Die Bilder und Warnungen aus dem Jahr 1986 sind vielen noch präsent. Nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde plötzlich vor dem Verzehr von frischem Obst und Gemüse gewarnt. Denn der radioaktive Regen aus Osteuropa erreichte damals auch die Vorder- und Südpfalz.
Sogar 40 Jahre später sind die Auswirkungen noch spürbar. Besonders Pilze und Wildschweinfleisch können noch heute belastet sein – ein Zeichen dafür, wie langlebig radioaktive Stoffe in der Umwelt bleiben.
"Wir werden noch sehr lange, über viele, viele Jahrzehnte, messen müssen, weil die Nuklide, die damals in Tschernobyl freigesetzt worden sind, noch nicht vollständig zerfallen sind. Bisher sind ungefähr 60 Prozent zerfallen."
Das sagt auch Dr. Andreas Hoffmann. Er leitet die Abteilung, in der Lebensmittel auf Radioaktivität getestet werden. "Wir werden noch sehr lange, über viele, viele Jahrzehnte, messen müssen, weil die Nuklide, die damals in Tschernobyl freigesetzt worden sind, noch nicht vollständig zerfallen sind", erklärt Hoffmann. Bisher seien ungefähr 60 Prozent zerfallen.
Jeden Tag werden in Speyer Lebensmittel kontrolliert
Damit keine belasteten Lebensmittel auf den Teller landen, wird im Landesuntersuchungsamt täglich getestet. Die Bandbreite ist groß: Äpfel, Gemüse, unterschiedliches Fleisch und sogar Babynahrung werden akribisch untersucht.
Pro Jahr werden bis zu 800 Proben analysiert. Viele stammen direkt aus der Pfalz, doch auch aus Regionen rund um das französische Kernkraftwerk Cattenom kommen regelmäßig Proben ins Labor. Hier wird besonders auf Milch, Fisch und Eier geschaut.
Wildschwein nur noch stichprobenartig getestet
Bis 2024 gab es noch deutlich mehr Proben. Das lag daran, dass jedes Stück Wildschweinfleisch, das in den Handel kam, verpflichtend auf radioaktives Cäsium untersucht werden musste.
Inzwischen wurde diese Regelung gelockert, die Kontrollen bleiben jedoch wichtig. Denn gerade Wildschweine können weiterhin erhöhte Werte aufweisen.
"Es gibt einen Pilz, der besonders aktiv ist, das Cäsium aufzunehmen - das ist der sogenannte Hirschtrüffel, die für den Menschen ungenießbar ist, aber für Wildschweine eine Delikatesse ist."
Wildschweine lieben die sogenannten Hirschtrüffel, die tief im Boden vergraben sind, sagt Hoffmann. "Es gibt einen Pilz, der besonders aktiv ist, das Cäsium aufzunehmen - das ist der sogenannte Hirschtrüffel, die für den Menschen ungenießbar ist, aber für Wildschweine eine Delikatesse ist."
Laut Andreas Hoffmann wühlen die Wildschweine im Boden nach diesen Hirschtrüffeln, fressen sie und nehmen dadurch das Cäsium verstärkt auf. "Das ist auch der Unterschied zu anderem Wildfleisch. Dammwild oder Rotwild zum Beispiel sind nicht so belastet wie Wildschweine", so Hoffmann weiter.
Messung der möglichen radioaktiven Lebensmittel
Die Proben, die im Labor von Dr. Anderas Hoffmann ankommen, werden zunächst klein geschnitten und anschließend klein gehäckselt. Die dadurch entstandene Masse wird in spezielle Messbehälter luftdicht verschlossen.
Anschließend folgt die eigentliche Messung. Für rund 23 Stunden stehen die Proben dafür in Bleimessstationen. Dort wird gezielt nach radioaktiven Stoffen wie Cäsium-137 und Jod-131 gesucht.
Liegt ein Wert über dem Grenzwert, hat das klare Konsequenzen. Die gesamte Probe – und damit das entsprechende Lebensmittel – werden aus dem Verkehr gezogen und vernichtet.
Sicherheit durch Dauerüberwachung
Die Arbeit des Landesuntersuchungsamtes zeigt eindrucksvoll, wie lange die Folgen von Tschernobyl nachwirken. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass Verbraucherinnen und Verbraucher in Rheinland-Pfalz heute sicher einkaufen können.