"Bitte beachten Sie: Aus Rücksicht auf andere Fahrgäste bitten wir Sie die Lautsprecher Ihres Handys auszuschalten, oder Kopfhörer zu verwenden", so lautet derzeit die Durchsage in Bussen und Bahnen der Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg und der Region - auf Deutsch und Englisch. Wir haben beim Pressesprecher der RNV nachgefragt, was dahintersteckt.
SWR Aktuell: Die RNV ruft Fahrgäste per Bandansage neuerdings dazu auf, entweder leiser in Bussen und Bahnen zu telefonieren – oder Kopfhörer zu nutzen.
Moritz Feier: Gegenseitige Rücksichtnahme ist bei uns ein ganz großes Thema. Da setzen wir uns seit Jahren dafür ein und das eben immer mal wieder mit verschiedenen Aktionen. Da geht es um Themen wie beispielsweise respektvollen Umgang, es geht um Themen wie Essen und Vermüllung in unseren Fahrzeugen. Und dieses Mal geht es um das Thema Lautstärke. Das haben wir in der Vergangenheit immer mal wieder aufgegriffen. Jetzt nehmen wir da einen neuen Anlauf.
SWR Aktuell: Was hat denn bei Ihnen jetzt den Ausschlag für die Aktion gegeben?
Feier: Wir hatten in den vergangenen Monaten und Jahren durchaus ein leicht gestiegenes Beschwerdeaufkommen diesbezüglich sowohl von unseren Fahrgästen als auch von unserem Personal. Da haben wir gesagt: Jetzt ist es mal an der Zeit, hier mal wieder einzuwirken -auf den einen oder die andere. Es geht ja vor allem auch um diese Lautstärke: Man guckt sich ja Videos an, man hört oder man betreibt auch Videotelefonie, also lautstark im Fahrzeug. Andere Fahrgäste haben eigentlich keine Fragen mehr offen, wenn man da zugehört hat.
Appell zur Rücksichtnahme Lautsprecherdurchsagen in Mainzer Bussen und Bahnen wegen Lärm durch Handys
Sie telefonieren laut oder hören Musik ohne Kopfhörer. Immer mehr Fahrgäste im Mainzer ÖPNV nehmen keine Rücksicht. An sie richten sich künftig Lautsprecherdurchsagen.
SWR Aktuell: Sie bekommen also Beschwerden. Was schreiben Ihnen denn die Fahrgäste oder was sagen denn Ihre Mitarbeiter, also die Straßenbahnen und der Busfahrer?
Feier: In der letzten Zeit kam es häufiger zu Beschwerden, dass sich Menschen gestört fühlen. Das kann man sich ja denken: Nicht jeder möchte alles von seinem Sitznachbarn oder seiner Sitznachbarin wissen! Und teilweise ist die Lautstärke auch so, dass man dann nicht mehr entspannt fahren kann. Vielleicht nimmt es etwas mehr zu, weil sich die Mediennutzung fortwährend verändert. Es gibt eben mehr Kurzvideos etc. pp., die man sich mal eben schnell anschaut, eben auch im Bus und Bahn. Das ist Punkt eins. Was wir auch immer ganz oft hören, sind Menschen, die in der Öffentlichkeit, auch im Bus und Bahn, mit der Freisprechanlage telefonieren, anstatt einfach den Hörer ans Ohr zu nehmen. Auch das sind so Punkte, die ab und zu mal vorkommen. Da sagen wir: Das muss nicht sein! Ein Telefonat in Zimmerlautstärke im Bus und Bahn, da sagt keiner was. Aber wir müssen nicht alle unsere Fahrgäste mitbeschallen.
SWR Aktuell: Ist denn die RNV eine Art Trendsetter oder machen das bereits auch andere Verkehrsbetriebe in Deutschland?
Feier: Wir sind da nicht allein mit dieser Problematik und wir sind auch nicht allein mit unserer Reaktion darauf. Es gibt ganz viele Verkehrsunternehmen Land auf Land ab, die das ähnlich handhaben wie wir. Das ist im Prinzip ein branchenweites Thema.
SWR Aktuell: Was wollen Sie erreichen?
Feier: Es wäre schön, wenn wir den einen oder die andere dazu bringen, ein bisschen zu reflektieren, mal ein bisschen nachzudenken, darüber, stört mein Verhalten vielleicht andere? Und da geht es ja nicht nur um das Thema Lautstärke, nicht nur um das Thema Musik hören, laut telefonieren. Wir werden mit diesen Durchsagen naturgemäß nicht alle Menschen zu einer Verhaltensänderung bringen, das nicht. Es geht ja auch um andere Sachen: Hinterlasse ich Müll in den Fahrzeugen? Muss ich jetzt unbedingt, wenn ich in der Straßenbahn oder im Bus sitze, meinen Döner essen?
Muss ich jetzt, auch wenn mir vielleicht gerade was querliegt, meinem Unmut immer lautstark Luft machen? Das sind alles Themen, wo wir sagen: In unseren Bussen und Bahnen bitte nicht! Das trägt dann, wenn sich alle ein bisschen am Riemen reißen, auch für alle zum Komfort bei.
Ohne neue Masten Schon bald besserer Handyempfang in der Bahn
Durch eine technische Änderung wird der Handyempfang auf Deutschlands Bahnstrecken Stück für Stück besser. Auf manchen Strecken ist es schon so weit.
SWR Aktuell: Wie kommt das denn an? Gibt es denn schon Rückmeldungen, sei es von den Nutzern oder auch von ihren Fahrern? Denen geht die Lautstärke ja vermutlich auch oft auf den Keks.
Feier: Von den ÖPNV-Nutzern haben wir noch nichts gehört diesbezüglich, aber wir müssen mal schauen. Schön wäre es natürlich, wenn wir feststellen, dass es in den nächsten Monaten die Beschwerdeanzahl etwas runtergeht. Das wäre natürlich toll. Von unseren Kolleginnen und Kollegen haben wir aber durchaus schon die Rückmeldung erhalten, dass sie es grundsätzlich gut finden, dass wir das Thema wieder ansprechen.
SWR Aktuell: Wie werden die Durchsagen eingesetzt?
Aktuell ist es so, dass unsere Fahrerinnen und Fahrer diese Durchsage auf Knopfdruck manuell ausgeben, entweder anlassbezogen oder wenn die Kolleginnen und Kollegen denken, jetzt wird es mal wieder Zeit. Wir gehen da aber auch ein bisschen mit Fingerspitzengefühl ran, weil paradoxerweise - wir hatten es ja eben gerade über das Thema Beschallung - und dann wollen natürlich auch wir unsere Fahrgäste jetzt nicht dauernd beschallen.