Vor gut zwei Wochen hat ein Storchenpaar auf dem Dach der evangelischen Kirche im pfälzischen Freinsheim Nachwuchs bekommen. Gut dokumentiert durch eine Kamera, die ehrenamtliche Storchenfreunde dort installiert haben. Einem aufmerksamen Beobachter fiel am Sonntag allerdings auf, dass im Nest nur noch zwei von drei Küken zu sehen waren.
Marie-Louise Wiesenbach und ihr Mann Florian Gaus haben die Kamera bereits vor vier Jahren eingebaut. Sie stellten fest, dass die Storchenmama am Sonntagmorgen das kleinste der Küken einfach aus dem Nest geschubst hatte. Beide fuhren zur Kirche, konnten aber von unten nichts erkennen.
Florian Gaus rief seine Feuerwehrgruppe zu Hilfe. Zwei Kameraden sagten spontan zu und rückten mit der Drehleiter an. Die drei entdeckten das Küken schließlich lebend in der Dachrinne und brachten es in Sicherheit.
Küken wird im Storchenzentrum Bornheim aufgepäppelt
Marie-Louise Wiesenbach, die über das Geschehen im Storchennest regelmäßig auch auf ihrem Instagram-Kanal berichtet, brachte das Tier schließlich nach Rücksprache mit dem Experten Christian Reis zum Storchenzentrum Bornheim, wo es nun aufgepäppelt wird. Die Aussichten für den kleinen Storch sind laut Reis ganz gut.
Es sieht gut aus, weil er klappert und selbstständig frisst.
Wenn er die nächsten ein, zwei Nächte überlebe, "stehen die Chancen gut, dass er flügge wird", sagt Reis. Zunächst werde man in der Station ein besonderes Auge auf den Jungvogel haben, danach könne er zu den Ammen in die Voliere gesetzt werden, die ihn dann mit anderen Küken aufziehen, sagt der Storch-Experte.
Rauswurf aus dem Storchennest nicht ungewöhnlich
Dass Störche Küken aus dem Nest werfen, ist nach Angaben des Experten nichts Ungewöhnliches, sondern eher die Regel, wenn mehr als zwei Küken geschlüpft sind. Damit sollen die Überlebenschancen der stärksten Nachkommen gesichert werden. Die Schwächsten werden von den Eltern über das Nest "aussortiert" oder auch, wenn sie zu klein sind, gefressen, um keine Fressfeinde anzulocken.
Am Anfang vier Storchenküken im Nest
Auch in Freinsheim waren ursprünglich vier Küken geschlüpft und eines davon bereits nach wenigen Tagen verschwunden. "Klar sieht das für uns Zuschauer, für uns Menschen, immer schwierig aus und wir können die Entscheidung oft nicht nachvollziehen", sagte Reis, "aber die Tiere machen genau das Richtige und das schon seit Tausenden von Jahren."