Bis 2030 will Rheinland-Pfalz zwei Prozent seiner Fläche für Windräder ausweisen. Nach Dirmstein im Kreis Bad Dürkheim könnte deshalb ein neuer Windpark kommen: Geplant sind 17 Windräder, je 266 Meter hoch. Zum Vergleich: Der Pariser Eiffelturm hat eine Höhe von 330 Metern.
Bürgerinitiative gegen Windräder in Dirmstein
Gegen die geplanten Windräder hat sich Protest formiert: Seit einigen Monaten gibt es die Bürgerinitiative "Nein zum Windpark Dirmstein". Marianne Geipel (fraktionslos) ist Gemeinderätin im Ort - und sie ist gegen weitere Windräder und Teil der Bürgerinitiative. Denn in der Nähe des 3.000-Einwohner-Dorfes stehen bereits 14 Windräder. Geipel sagt: "Ich kann viele Bürger verstehen, die gegen diese Landschaftsverunstaltung sind."
Gemeinderat wegen Windpark in Dirmstein gespalten
Und sie kritisiert: Mangelnde Transparenz. So habe der Gemeinderat 2018 beschlossen, dass auf Dirmsteiner Boden kein Windpark kommen sollte.
Nun steht der Windpark aber doch wieder im Raum: Das Unternehmen BayWa will den Windpark bauen. BayWa schreibt auf seiner Website, dass die betroffenen Grundstückseigentümer bereits zugestimmt hätten. Die BayWa habe einen Genehmigungsantrag an die zuständige Behörde SGD Süd gestellt.
Jens Schlüter (Initiative Dirmstein), der Bürgermeister des Orts, antwortet schriftlich auf die SWR-Anfrage: Es gebe Befürworter und Gegner im Gemeinderat zu dem geplanten Windpark. Wie die Gemeinde wirtschaftlich profitieren könnte, stehe noch aus.
AfD polarisiert gegen Windräder in Dirmstein
Nun hat sich in den vergangenen Wochen auch die AfD des Themas in Dirmstein angenommen. Die Partei veranstaltete zwei Bürgerdialoge im Ort, von denen einer explizit gegen Windkraft war. Dagegen wiederum gab es Demonstrationen.
Infoveranstaltung zum Prokon-Windpark Bekommt Meckenheim Windräder so groß wie der Mannheimer Fernmeldeturm?
Das Windenergie-Unternehmen Prokon will bei Meckenheim im Kreis Bad Dürkheim sieben große Windräder errichten. Etwa 280 Bürger stellten bei einer Infoveranstaltung ihre Fragen.
Demonstration gegen AfD-Veranstaltungen
Margret Thiel wohnt seit 38 Jahren in Dirmstein. Sie war bei beiden Demonstrationen gegen die AfD. Sie berichtet, dass es bei beiden Demonstrationen gesittet zugegangen sei. Aber: "Bei der zweiten Demo wurden die Bürger angegangen, die auf die AfD-Veranstaltungen gegangen sind. Da gab es viele 'Nazis-Raus'-Rufe, das hat mich gestört. Die Leute, die hingegangen sind, sind keine Nazis, die sind einfach unzufrieden."
Bei den Demonstrationen sei auch die Antifa gekommen und die "Omas gegen Rechts", erzählt Thiel. Sie sagt: Seit die AfD in Dirmstein Stimmung gegen die Windräder gemacht habe, sei der Ort gespalten.
Zweitstimmen-Ergebnisse Bundestagswahl 2025: AfD in zwei Städten in der Pfalz vorne
Die CDU gewann bei der Bundestagswahl in den meisten Städten der Vorder- und Südpfalz. Auch die AfD legte bei den Zweitstimmen zu und ist in zwei Städten sogar stärkste Kraft.
Für AfD ist Windkraft längst Wahlkampfthema
Die AfD hat bekanntermaßen eine Anti-Windkraft-Haltung. Anfang des Jahres nannte AfD-Chefin Alice Weidel Windräder die "Windmühlen der Schande". Thomas Stephan kommt aus Neustadt und sitzt für die AfD im Bundestag. Auf SWR-Anfrage bestätigt er: "Die Verspargelung unserer Landschaft durch Windindustrieanlagen ist bereits ein Wahlkampfthema."
Die Bürgerdialoge in Dirmstein habe man organisiert, weil die Bürger sich von den meisten Parteien vor Ort in Stich gelassen fühlten, so Stephan. Windenergie werde auch bei den Landtagswahlen im Frühjahr eine Rolle spielen.
Politikwissenschaftler: "AfD profitiert von Unmut der Bürger"
Die AfD versucht, von dem Unmut der Bürger zu profitieren.
Der Politikwissenschaftler Manès Weisskircher forscht an der TU Dresden zu Rechtsextremismus und Klimaschutz. Dass die AfD versucht, sich Bürgerinitiativen anzunähern, wundert ihn nicht.
Weisskircher sagt: "Die Windkraft ist ein komplexes politisches Unterfangen, das auf lokaler Ebene zum Teil für Unmut sorgt. Und die AfD verfolgt das Ziel, von diesem Unmut zu profitieren, nicht nur in Rheinland-Pfalz sondern auch anderswo."
Windkraft-Gegner nicht automatisch AfD-Sympathisanten
Die AfD habe es geschafft, die radikale Ablehnung von Windkraft zu monopolisieren, erklärt Weisskircher weiter. Dennoch warnt er davor, die Bürgerinitiativen gegen Windkraft mit der Partei gleichzusetzen: "Nicht jede Bürgerinitiative besteht aus lauter AfD-Enthusiasten." Bürgerinitiativen seien heterogen.
Die Strategie der AfD sei es, eine rechte Zivilgesellschaft aufzubauen, so Weisskircher. Und das auch außerparlamentarisch - deshalb die Kontaktversuche zu Bürgerinitiativen.
Gemeinderat aus Dirmstein: "Stimmung in Dirmstein angespannt"
Seit die AfD in Dirmstein aufgetreten ist, sei die Stimmung angespannt, sagt Maximilian Gärtner von der Partei "Initiative Dirmstein". Auch er sitzt im Dirmsteiner Gemeinderat.
"Aber dass man einem Bürger unterstellt, nur weil er gegen Windkraft ist, automatisch ein AfD-Sympathisant zu sein, das finde ich nicht richtig", sagt Gärtner im SWR-Gespräch.
30 Prozent für die AfD in Dirmstein
Doch in Dirmstein dürfte sich die AfD für die rheinland-pfälzische Landtagswahl im März gute Chancen errechnet haben. Denn bei der Bundestagswahl in Februar gingen hier 30 Prozent der Zweitstimmen an die AfD.
Neue Folge SWR Aktuell 360 Grad Warum haben in der Westpfalz so viele Menschen die AfD gewählt?
Bei der letzten Bundestagswahl hat die AfD in der Westpfalz viele Stimmen bekommen. SWR Aktuell 360 Grad hat sich auf Spurensuche begeben und mit Menschen gesprochen, etwa über Herausforderungen der Region.
Kommt der Windpark nun nach Dirmstein?
Ob ein neuer Windpark nach Dirmstein kommt, steht noch nicht fest. Zunächst muss die Fläche von der zuständigen Planungsgemeinschaft ausgewiesen werden - für die Regionalplanung in der Vorder- und Südpfalz ist da der Verband Region Rhein-Neckar zuständig.
Am 12.12. will der Verband in der ersten Offenlage über die Flächen entscheiden. Danach können bis zur zweiten Offenlage im Frühjahr Argumente dagegen vorgetragen werden. Für die Bürgerinitiative in Dirmstein ist jetzt schon klar: Sie werden weiter gegen den Windpark vorgehen. Notfalls auch juristisch.