Peter Reuschenbach ist bereits seit fünf Jahren ehrenamtlich beim Verein "Tafel Ludwigshafen" Fahrer. Kurz nach seiner Pensionierung suchte er eine sinnvolle Beschäftigung, eine, die seiner Woche etwas Struktur gibt.
Sein Nachbar holte ihn zur Tafel. Mit ihm fährt er immer mittwochs die Tour zu den Supermärkten und Bäckereien.
Das macht einen dann doch ein wenig stolz, dass wir Lebensmittel retten, abholen, und hier unseren Kunden dann zur Verfügung stellen, die sonst vielleicht in der Mülltonne gelandet wären.
Das frühe Aufstehen um 5:30 Uhr findet er zwar schon manchmal lästig, aber er kriegt viel zurück.
Es gibt viele kleine Begebenheiten unterwegs. Heute Morgen waren wir in einer Bäckerei, da hat man uns Kaffee angeboten. Das ist nicht selbstverständlich. Man lernt eine andere Welt kennen.
Damit meint Reuschenbach nicht nur die Menschen, die bei der Tafel Lebensmittel holen. Auch Kollegen. Er erinnert sich an den Fall eines Ein-Euro-Jobbers, der auf einer der Touren sein Bürgergeld abgeholt hat. 50 Euro. Für den Kollegen eine Menge Geld.
Das war für mich vollkommen fremd. Wenn ich 50 Euro brauche, dann habe ich die oder überweise es oder was auch immer. Und für ihn war das was Besonderes. Wenn man das mitkriegt, wird man demütig.
Ein Highlight für ihn war, dass ein anderer ehemaliger Kollege es vom Ein-Euro-Jobber in einen festen Job geschafft hat.
Alleinerziehender Vater, Hartz-IV-Empfänger, zwei Kinder zu Hause: Der hat später den Lkw-Führerschein mit Hilfe des Arbeitsamts machen dürfen. Der ist dann bei einem regionalen Transportunternehmer untergekommen.
Regina Keßler ist in der Teamleitung bei der Tafel tätig. Seit zwei Jahren ist die selbständige Unternehmerin dabei. In ihrem Hauptjob kann sie sich ihre Zeit frei einteilen. Auch sie hatte krasse Erlebnisse, die sie nachdenklich stimmen und anders auf das Leben blicken lassen. Zum Beispiel die junge Frau, die zu Sozialstunden bei der Tafel verdonnert worden war:
Ich habe sie gefragt, warum sie in ihrem jungen Alter Sozialstunden ableisten muss. Sie erzählte, dass sie in einer Schneiderei gefälschte Taschen gemacht und verkauft hat. Ich dachte, "ach Gott, Mädel, das macht man ja auch nicht." Ich hoffe, sie hat daraus gelernt.
Sie liebt die Arbeit im Team und hat neue Freunde und gute Bekannte bei der Tafel gefunden. Durch die Arbeit bei der Tafel macht sie mal etwas ganz anderes und dabei kann sie abschalten.
Manchmal tut es einfach auch nur gut, Sachen zu kontrollieren, vor sich hin zu werkeln, zu gucken, ist die Banane noch gut genug oder nicht? Wenn man einfache Aufgaben erledigt, ist das tatsächlich manchmal sehr entspannend.
Beide wollen bei der Tafel bleiben, so lange die Gesundheit mitmacht und die Zeit es zulässt.
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