Windeln wechseln, Therapeutin sein, Deutsch beibringen: Für Erzieherinnen und Erzieher werden die Aufgaben immer mehr - und anstrengender. Und das Personal immer weniger. In Ludwigshafen fällt das besonders auf. Hier fehlen aktuell 1.145 Kita-Plätze für Kinder über zwei Jahren.
Deswegen veranstaltete die Gewerkschaft ver.di am Mittwochabend einen "Kita-Gipfel": Dort erzählten Fachkräfte von ihrem zunehmend stressigen Alltag. In den ersten zwei Reihen saßen die Direktkandidatinnen und -kandidaten für die kommenden Landtagswahlen im März. Und sie hörten zu.
Erzieherinnen und Erzieher in Ludwigshafen sind erschöpft
Der Dauerstress endet nicht mit dem Feierabend.
Denn viele Kita-Fachkräfte sind erschöpft. Michaela Kuffler ist 48 und arbeitet seit 2019 an einer Kita in Ludwigshafen. Sie sei müde, immer mehr Aufgaben kämen dazu, sagt sie. "Der Dauerstress endet nicht mit dem Feierabend."
120 Menschen sind zu der ver.di-Veranstaltung gekommen, es folgt lautes Klatschen, viele können die Worte von Kuffler nachvollziehen.
Erzieherin: "Wir wechseln die Windeln bei Dreijährigen"
Nikolina Malliotakis arbeitet seit 35 Jahren als Erzieherin in Ludwigshafen. Sie sagt, dass die Kinder früher ganz anders in den Kindergarten gekommen seien. "Die Sprache war besser entwickelt, die Kinder waren sauber", so Malliotakis.
Jetzt sei es normal, bei Dreijährigen die Windeln zu wechseln. Es kämen fünfjährige Kinder in die Kita, die kein Deutsch sprechen würden, sagt sie. "Bei uns fehlt das Personal. Wir haben immer mehr herausfordernde Kinder." Ausgebildet seien sie jedoch für Kinder ohne spezielle Bedürfnisse.
Forderung nach dualer Ausbildung
Andrea Baumann leitet eine Kita in Ludwigshafen. Sie fordert: "Es sollte wieder eine vierjährige Ausbildung sein, auch im dualen System." Und: Qualitativ sollte die Ausbildung so sein, wie sie einmal war.
Leichte Sprache Zu wenige Mitarbeiter in den Kitas
Soziale Organisationen haben herausgefunden: Es gibt nicht genug Mitarbeiter in Kitas in Deutschland. Kinder bekommen nicht genug Betreuung. Vor allem Kinder mit besonderem Bedarf.
Zudem sollte die Ausbildung wie in jedem anderen Ausbildungsberuf auch vergütet werden. "Vom ersten bis zum letzten Tag", sagt Baumann. So könne man Anreize für junge Menschen schaffen und die Personallücken mit gut ausgebildeten Fachkräften schließen.