Industrie-Naturschutz beim Pharmakonzern

Ludwigshafen: Zwei Uhus auf dem Werksgelände von AbbVie ausgewildert

Zwei Uhus aus der Greifvogelstation Haßloch haben eine neue Heimat, und zwar eine sehr ungewöhnliche: Sie wurde im Werk des Pharmakonzerns AbbVie in Ludwigshafen ausgewildert.

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Von Autor/in Martin Gärtner

Die verwaisten Uhu-Küken waren in der Greifvogelstation Haßloch abgegeben und dort aufgezogen worden. Jetzt wurden sie in zwei große Umzugskartons gesteckt, zu AbbVie nach Ludwigshafen gefahren und mitten im Werksgelände freigelassen. Doch haben die Vögel auf dem Industriegelände eine Überlebenschance?

Ein Uhu blickt aufgeregt aus einem Pappkarton: Er ist einer von zwei Uhus, die der Pharmakonzern AbbVie auf seinem Werksgelände in Ludwigshafen ausgewildert hat.
Neugieriger Blick aus dem Pappkarton: Einer der beiden Uhus, die der Pharmakonzern AbbVie auf seinem Werksgelände in Ludwigshafen ausgewildert hat. AbbVie / Fabian Liboschik

"Hier ist alles, was Uhus brauchen", sagt Klaus Eisele. Er ist ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises. "Es gibt hier hohe Gebäude. Dort haben wir zwei Nisthilfen installiert." Nahrung gebe es bei AbbVie im Überfluss: Ratten, Tauben und Sittiche werden künftig von den Uhus gejagt und verspeist.

Nahrung im Überfluss - auch auf Industriegelände

Klaus Eisele, der zudem die Ornithologische Beobachtungsstation Altrhein leitet, bringt es auf den Punkt: "Die Uhus brauchen, wie wir Menschen, einen Partner, um Liebe zu machen, etwas zu fressen und dann sind die glücklich. Wie es außenrum aussieht, spielt keine Rolle."

Eine Nisthilfe für Uhus über den Dächern von AbbVie: Sie wurde auf der Spitze des höchsten Gebäudes auf dem Werksgelände in Ludwigshafen montiert.
Über den Dächern von AbbVie: Auf der Spitze des höchsten Gebäudes auf dem Werksgelände in Ludwigshafen wurde eine Nisthilfe montiert. Vielleicht baut das Uhu-Paar dort ein Nest und beginnt zu brüten. Martin Gärtner

Zwölf Wanderfalken in Ludwigshafen

Der AbbVie-Konzern hat bereits vor drei Jahren Wanderfalken auf seinem Werksgelände nahe des Hauptbahnhofs ausgewildert. Auch andere Ludwigshafener Unternehmen machen beim Industrie-Naturschutz mit, zum Beispiel die BASF. Derzeit brüten in der Chemiestadt sechs Wanderfalkenpaare. Das ist deutlich mehr als in Speyer und Mannheim, betont Klaus Eisele, die jeweils nur ein Brutpaar haben.

AbbVie kümmert sich nicht nur um Falken und Uhus. "Auf dem Werksgelände wurden fast einhundert Nistmöglichkeiten für Mauersegler und Fledermäuse angebracht", erläutert Andreas Beck, der die Standorttechnik leitet. Versiegelte Flächen wurden renaturiert. Dort wachsen jetzt Pflanzen und leben Wildbienen, Eidechsen, Igel und Gottesanbeterinnen.

Der ehrenamtliche Naturschutzbeauftragte der Stadt Ludwigshafen, Klaus Eisele, entlässt einen Uhu vor dem Pharmakonzern AbbVie in die Freiheit
In großen Kartons wurden die zwei Uhus ins AbbVie-Werk transportiert und dort vom ehrenamtlichen Naturschutzbeauftragten der Stadt Ludwigshafen, Klaus Eisele, freigelassen. AbbVie / Fabian Liboschik

Regelmäßig lässt AbbVie die Tiere und Pflanzen auf dem Werksgelände zählen. Dabei gab es zuletzt ein erstaunliches Ergebnis: Es leben sehr seltene Arten auf dem Areal. "21 Prozent der gezählten Insekten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten", berichtet Andreas Beck. "Damit hatte ich nicht gerechnet."

Industrie-Naturschutz war Idee der Mitarbeiter

Die Anregung, das Ludwigshafener Pharmawerk naturnah zu gestalten und Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu schaffen, kam von der AbbVie-Belegschaft. "Unsere Mitarbeiter sind sehr motiviert und treiben uns an, den Industrie-Naturschutz fortzusetzen", so Andreas Beck. In den Mittagspausen gibt es immer wieder Führungen für die Kollegen, wo die Arten auf dem Werksgelände gezeigt und erläutert werden.

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Martin Gärtner
Bild von Reporter Martin Gärtner aus dem SWR-Regionalbüro Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz.

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