Kein eigenes Dach mehr über dem Kopf

Wohnungslosigkeit: Warum besonders Frauen betroffen sind

Mehr und mehr Menschen werden wohnungslos. Immer mehr Frauen sind gefährdet, sagt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Trier. Das sind die Gründe.

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Stand

Die Wohnungslosigkeit nimmt zu in Deutschland. Auch in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Menschen ohne eigenes Dach über den Kopf in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Zu den häufigsten Auslösern gehören laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe Miet- und Energieschulden, Konflikte im Wohnumfeld, Trennung und Ortswechsel. Geflüchtete haben einen großen Anteil an Wohnungslosen.

Wohnungslose Martina G. spricht mit uns

Zum Teil genügt es offenbar, eine Frau mit tradierter Geschlechterrolle zu sein, um bei einem Schicksalsschlag in die Wohnungslosigkeit abzurutschen. Das berichtet zumindest der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Trier.

Mehrere Hundert Frauen werden dort betreut. Frauen, die obdachlos sind genau so wie Frauen, die wohnungslos sind oder die bereits von Wohnungslosigkeit bedroht sind. Frauen, wie die 37-jährige Martina G.

Die wohnungslose Martina G. hat Angst wegen Todesdrohungen. Rechts im Bild Regina Bergmann, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier.
Die wohnungslose Martina G. hat Angst wegen Todesdrohungen. Rechts im Bild Regina Bergmann, Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier.

Martina G. möchte ihren richtigen Namen nicht nennen und auch nicht erkannt werden. Deshalb zeigen wir ihr Gesicht nicht und nennen auch nicht ihren richtigen Namen.

Psychische und finanzielle Probleme

Die 37-Jährige hat eine gewalttätige Beziehung hinter sich und mit psychischen Problemen zu kämpfen. Sie hat immer gearbeitet und schon viele Jobs gemacht.

Der Vermieter hat das Schloss austauschen lassen.

Trotzdem kann sie irgendwann ihre Miete nicht mehr zahlen und sitzt auf der Straße. Der Vermieter lässt nicht mit sich reden, wie sie erzählt, und will sie loswerden. "Der Vermieter hat einfach das Schloss austauschen lassen."

Betrug, Todesdrohungen und Flucht

Die Abwärtsspirale beginnt, als sie um ihre Ersparnisse betrogen wird. Sie gerät in ihrer Verzweiflung an unlautere Kreditgeber, die ihre Identität missbrauchen, sie ausnutzen und mit dem Tod bedrohen.

"Die zahlen Autos auf meinen Namen an oder gründen Bauunternehmen", sagt sie. "Ich lebe in Angst. Die geben mir zu verstehen: 'Wenn du der Polizei meinen Namen nennst, werde ich Dich umbringen.'"

Die Wohnungslose nutzt heute die Notunterkunft des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier. Sie ist hier her geflüchtet. Ihr früherer Wohnort liegt am anderen Ende der Republik.

Frauen erfahren Wohnungslosigkeit anders

"Bei Martina G. kommen nahezu alle Probleme in einem Fall zusammen, die Frauen oft in die Wohnungslosigkeit treiben", sagt Regina Bergmann, Geschäftsführerin des SkF in Trier.

"Natürlich gelten für die Frauen auch herkömmliche Gründe, doch es kommen weitere hinzu", erklärt Regina Bergmann. Viele seien Gewaltopfer. Auch Geschlechterrollen wirkten sich aus.

"Frauen in Beziehungen sind oft nicht Inhaberinnen der Mietverträge", sagt Regina Bergmann. Scheitert die Beziehung, werden sie wohnungslos. Eine neue Wohnung fänden sie in der Regel nur sehr schwer oder gar nicht.

Oft liege es daran, dass sie Unterlagen wie positive Schufa, Gehaltsnachweise, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung und ähnliches einfach nicht vorlegen und hohe Mieten nicht zahlen könnten.

Frauen werden oft sexuell ausgenutzt

Auch Missbrauch ist ein Thema unter wohnungslosen Frauen. Immer wieder kämen sie bei Männern unter, sagt Regina Bergmann. Gegen sexuelle Gefälligkeiten, was die Frauen eigentlich gar nicht wollten. Irgendwann seien sie dann wieder wohnungslos.

"Erkrankungen, zumeist psychische Erkrankungen, hindern sie daran, eine Erwerbsarbeit aufzunehmen. Ohne psychiatrische Behandlung sind sie quasi chancenlos", sagt Regina Bergmann. Ein Teufelskreis.

Bei Andrang stellt SkF mehr Betten auf

So kommen wohnunsglose Frauen dann zum Café Haltepunkt. Und es werden seit drei Jahren immer mehr. "Wir halten Notschlafplätze bereit. Wenn mehr Bedarf ist, stellen wir auch zusätzliche Betten auf."

Schon im Jahr 2022 hat der Sozialdienst katholischer Frauen einen Wohncontainer angeschafft. Grundsätzlich jeder Frau, die einen Übernachtungsplatz benötigt, werde einer angeboten.

Die Probleme werden immer komplexer.

"Was die Beratung angeht, kommen wir eindeutig an unsere personellen Grenzen. Es werden immer mehr Frauen und die Probleme werden immer komplexer", sorgt sich Regina Bergmann.

Neben den Notschlafplätzen bieten der SkF auch stationäre Wohnungslosenhilfe an. Außerdem gibt es ein Mutter-Kind-Haus. "Wir stellen fest, dass es immer schwieriger für die betroffenen Frauen wird, ein eigenständiges Leben zu führen."

Frauen auf dem Wohnungsmarkt helfen

Gerade bereitet der SkF ein Projekt für Frauen vor, damit sie sich am Wohnungsmarkt behaupten können. "Sie werden über einen festgelegten Zeitraum professionell begleitet." Finanziert wird das Projekt von einem Sponsor.

Das Café Haltepunkt des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier bietet wohnungslosen Frauen Hilfe.
Das Café Haltepunkt des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier bietet wohnungslosen Frauen Hilfe.

Außerdem betreut der SkF Menschen, die noch in ihrer Wohnung leben, um Wohnungslosigkeit zu vermeiden. Das Projekt "Daheim" wird von der Stadt Trier vorgehalten.

Ohne Spender und Sponsoren geht es nicht

"Wir haben darüber hinaus ambulante Psychotherapie für die Frauen organisiert. Diese wird zu 100 Prozent aus Spenden finanziert, weil die Frauen auch keinen Zugang zu Psychotherapie haben", sagt Regina Bergmann.

Bis auf die stationäre Wohnungslosenhilfe und das Projekt "Daheim" sei der SkF bei allen Hilfsangeboten auf Eigenmittel angewiesen, also auf Spender und Sponsoren.

"Daher ist die Personaldecke immer knapp. Zudem bleiben die Hilfen damit unplanbar, weil die Finanzierung jederzeit wegbrechen kann."

Martina G. hat Lebensmut nicht verloren

Martina G. ist dem Sozialdienst katholischer Frauen dankbar. Dankbar für ein Dach über dem Kopf und für eine Art Verschnaufpause in einem Leben, in dem etwas gehörig durcheinander geraten ist.

Auf Dauer will sie es sich keinesfalls in der Wohnungslosigkeit einrichten. Sie habe stets gearbeitet. "Momentan bekomme ich noch Arbeitslosengeld", sagt sie.

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Dann sagt sie Dinge wie: "Wer arbeiten will, findet auch etwas. Man muss selbst etwas tun." Überzeugt klingt sie dann, aber auch so, als ob sie sich selbst erst einmal Mut zusprechen müsste.

Martina G. hat Pläne. Möchte mit ihrem derzeitigen Partner gerne ins Ausland ziehen. In Deutschland ist es ihr zu gefährlich. Die Angst aufgrund der Todesdrohungen lässt sie noch nicht los.

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