern, Plottern oder Konvertern, die den Inhalt von VHS-Kassetten auf DVD brennen. Und anschließend dürfen sie die Geräte dann selbständig nutzen.
"In diesem Raum geht es auch um Wissensaneignung", sagt Karina Arena von der Stadtbibliothek Ludwigshafen. "Wir haben auch die Bücher für diese Geräte und dann möchte man das natürlich auch ausprobieren, was man dort liest."
"Sich-Wissen-Aneignen", das geht in Ludwigshafen auch noch auf ganz andere Weise. Hier gibt es viel Platz zum Lernen, den vor allem Schüler nutzen. Es gibt Einzeltische und gläserne Gruppenräume, die sogenannten Studiolos.
Und es gibt den "Fre1raum": Ein ganzes Zimmer mit Büchern, Tischen und Sesseln, in dem auch Gruppen lernen können-samt Ausleihschrank für Notebooks und freiem WLAN.
Häuser der tausend Möglichkeiten
Bücher, E-Books, Hörbücher - das ist bei weitem nicht das einzige, was man in den Bibliotheken in Rheinland-Pfalz heutzutage ausleihen kann.
Insgesamt mehr als elf Millionen Ausleihen gab es 2024. Dazu zählten auch Zeitschriften, Comics, DvDs, Spiele oder Filme. Und, ganz weit oben, Kindermedien. Zum Beispiel Tonies, Figuren, die Lieder oder Hörbücher enthalten und auf einer speziellen Box abgespielt werden.
Oder Edurinos, hybride Lernspiele für Kinder, bei denen eine kleine Spielfigur mit einer digitalen Lern-App auf dem Tablet korrespondiert.
Und in vielen Häusern gibt es die "Bibliothek der Dinge". Dort kann man sich manches ausleihen, was nicht ganz billig wäre, wenn man es selbst kaufen müsste. Nähmaschinen zum Beispiel, Digitalkameras oder auch mal einen Bollerwagen oder eine Seifenblasenmaschine.
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Etwas ganz Ausgefallenes gibt es in der Stadtbibliothek Landau: Die Saatgutbibliothek. In kleinen Tütchen gibt es dort Saatgut für Salat oder Paprika. Das kann man mitnehmen und im Garten aussäen.
Und im Herbst, nach der Ernte, gibt man wieder Saatgut an die Bibliothek zurück. Damit aus dem Samen auch wirklich eine Pflanze werden kann, liegen die passenden Gartenbücher direkt darunter im Regal.
Das alles kostet viel Geld
Bibliotheken sind freie Leistungen der Kommunen und in Zeiten leerer Kassen eine große Herausforderung.
"Ja, wir spüren das", sagt Sabine Schäfer in Landau. "Aber da sind wir nicht allein, das spüren alle Bibliotheken. Wir müssen also kreativ werden, damit’s im Rahmen des Etats bleibt."
In Ludwigshafen kann die Stadtbibliothek ihr großes Angebot erhalten, weil sie von einem Förderverein unterstützt wird. Der helfe nicht nur finanziell, sondern "auch durch Ideen und ehrenamtliche Beteiligung an den Angeboten", wie die Stadt mitteilt.