Für Tamija Göbel geht ein Wunsch in Erfüllung: Sie beginnt im August ihre Ausbildung als Pädagogische Assistentin. Durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kita hat sie ihren Traumjob gefunden.
Das ist der Beruf, den ich machen möchte – es macht mir Spaß mit Kindern zu arbeiten.
Eigentlich hatte sich Tamija Göbel auf eine Ausbildung zur Erzieherin beworben, bekam mit ihrem Hauptschulabschluss aber eine Absage. Zunächst gab es für sie keinen direkten Weg, in einer Kita zu arbeiten. Erst vor kurzem hat sie von dem neuen Ausbildungsweg erfahren und sich sofort beworben, erzählt sie.
Tamija Göbel wird im August an der Berufsbildenden Schule Südliche Weinstraße ihre Ausbildung beginnen. Timo Beck ist für den Standort dieser BBS in Annweiler zuständig, an dem der neue Ausbildungsgang angeboten wird. Er begrüßt, dass nun auch Menschen mit Hauptschulabschluss die Chance haben, ihren Traumjob in der Kita zu verfolgen. Zudem betont er, dass durch die duale Struktur eine Ausbildung unabhängig vom Einkommen der Eltern möglich werde.
Auch die Fachschule für Sozialwesen der Evangelischen Diakonissenanstalt Speyer bietet die Ausbildung zum Pädagogische Assistenten an. Auf SWR-Anfrage teilen beide Schulen mit, dass sie mit den Bewerberzahlen zufrieden seien. Teilweise hätten sie schon mehr Bewerbungen als angebotene Plätze.
In Rheinland-Pfalz startet der Modellversuch an elf Schulen zum 1. August. Bewerbungen sind noch bis zum 1. März möglich.
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Wer arbeitet bisher in Kitas?
Aktuell arbeiten nach Angaben des Ministeriums für Bildung etwa 90 Prozent Erzieherinnen und Erzieher in rheinland-pfälzischen Kitas. Die sogenannte Fachkräftevereinbarung erlaubt aber eine Verteilung von 70 Prozent Erziehern zu 30 Prozent Assistenzen. Das Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz möchte nicht die Zahl der Erzieher senken sondern zusätzliche Wege in den Beruf schaffen.
Pädagogische Assistenzen sollen Erzieher zukünftig unterstützen
Die neue Ausbildung nennt sich Staatlich geprüfter Sozialpädagogischer Assistent und ist vergleichbar mit der zum Sozialassistenten. Bisher dürfen Sozialassistenten nicht direkt in Kitas arbeiten und müssen dafür erst die Weiterbildung zum Erzieher machen. Pädagogische Assistenten sollen künftig direkt in Kitas einsteigen können.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet dual statt. Dadurch kann eine höhere Ausbildungsvergütung möglich sein. Im herausgegebenen Mustervertrag steht eine Vergütung von rund 1.000 bis 1.100 Euro im Monat. Verbindliche Tarifregelungen gibt es bislang jedoch nicht.
Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der direkten Arbeit mit den Kindern. Aufgaben wie das Erstellen von Betreuungskonzepten oder das Führen von Entwicklungsgesprächen mit Eltern gehören nicht zum späteren Arbeitsfeld in der Kita und sind daher auch nicht Teil der Ausbildung.
Kritik: Aufgaben lassen sich in der Praxis kaum trennen
Gegenüber dem SWR äußert die Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Kathrin Gröning, die Befürchtung, dass Sozialpädagogische Assistenten in Kitas die gleichen Aufgaben erfüllen müssen, allerdings geringer bezahlt werden als die Erzieher.
Kinder können vor Ort nicht unterscheiden, wer bei welchen Fragen richtig qualifiziert ist.
Die GEW fordert, den Fokus auf die Erzieherausbildung zu legen, diese zu stärken und zu verbessern. Die Qualifikation einer dreijährigen Ausbildung zur pädagogischen Assistenz sei nicht mit der zum Erzieher vergleichbar.
Wie es weitergeht: Auswertung des Modellversuchs
Auf SWR-Anfrage erklärt das Ministerium für Bildung, dass ein neu eingerichteter Beirat fortlaufend den Modellversuch auswertet. Man wolle dort zusammen verschiedenste Stimmen anhören, um von der Praxis zu lernen.