"Ich habe keine Berührungsängste"

Junge Frau aus Neupotz erzählt: Darum wollte ich Bestatterin werden

Die 20-jährige Laura Meyburg aus Neupotz wusste schon als Kind, dass sie Bestatterin werden will. Sie hat uns erzählt, was sie an ihrem Job liebt und was sie herausfordert.

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Von Autor/in Nancy Lau

Wenn man Kinder fragt, was sie später einmal beruflich machen wollen, hört man oft die typischen Antworten wie etwa "Astronaut", "Arzt" oder "Lehrerin". Laura Meyburg dagegen wusste schon früh, dass sie Menschen beistehen möchte, die eine geliebte Person verloren haben. Sie wollte Bestattungsfachkraft werden.

Wie das geht, hat sie schon im Betrieb ihrer Großeltern miterlebt, erzählt sie. Denn diese haben in Niedersachsen ein Bestattungsunternehmen geführt. "Ich habe viel bei meiner Oma im Betrieb mitbekommen, und diese Arbeit mit den Angehörigen und den Trauernden hat mich fasziniert", sagt sie.

Keine Berührungsängste bei Verstorbenen

Den ersten Verstorbenen, den sie gesehen hat, war ihr Vater, sagt sie. "Da war ich fünf Jahre alt. Meine Kindheit war sehr davon geprägt, mit dem Thema Tod umzugehen. Die Berührungsängste, die ich gegenüber Verstorbenen hatte, sind bei mir da weggefallen."

Laura wollte mehr über den Beruf erfahren und das Handwerk lernen. Sie hat sich deshalb für eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft beworben und bekam in Wörth den Zuschlag. Im Juli hat sie die Ausbildung abgeschlossen.

Der Job ist sehr zeitintensiv, erklärt sie: "Am herausforderndsten finde ich die Zeit, die da tatsächlich drinsteckt. Es gibt nicht die klassische 40-Stunden-Woche. Wenn du dich für diesen Beruf entscheidest, dann lebst du für diesen Beruf."

Der Beruf fordert auch, dass man private Zeit opfert, insbesondere wenn man Bereitschafts- und Telefondienst hat, erklärt Laura. Im beruflichen Alltag ist Laura mittlerweile gut angekommen.

Wenn sie morgens anfängt, gibt es meistens schon einen Plan, sagt sie: "Man kommt rein, bereitet erst einmal standardmäßig die Kaffeemaschine vor und dann die Beratungsräume. Dann schaut man, was ansteht: Steht eine Überführung an oder ein Standesamt? Vormittags werden in der Regel alle Behördengänge erledigt."

Ein Job mit vielen Aufgaben

Lauras Aufgaben sind vielfältig. Sie muss Verstorbene zum Beispiel von Krankenhäusern abholen und in die Geschäftsstelle bringen - umgangssprachlich auch Überführungen genannt. Sie kümmert sich auch um die Sterbeurkunde, dafür muss sie zum Standesamt fahren.

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Und auch die sogenannte hygienische Versorgung muss gemacht werden. "Das bedeutet, dass wir den Verstorbenen waschen. Wir desinfizieren sie einmal, um die Übertragung von beispielsweise Bakterien zu unterbinden."

Ein Raum bei einem Bestattungsunternehmen in Wörth, wo die hygienische Versorgung der Verstorbenen stattfindet.
Hier findet die hygienische Versorgung der Verstorbenen statt.

Auch das Ankleiden der Verstorbenen gehört dazu und manchmal auch die kosmetische Rekonstruktion, insbesondere nach Unfällen. Wenn eine Person zum Beispiel vor dem Tod die Treppe hinabgestürzt ist und sich verletzt hat, werden die Wunden kaschiert, damit diese nicht so präsent sind, erklärt Laura.

Viele Angehörige möchten sich noch ein letztes Mal von dem Verstorbenen verabschieden. Nach der hygienischen Versorgung wird der Verstorbene aufgebahrt.

Ein Raum, in dem sich die Angehörigen vom Verstorbenen verabschieden können. Der Verstorbene wird hier aufgebahrt.
Hier können sich die Angehörigen vom Verstorbenen verabschieden. Der Verstorbene wird hier aufgebahrt.

In den Beratungsgesprächen mit den Angehörigen, die auch auf der Tagesordnung stehen, geht es zum Beispiel um das Thema Trauerfeier.

Für Laura ist es ein großes Anliegen, dass diese Feier die Persönlichkeit des Verstorbenen zeigt: "Im Beratungsgespräch frage ich viel, gerade wenn es in Richtung Dekoration geht oder wenn wir uns eine Urne anschauen: Gab es eine Farbe, die diese Person gemocht hat, oder irgendein Hobby, das sie gerne gemacht hat? Das sind so Sachen, mit denen man die Angehörigen gut erreichen kann, und damit kann man es schaffen, die Trauerfeier nochmal ganz persönlich zu machen."

Ein verständnisvolles und offenes Umfeld ist wichtig

Wie ist das, wenn man tagtäglich mit Verstorbenen zu tun hat? Nimmt man da manches mit nach Hause? "Teilweise", antwortet Laura. "Ich habe gut gelernt, wie ich das von mir fern halte, dass ich das nicht mit nach Hause nehme. Klar gibt es Fälle, die sind schwierig."

In solchen Fällen spricht sie zum Beispiel mit ihrem Partner, erklärt sie, und findet, dass es auch wichtig ist, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem man sich in solchen Situationen auch mit Kollegen austauschen kann.

Der Beruf hat aber auch sehr schöne Seiten. Im Interview sagt Laura: "Ein ganz großer Punkt bei mir ist diese Dankbarkeit, die man von Angehörigen bekommt, wenn man in Richtung Verabschiedung oder Trauerfeier geht. Ich höre oft Sätze wie ‚Mensch, ist das schön.‘ Das bringt mich innerlich zum Lächeln, weil ich mir denke: Toll, ich konnte denen trotz dieser schweren Phase ein Lächeln ins Gesicht zaubern.“

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Nancy Lau
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