Was Ehrenamtliche an ihrer Arbeit begeistert

Ruhango-Markt Landau: Warum Ehrenamt und Nachfrage im Second-Hand-Kaufhaus boomen

Der Ruhango-Markt in Landau wird durch einen Verein betrieben. Alle arbeiten ehrenamtlich. Während andere Vereine verzweifelt suchen, gibt es hier genug Ehrenamtliche. Ein Besuch.

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Von Autor/in Birgit Baltes

Dienstagnachmittag, 15 Uhr. Der Ruhango-Markt in einem zweistöckigen ehemaligen Fabrikgebäude im Norden Landaus öffnet. Und die Kundinnen und Kunden strömen. Vor allem in der Abteilung für Second-Hand-Kleidung ist viel los. Frauen und Männer drängen sich an Kleiderstangen und Wühltischen - und greifen zu.

Dazwischen: Immer wieder Frauen und Männer, die Kleidung aufhängen, zusammenlegen oder Kundinnen und Kunden beraten. Das gleiche Bild vor der Kasse, an der viele Menschen anstehen. Für die freiwilligen Helferinnen heißt das: Wie am Fließband zusammenlegen, einpacken und abrechnen.

Der Ruhango-Markt Landau. Viel los im vereinsbetriebenen Second-Hand-Kaufhaus.
Anstehen an der Kasse heißt es dienstagsnachmittags für die Kundinnen und Kunden in der Kleiderabteilung im Ruhango Markt Landau. Für die Ehrenamtlichen bedeutet das: Am Fließband abrechnen und Kleidung zusammenlegen.

Mehr als 60 Ehrenamtliche arbeiten im Ruhango-Markt in Landau

Der Ruhango-Markt ist deutschlandweit wohl das einzige Second-Hand-Kaufhaus, das von einem Verein allein mit Ehrenamtlichen betrieben wird, so die Vorsitzende des Freundeskreises Ruhango-Kigoma e.V. Dorothea Kischkel. Sie verzeichnet seit ein bis zwei Jahren einen Zuwachs bei den Ehrenamtlichen. Aktuell seien es mehr als 60 Frauen und Männer, die regelmäßig gespendete Kleider entgegennehmen oder im Verkauf helfen.

Viele freiwillige Helferinnen und Helfer sind schon seit Jahren dabei, viele sind auch recht neu dazu gekommen. Alle haben aber eines gemeinsam: Sie engagieren sich in dem Verein, weil er gleich mehrere gute Zwecke erfüllt. Und das gibt ihnen Sinn. Noch dazu arbeiten sie in einem Team mit tollen Menschen. So drücken es diese vier Ehrenamtlichen aus:

Ruhango-Markt: Second-Hand für gute Zwecke

Marlene Bracht ist seit 24 Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin und sagt: "Es ist eines der besten Ehrenämter, die es gibt, weil wir damit meiner Ansicht nach so viele gute Zwecke erfüllen. Wir verhindern, dass die Abfallberge noch größer werden. Wir befriedigen einen großen Kreis an Publikum und wird unterstützen Ruanda."

Den Ruhango-Markt gibt es nun seit 30 Jahren. In dieser Zeit hat der Verein rund zweieinhalb Millionen Euro aus dem Second-Hand-Verkauf in die Landauer Partnerstadt Ruhango, ehemals Kigoma, investiert: In den Bau von Schulen, Werkstätten und vieles mehr.

Gerade hat der Freundeskreis auch einen neuen Verein gegründet, um seine Hilfe breiter aufzustellen: "Hand in Hand" heißt er und hat schon für ein erstes Projekt beim Kinderschutzbund Landau gespendet.

Der Ruhango-Markt Landau. Viel los im vereinsbetriebenen Second-Hand-Kaufhaus.
Der Ruhango-Markt Landau. Dienstagnachmittags ist immer viel los im vereinsbetriebenen Second-Hand-Kaufhaus - vor allem Second-Hand-Mode ist gefragt.

Nachfrage nach Second-Hand in Landau gestiegen

Es sei ein sehr diverses Publikum hier, sagt Bracht: "Wir haben alle Schichten der Gesellschaft, kann man sagen." Das bestätigt Vereinsvorsitzende Kischkel. Und fügt hinzu: Die Nachfrage nach Second-Hand sei in den letzten Jahren stark gestiegen - wegen der Inflation, etwa den Preisen für Lebensmittel und zuletzt fürs Tanken.

Unter den Kundinnen und Kunden seien Deutsche, die mit wenig Geld zurechtkommen müssten. Und auch Geflüchtete aus der Ukraine und arabischen Ländern. Aber es kämen auch viele junge Leute vorbei, die für wenig Geld nachhaltig shoppen wollen, so die Vorsitzende. Und nicht zuletzt seien hier Händler auf der Suche nach Raritäten unterwegs, die sie gewinnbringend weiterverkaufen könnten.

Die Abteilung für Haushaltswaren und Dekoartikel im Ruhango-Markt Landau.
Die Abteilung für Haushaltswaren, Deko-Artikel, Bücher und mehr im Erdgeschoss. Auch hier stöbern dienstagnachmittags viele Menschen.

Im Schnitt 400 Menschen am Dienstagnachmittag

Im Durchschnitt kommen während der Öffnungszeit am Dienstagnachmittag zwischen 15 und 18:30 Uhr zwischen 300 und 400 Menschen zum Einkaufen, berichtet Kischkel.

Am Monatsanfang, wenn die Leute ihr Geld ausgezahlt bekommen, seien es meist mehr. So stehen auch am Eingang zwei Helfer, die die Kundinnen und Kunden zählen. Damit verhindern sie bei zu großem Andrang, dass das Kaufhaus überfüllt ist. Aber heute gibt´s Entwarnung.

Der Ruhango-Markt Landau. Viel los im vereinsbetriebenen Second-Hand-Kaufhaus.
Die Haushaltsabteilung im Ruhango Markt Landau. Das Publikum ist vielfältig und reicht von älteren Menschen mit kleiner Rente über Familien, Studierende und Arbeitslose bis hin zu Vintage- und Antiquitätenfans.

Ehrenamt im Ruhango-Markt kein leichter Job

Auch wenn die Freiwilligen ihre Arbeit lieben, betont die Vorsitzende: Die ehrenamtliche Arbeit im Ruhango-Markt sei oft anstrengend. Etwa donnerstags, wenn Kleiderspenden angenommen werden. Dann müssten die Ehrenamtlichen in kurzer Zeit große Mengen von Kleidern begutachten und aussortieren, um zu entscheiden, was für den Weiterverkauf geeignet ist.

"Das, was nicht gut erhalten ist, müssen die Leute wieder mitnehmen. Wir sind ja kein Entsorgungsunternehmen." Und das würden nicht alle einsehen. Da komme es auch schon mal zu unangenehmen Diskussionen mit den Spenderinnen und Spendern.

Aber das seien Ausnahmen. Die meisten Menschen seien freundlich und die Arbeit mache einfach Spaß. Kischkel drückt es wörtlich so aus: "Es ist wie ein Virus, der einen erfasst, und dann findet man das toll und bleibt dann auch dabei."

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