"In letzter Zeit landen deutlich mehr junge Menschen auf der Straße", sagt Klaus Wagner vom Caritas-Förderzentrum St. Martin in Ludwigshafen. Inzwischen sei im Schnitt rund ein Drittel der 24 Plätze in der Einrichtung an Menschen unter 30 Jahren vergeben. "Viele kommen erstmal bei Freunden und Bekannten unter", berichtet Wagner. "Erst wenn sie ein paar Nächte auf der Straße geschlafen haben, suchen sie sich dann Hilfe bei uns."
Robin Rothe, Leiter der Tagesbegegnungsstätte Lichtblick in Neustadt an der Weinstraße, macht zurzeit ähnliche Erfahrungen. "Der Anteil der jungen Menschen in Wohnungslosigkeit steigt", sagt er. Diese Tendenz gebe es seit Sommer 2024.
"Häufig sind das Menschen, denen das Bildungssystem Halt gegeben hat", berichtet Rothe aus seinen Gesprächen mit wohnungslosen Menschen. "Die haben jetzt keine Struktur mehr." Auch junge Menschen mit Migrationshintergrund, die nicht arbeiten dürfen, seien immer öfter unter den wohnungslosen Menschen, die im Lichtblick Hilfe suchen.
Armutsforscher: Es könnten noch mehr junge Menschen wohnungslos werden
Andreas Rein, Leiter des Studienschwerpunkts Armut an der Hochschule Ludwigshafen, befürchtet, dass sich diese Entwicklung noch verschärfen könnte. "Wenn die neue Grundsicherung das bisherige Bürgergeld ablöst, wird es wieder leichter werden, Unterstützung bei Kosten für Unterkunft und Heizen zu streichen. Das haben wir auch damals bei Einführung der Hartz IV-Regeln gesehen."
"Besonders Menschen unter 25 Jahren waren damals betroffen. Junge Menschen, die das System verweigern und Termine verpassen, rutschen dann schnell in die Wohnungslosigkeit, ohne sich der Gefahr bewusst gewesen zu sein", sagt Rein.
Allgemein steigende Zahl von Wohnungslosen in der Pfalz
Aber es sind nicht nur junge Menschen, die zunehmend von Wohnungslosigkeit betroffen sind. Die Städte Landau und Neustadt melden etwa allgemein steigende Wohnungslosenzahlen - in Speyer sind sie konstant hoch. "Viele der Betroffenen kommen direkt aus Wohnungsräumungen", sagt ein Sprecher der Stadt Neustadt. Dort sind aktuell 62 Menschen als wohnungslos registriert und in Sammel- oder Einzelunterkünften untergebracht - darunter mehrere Familien.
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Vor allem Alleinerziehende hätten schlechte Chancen, auf dem regulären Wohnungsmarkt fündig zu werden, teilt Neustadt mit. Die Zahl der Plätze in den städtischen Unterkünften sei aktuell ausreichend. Das ist in Landau laut einer Sprecherin auch noch der Fall, aber "der Druck auf die Unterkunft bleibt hoch. Deshalb mietet das Ordnungsamt zusätzlichen Wohnraum an, um akute Notlagen abzufangen."
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Angebote für wohnungslose Menschen
Damit Menschen gar nicht erst in die Wohnungslosigkeit rutschen, bietet Neustadt im Notfall die Übernahme von Mietschulden an. In Landau gibt es eine Fachberatungsstelle für Menschen, denen die Wohnungslosigkeit droht. Außerdem gibt es dort das Projekt "Housing First", bei dem es darum geht, Menschen zuallererst wieder eine eigene Wohnung zu verschaffen.
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Sind Menschen einmal wohnungslos, bietet etwa die Stadt Speyer warme Mahlzeiten an. Neben städtischen und kirchlichen Angeboten können sich Obdachlose in Neustadt beim Lichtblick eine Postadresse zulegen. "Das ist oft eine Grundvoraussetzung, wenn sich Menschen um einen Job oder eine Wohnung bewerben", sagt Leiter Robin Rothe.
Ein spezielles Angebot für junge Menschen bietet seine Einrichtung trotz der steigenden Zahlen junger Wohnungsloser nicht. "Wer Hunger hat oder Klamotten braucht, wird bei uns versorgt. Da ist es egal, wie alt man ist."