Eigentlich will sie doch diejenige sein, die vorne vor der Tafel steht. 38 Jahre arbeitete Svitlana Moshenska als Lehrerin in der Ukraine. Dann griff Russland das Land an. "Ich habe viel geweint", sagt Moshenska. Sie floh mit ihrer Familie nach Deutschland. Jetzt ist sie selbst Schülerin in der Sprachschule im Heinrich-Pesch-Haus.
Viele Geflüchtete in Deutschland müssen lange auf einen Platz im Integrationskurs warten, einem offiziellen Kurs für Geflüchtete. Das Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen bietet Sprachkurse an, bei denen man am Ende kein Zertifikat bekommt. Bei denen man in kleinen Gruppen aber sein Deutsch verbessern kann, kostenlos.
800 Menschen haben im Heinrich-Pesch-Haus Deutsch gelernt
Das Heinrich-Pesch-Haus ist eine Bildungseinrichtung der Diözese Speyer. Seit zehn Jahren gibt es dort Sprachkurse. "Kurz vor der Willkommenswelle im Jahr 2015 hatten wir die Idee, Sprachkurse aufzubauen", sagt Matthias Rugel, der die Kurse seitdem koordiniert. Etwa 800 Menschen haben seitdem dort Deutsch gelernt, schätzt er.
Die Sprachkurse sind für alle Menschen
Die Sprachkurse sind für alle Menschen, sagt Tobias Zimmermann, Leiter des Heinrich-Pesch-Hauses.
Wie zum Beispiel Svitlana Moshenska, 62, die mit ihren zwei Kindern vor dreieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen ist. Sie weint noch immer jeden Tag, sagt sie.
Oder Subriya Negi, 25, die aus Indien nach Deutschland gezogen ist. Sie will bald eine Ausbildung als Krankenschwester anfangen. Abends, nach den Sprachkursen, spricht sie manchmal mit ihrem Freund über neue Vokabeln. "Herausforderungen", "Vorgesetzter" und "verfügbar" lernt sie gerade.
Und da ist ein Mann aus Belarus, der seinen Namen nicht in den Medien sehen will. Weil er Angst hat, dass er vom Staat verfolgt wird. Er war früher Geschäftsmann, reiste manchmal nach Deutschland. Dann musste er hierher flüchten.
Manche müssen erstmal schreiben lernen
Jeden Vormittag und Nachmittag sind etwa drei bis fünf Lehrkräfte da, sagt Rugel. Die Lehrkräfte unterrichten alle ehrenamtlich. Die Schülerinnen und Schüler versammeln sich im Foyer, dann wird eingeteilt, wer auf welchem Sprachniveau ist.
"Da kommt es auch mal vor, dass jemand erst mal Lesen und Schreiben lernen muss, manche kommen bei ihrem anderen Integrationskurs nicht mit, andere haben einfach den Ehrgeiz und wollen bei uns noch mehr üben. Wir hatten auch schon einen blinden Schüler", sagt Rugel.
Manche kommen nur einmal und sind dann wieder weg
"Manche kommen auch ein oder zweimal und sind dann wieder weg", sagt Rugel. Aber das sei auch okay, man wolle nur ein Angebot schaffen, sagt er. Andere ehemalige Schüler unterrichten jetzt selbst einen Sprachkurs oder engagieren sich an anderer Stelle, zum Beispiel bei der Bedürftigenhilfe.
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"Ich mag jede Form von Unterricht", sagt Svitlana Moshenska, die Lehrerin aus der Ukraine. "Aber die Kurse hier sind besonders: Es ist nicht so stressig wie bei den Integrationskursen, man kann viel sprechen, wir haben kleine Gruppen." Und auch in der Freizeit unternehmen die Teilnehmer mal was zusammen, gehen zum Beispiel ins Theater, sagt sie.
Bald steht Svitlana Moshenska wieder vorne vor der Tafel. Im August fängt sie einen Job in einer Grundschul-Kindertagesbetreuung an.