Rauana Kanaan aus Ludwigshafen ist 27, ihre Eltern kommen aus dem Libanon. Wie jedes Jahr fastet die Familie zu dem islamischen Fastenmonat Ramadan. Zum Ende des Fastenmonats beginnt eigentlich ein dreitägiges Fest. Die Familie kommt zum Fastenbrechen zusammen, isst gemeinsam, für Kinder gibt es Geschenke.
"Feiern werden wir in diesem Jahr auf keinen Fall", sagt Rauana Kanaan. Eigentlich liebt sie den Fastenmonat. Doch gerade können sie nur noch über den Krieg sprechen. Kanaan, ihre Schwester und ihre Mutter leben in ständiger Sorge, dass ein Familienmitglied sterben könnte. "Ich bin nicht mehr so glücklich", sagt die 27-Jährige. Bei vergangenen israelischen Angriffen starb ein Onkel von Kanaan.
Angriffe von Israel: Mehr als eine Million Menschen im Libanon vertrieben
Seit etwa zweieinhalb Jahren schwelt der Krieg zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. Nach jüngsten Angriffen Israels auf den Libanon sind offiziellen Angaben zufolge mehr als eine Million Menschen vertrieben worden. Das ist etwa jeder Sechste im Land. Das libanesische Gesundheitsministerium teilte mit, dass rund 970 Menschen durch israelische Angriffe getötet worden seien.
Familie im Libanon auf der Flucht: "Es trifft alle"
Die Situation sei für alle belastend. Rauana Kanaans Mutter hat vierzehn Geschwister, die Familie ist groß. "Wir leben täglich in Angst, dass etwas passieren könnte", sagt Kanaan. Die Familie im Libanon ist auf der Flucht, sie kommen aus dem Süden des Landes oder der Hauptstadt Beirut.
Der Kontakt zu ihrer libanesischen Familie ist schwer, sagt Rauana Kanaan. Sie fürchtet, dass die Telefone von Israel abgehört werden und die Familienmitglieder in Gefahr kommen. "Ich frage dann nur eine Person, ob alle noch leben", sagt die 27-Jährige.
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Rauana Kanaan erzählt, dass einer ihrer Onkel Krebs hat, auch er musste fliehen. Die Frau von ihrem Cousin musste am Tag ihrer Entbindung aus dem Krankenhaus fliehen. Den Verwandten geht das Geld aus, sie leben in Schulgebäuden, teilweise auf der Straße. "Es trifft alle", sagt Kanaan nachdrücklich.
Mein größter Wunsch ist, dass der Krieg endlich endet.
Zum Ende des Ramadans wünscht sich die Ludwigshafenerin nur eins: Dass der Krieg endet. Ihre größte Angst: Dass jemand aus ihrer Familie stirbt. Sie macht sich auch Sorgen um ihre Mutter, die hier in Ludwigshafen ist.
Seit dem Krieg habe sie nicht wie gewohnt zu Iftar, also dem täglichen Fastenbrechen während des Fastenmonats, gekocht. "Sie isst teilweise nur noch Reste abends, weil sie keine Kraft hat, zu kochen", sagt Kanaan.
Geldspenden an den Libanon dringend benötigt
Die Familie aus Ludwigshafen schickt den libanesischen Verwandten Geld. Spenden würden dringend gebraucht, sagt Kanaan. "Die Menschen im Libanon haben fast alles verloren." Rauana Kanaan und ihre Familie beten für die Verwandten und hoffen, dass alle überleben.
Alemi Islam Moschee in Ludwigshafen erwartet 1.500 Gläubige
Für Musliminnen und Muslime ist das Ende von Ramadan, der Bayram, oder auch Zuckerfest genannt, das wichtigste Fest. In der Alemi Islam Moschee in Ludwigshafen begehen Gläubige gemeinsam das Fastenbrechen. Das erste Ramadan-Gebet beginnt hier um 07:10 Uhr, die Moschee in Ludwigshafen-West erwartet 1.500 Gläubige.
Die Kriege in Iran, dem Libanon, aber auch in der Ukraine, würden das Fastenbrechen in diesem Jahr überschatten, so Bilal Salmaz, Sprecher der Alemi Islam Moschee. Vor allem bei Gläubigen, die Familie in den Kriegsländern hätten. Deswegen würde man für die Familien im Ausland besonders beten.