Für den Test hat ein SWR-Reporter-Team landesweit 100 Hausarzt-Praxen angerufen und versucht, dort als Patienten aufgenommen zu werden. Sie haben sich als neu zugezogene Menschen ausgegeben, die auf der Suche nach einem Hausarzt sind. Das Ergebnis des Selbsttests: Vor allem in vielen ländlichen Regionen von Rheinland-Pfalz ist es schwierig.
In der Vorder- und Südpfalz fiel vor allem Speyer auf: Von den vier angerufenen Praxen haben drei einen Aufnahmestopp für neue Patienten verhängt. "Wir sind proppenvoll", sagte eine Angestellte am Telefon. "Wenn wir noch mehr aufnehmen, kann der Arzt den Patienten nicht mehr gerecht werden."
In Hausarzt-Praxen in der Pfalz geht oft niemand ans Telefon
Die vierte Praxis in Speyer war telefonisch innerhalb der Sprechstundenzeiten mehrfach nicht erreichbar - nach zehn Minuten in der Warteschleife endete das Telefonat abrupt.
Wir sind proppenvoll.
Auch in Ludwigshafen war es schon ein Erfolg, jemanden ans Telefon zu bekommen. Drei von vier Praxen waren mehrfach nicht erreichbar. Eine hat immerhin nach gut zwei Stunden zurückgerufen und einen Termin angeboten.
In Landau war es einfacher an einen Termin zu kommen. Direkt die ersten beiden Praxen hatten Termine - wenn auch mit mehreren Wochen Wartezeit.
Hausarzt-Praxen: Kein großer Unterschied zwischen Stadt und Land in der Pfalz
Anders als in anderen Teilen des Landes, ist in der Vorder- und Südpfalz auf Anhieb kein Stadt-Land-Gefälle erkennbar. Im Kreis Südliche Weinstraße haben alle angerufenen Praxen Termine vergeben - und sogar sehr kurzfristig und flexibel. Teilweise war es möglich, ohne Termin in die Praxis zu kommen, wenn man bereit ist, auch mal eine Stunde zu warten. Der früheste Termin im Kreis Südliche Weinstraße war am übernächsten Tag verfügbar.
Ergebnis einer Stichprobenumfrage des SWR Viele Hausarztpraxen in Rheinland-Pfalz sind überlastet
In Rheinland-Pfalz sind rund 250 Kassensitze für Allgemeinmediziner unbesetzt. Laut einer SWR-Umfrage sind viele Hausärzte überlastet. Besonders schlimm ist es auf dem Land.
Ganz anders erscheint die Lage im Kreis Germersheim. Von den fünf angerufenen Praxen hatte nur eine einen Termin - und das mit einer Wartezeit von mindestens einem Monat. Eine Praxis hat erst vergangene Woche einen Aufnahmestopp verhängt, weil sie alle Patienten einer anderen Praxis aufgenommen hat, die schließen musste. "Es fragen so viele Patienten an, wir schaffen das nicht mehr", sagt eine Angestellte der Praxis am Telefon.
Bedingung: Man muss in dem Ort wohnen, wo die Hausarzt-Praxis sitzt
Bei der einzigen unter den im Kreis Germersheim angerufenen Praxen, die einen Termin hatte, war die Bedingung, dass man genau in dem Ort wohnen muss.
Patienten von außerhalb unseres Orts können wir nicht mehr aufnehmen.
"Patienten von außerhalb können wir nicht mehr aufnehmen", sagt eine Beschäftigte der Praxis. Auch in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz stellen Praxen diese Bedingung.
Leistung soll bezahlt werden Neues Gesetz zu Hausarztpraxen - was es verbessern soll
Der Bundesrat hat am Freitag einem Gesetz zu Hausarztpraxen zugestimmt. Das Honorar für Hausärzte soll dadurch nicht mehr begrenzt sein. Was das bedeutet.
"Bei uns wird der Einzugsbereich immer größer", sagt auch eine Angestellte einer Praxis im Kreis Bad Dürkheim am Telefon. Die Praxis weise aber bisher niemanden ab. "Die Leute haben ja keine Alternativen."
Allgemein war die Lage im Kreis Bad Dürkheim im Vergleich noch entspannt. Das könnte sich in einem kleinen Ort aber ändern. Dort schließt eine von zwei Praxen voraussichtlich Ende des Jahres, weil sie keinen Nachfolger findet. Bei der anderen steht das gleiche Ende 2026 an. Trotzdem haben beide Praxen angeboten, bis dahin noch neue Patienten aufzunehmen, auch wenn sie eigentlich schon überlastet seien.