Stoßstange an Stoßstange rollen Autos, Lieferwagen, Lkw durch eine Wohnstraße im Süden von Speyer. Seit die Ortsumgehung über die B9 und die L528 voll gesperrt ist, stauen sich die Fahrzeuge von morgens bis abends. "Eine Katastrophe" klagt Tanja Schmunk fast schon resigniert. Sie muss die Strecke jeden Tag fahren, eigentlich um Speyer herum, doch jetzt führt die Umleitung sie durch die Stadt hindurch. "Normalerweise brauch' ich zehn Minuten. Seit der Sperrung sind es 40 bis 50 Minuten", erzählt sie durch das Autofenster.
Die Bürgerinnen und Bürger haben recht, sich aufzuregen.
Stadt Speyer richtet Bürgertelefon ein
Und nicht nur für die, die im Stau stehen ist es eine Zumutung, auch die Anwohner haben die Nase voll. Stefanie Seiler, Oberbürgermeisterin von Speyer (SPD) kann es verstehen. Sie habe ein Bürgertelefon eingerichtet, sagt Seiler, und das klingelt oft. "Die Bürgerinnen und Bürger haben recht, sich aufzuregen." Lkw hätten sich in Wohnstraßen festgefahren und seien erst frei gekommen, nachdem Anwohner ihre Autos weggefahren hätten. Die Situation sei eine große Herausforderung für Speyer, sagt Seiler. "Man kann schon teilweise von einem Verkehrsinfarkt sprechen."
"Statt sieben Minuten 45 Minuten Fahrtzeit" B9 bei Speyer gesperrt: So schlimm ist es für Betroffene und Pendler
Die Vollsperrung der B9 bei Speyer sorgt für großen Frust. Die kurzfristige Sperrung trifft vor allem Pendlerinnen und Pendler, die jeden Tag zur Arbeit fahren. Stimmen aus Speyer.
Sind die Brücken in RLP wirklich sicher?
Der Ärger über Staus und Verkehrschaos ist das eine, aber viele Menschen machen sich auch Sorgen um die Sicherheit. Wenn eine Brücke von einer Stunde auf die andere wegen Einsturzgefahr gesperrt werden muss, was sagt das dann über den Zustand der Brücken insgesamt aus? Kann man sich überhaupt noch darauf verlassen, dass sie sicher sind?
Es sind nicht alle Brücken in einem Idealzustand, aber sicher sind sie.
"Die Menschen in Rheinland-Pfalz müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie über die Brücken fahren", versichert Verkehrsminister Achim Schwickert (CDU). "Sie können davon ausgehen, dass sie sicher sind. Es sind nicht alle Brücken in einem Idealzustand, aber sicher sind sie."
Die Brücken würden ständig überwacht, sagt Schwickert. "Und wenn Schäden festgestellt werden, dann reagieren wir." Und im schlimmsten Fall müsse, wie in Speyer, die Brücke gesperrt werden. Auch die B9-Brücke bei Speyer steht schon seit Jahren unter Beobachtung. Regelmäßig wird die Konstruktion geprüft. Gibt es mikroskopisch feine Risse? Dringt Wasser ein? Kommt es zu Korrosionsschäden im Stahlbeton, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen?
LBM hat mehr Brückenprüfer eingestellt
Der Rechnungshof Rheinland-Pfalz hatte vor zwei Jahren kritisiert, dass der Landesbetrieb Mobilität mit den Prüfungen im Verzug sei. Brücken würden teils erst Monate oder gar mehr als ein Jahr später geprüft als vorgesehen - aus Personalmangel.
Die Personalsituation bei den Prüfteams habe sich verbessert, beschwichtigt Schwickert. Aktuell gebe es wieder sechs Teams, die Brücken überprüften. "Wir holen an der Stelle auf. Und wie der Fall in Speyer zeigt, wenn es darauf ankommt, sind wir auch da hinterher."
Mehr Geld für Brückensanierung nötig
1.625 Brücken im Land sind nach Auffassung des Rechnungshofes RLP in einem kritischen Zustand und müssen dringend saniert oder ersetzt werden. Warum werden Brücken, wie die gesperrte Brücke bei Speyer, nicht früher saniert?
"Wenn wir die Gelder nicht deutlich erhöhen", meint Verkehrsminister Schwickert, "laufen wir der Instandsetzung immer hinterher." Eigentlich müssten die Ausgaben für Brücken verdoppelt werden, sagte Schwickert, das sei aber aktuell nicht finanzierbar. Wie viel mehr für die Brückensanierung drin sei, müsse in Abwägung mit dem Gesamthaushalt entschieden werden. Der Doppelhaushalt 2027/28 ist derzeit in Arbeit.