Mitte Januar 2026: Während in anderen Regionen Deutschlands noch Schnee lag, waren die ersten Störche in der Westpfalz bereits zurück. Auf Strommasten und Plattformen haben sie ihre Nester bezogen – manche haben die kalten Monate sogar hier verbracht. Was vor 15 Jahren noch eine kleine Sensation gewesen wäre, ist heute Alltag in der Region: Weißstörche haben die Westpfalz zu ihrem Zuhause gemacht.
Es war eine Sensation, wenn man einen Storch gesehen hat.
"Am Anfang war das superneu - jetzt hat man sich schon sehr daran gewöhnt", sagt Hans Drumm, erster Vorsitzender der Storchenfreunde Glantal. Der 2005 gegründete Verein hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich die Storchenpopulation in den vergangenen zwei Jahrzehnten so entwickelt hat. "Für Fremde ist es ein Highlight – für uns Alltag." Ein Luxusproblem, das die Region bis jetzt gerne hat.
Michael Schröder vom Naturschutzbund Weilerbach bestätigt: "2011 war das eine Sensation, wenn man einen Storch gesehen hat." Heute sei die Westpfalz ein Hotspot für Weißstörche geworden.
Storchen-Pionierarbeit im Glantal – Wie alles begann
Vor der Gründung der Storchenfreunde Glantal im Jahr 2005 gab es hier "so gut wie gar nichts an Störchen", erinnert sich Drumm. Die Strategie war: Lockvolieren aufstellen, Nistplattformen montieren und hoffen. "Der Storch sucht seinesgleichen", erklärt Drumm das Prinzip. Wo bereits Artgenossen sind, da lassen sich weitere nieder. Die Störche haben die Nistplätze dankbar angenommen - ein Storchenpaar ist seit zehn Jahren zusammen und kommt nach Theisbergstegen, sagt Drumm.
Storchendörfer in der Westpfalz
Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Entwicklung der Störche in einzelnen Gemeinden: Katzweiler im Kreis Kaiserslautern hat sich zum Beispiel innerhalb weniger Jahre zum regelrechten Storchendorf gemausert, sagt Michael Schröder.
Theisbergstegen im Kreis Kusel ist als "Storchendorf" über die Grenzen der Westpfalz hinaus bekannt. "Jetzt sind es schon fast zu viele", sagt Hans Drumm von den Storchenfreunden Glantal.
Auch im Donnersbergkreis in der Gemeinde Lohnsfeld klappern ab März immer viele Storchenpaare. Der Ortsbürgermeister Daniel Korn erzählt, dass zu Hochzeiten 20 bis 40 Störche hier ihr Zuhause haben. Seine Bezeichnung dafür: "Storchen-Armadas".
Wie andere Gemeinden in der Westpfalz hat auch Lohnsfeld in den vergangenen Jahren einen regelrechten Storch-Boom erlebt. Besonders auffällig in diesem Jahr: Die ersten Vögel waren "ungewöhnlich früh" da, schon Mitte Januar, berichtet der Ortsbürgermeister.
Keine Lust auf Süden: Einzelne Störche überwintern in der Westpfalz
Manche Störche überwintern mittlerweile auch in der Westpfalz. "Die letzten Jahre sind ein paar Störche hiergeblieben", berichtet Hans Drumm. Zwei, drei Vögel hätten komplett auf die Reise in den Süden verzichtet. Tendenziell würden die Störche auch immer früher aus ihrem Winterquartier im Süden zurückkommen, sagt Schröder vom Naturschutzbund. Eine Beobachtung, die sich belegen lässt.
Es könnte ja sein, dass die Störche irgendwann gar nicht mehr wegfliegen.
Klimawandel als Ursache? – Warum die Störche früher kommen
"Die langjährigen Daten zeigen eine Tendenz", erklärt Schröder. Die Ankunft der Vögel verschiebe sich nach vorne. Warum? Die Gründe sind komplex, aber Experten sind sich einig: Die im Durchschnitt milderen Winter spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Klimawandel mache sich bemerkbar – auch am Himmel über der Westpfalz.
Nicht zu verwechseln – Kraniche auf der Durchreise
Die Störche sind nicht allein: Auch bei Kranichen fällt den Experten auf, dass sie früher aus ihren südlichen Winterquartieren aufbrechen. Doch während sich die Weißstörche in der Westpfalz richtig niedergelassen haben, sind Kraniche hier nur auf der Durchreise. "Meistens fliegen die über uns drüber", erklärt Schröder. Manchmal legen sie für ein paar Stunden eine Pause ein – zum Verschnaufen, bevor es weitergeht.
Ein besonderer Ort hat sich dabei einen Namen gemacht: der Kranichwoog bei Hütschenhausen im Kreis Kaiserslautern. Schröder nennt das Vogelbeobachtungsgebiet "das Motel der Kraniche". "Da übernachten sie manchmal", erklärt er.
Störche könnten in der Westpfalz bleiben
In den kommenden Wochen wird es noch voller am Himmel über der Westpfalz: Anfang März, wenn die Brutzeit beginnt, sollten die meisten Störche wieder eingetroffen sein. "Bei Wintereinbruch würde es sich verzögern", meint Hans Drumm von den Storchenfreunden.
Er denkt auch schon weiter: "Es könnte ja sein, dass die Störche irgendwann gar nicht mehr wegfliegen." Wenn sie genug Futter finden würden, wenn die Winter mild bleiben – warum dann die Reise in den Süden? Die Westpfalz hätte dann ihre Zugvögel verloren – und dafür Dauergäste gewonnen.
Vielleicht wird die Region bald das ganze Jahr über von Störchen bevölkert sein. Was einmal eine Sensation war, könnte dann ganz normaler Alltag werden.