SWR: Herr Blettner, über ein Thema müssen wir zuerst sprechen: Finanzen. Was können Sie angesichts leerer Kassen in Ludwigshafen bewegen?
Blettner: Die Finanzsituation ist angespannt und wir haben ein enges Korsett. Aber das kann keine Universalausrede sein. Ich habe deshalb einen Fünf-Punkte-Plan: Mehr Fördermittel durch Landes-, Bundes- und EU-Ebene generieren. Durch interkommunale Zusammenarbeit Geld sparen: zum Beispiel brauchen wir nicht zwei Kfz-Zulassungen für Stadt und Kreis, da kann man auch kooperieren. Dann wollen wir neue Unternehmen ansiedeln und dadurch Gewerbesteuereinahmen generieren – zum Beispiel auf freiwerdenden BASF-Werksgeländeflächen. Als neues Mantra bei Ausgaben soll außerdem gelten: Verbessert die Ausgabe die Lebensqualität der Menschen? Und zuletzt müssen wir weiter auf bessere Finanzausstattung durch Land und Bund drängen. Hier sollte die Stadt auch klagen.
SWR: Stichwort Sauberkeit: Wie kann Ludwigshafen sauberer werden?
Blettner: Die Themen Sauberkeit und Sicherheit brennen den Menschen unter den Nägeln, das habe ich gemerkt. Sauberkeit ist die Visitenkarte der Stadt: Wenn die nicht stimmt, dann identifiziert sich niemand mit der Stadt. Deswegen soll Sauberkeit Chefsache werden und ich möchte mich in den ersten 100 Tagen darum kümmern. Und mich zunächst auf einzelne Stadtteile fokussieren. Wer erwischt wird, soll höhere Strafen zahlen. Es gilt: Mehr Konsequenzen und das Nulltoleranzprinzip. Und beim Thema Sicherheit bin ich der einzige Kandidat, der sich für Videoüberwachung einsetzt.
SWR: Wie kann Ludwigshafen denn durch Abriss der Hochstraße Nord profitieren? Welche Chancen hat die Stadt durch den Bau der Helmut-Kohl-Allee?
Blettner: Die "City West" ist eine riesige Chance, es gibt kein vergleichbares Projekt in Süddeutschland. Die 39 Hektar ergeben ein Areal, das es zu entwickeln gilt, mit Wohnen, Arbeiten, Freizeit. Die Chance ist zwar da, aber wenn man es falsch macht, sind die Folgen massiv. Deswegen wollen wir die richtigen Investoren an Land ziehen. Und auch Kulturangebote schaffen, zum Beispiel ein Sammlungsmuseum, oder Angebote für junge Menschen, da sehe ich einen großen Bedarf. Meine Studenten gehen immer in den Jungbusch, und das ist auch schön, aber sie sollten auch die Chance bekommen, eine Semestereröffnungsparty in Ludwigshafen zu haben. Aber bei der Gestaltung des Areals möchte ich die Bürger miteinbeziehen. Hier gilt: Was beschlossen wurde, soll auch umgesetzt werden.
SWR: Und jetzt noch was Persönliches: Was motiviert Sie, OB von LU zu werden?
Blettner: Ich bin seit 15 Jahren in Ludwigshafen und habe die Stadt lieben gelernt. Als die OB-Anfrage aus der Partei kam, musste ich erst kurz nachdenken. Aber: Ich habe die Energie, die Kompetenzen und die Leidenschaft, um die Stadt wieder nach vorne zu bringen. Die Lebensqualität hat gelitten und in Ludwigshafen gibt es einen großen Wunsch nach Veränderung. Deswegen mein Wahlspruch: "LU wieder stark machen". Auch, wenn ich die Zeit nicht zurückdrehen will. Und, was mich im Wahlkampf motiviert: Die Pfälzer Mentalität, die ist schon was Besonderes. Ich mag die Begegnungen und das Feedback der Menschen.