"So ein schöner Tag, ein Tag, ein Tag, sun is shining!", ruft die ver.di Gewerkschaftssekretärin Agathe Hohmann auf der Bühne, passend zum Lied, das vor der Kundgebung aus den Boxen dröhnte. Agathe Hohmann und ihre Kolleginnen und Kollegen von ver.di haben zum Warnstreik und einer Kundgebung in Frankenthal aufgerufen. Etwa 300 Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst sind dem Aufruf gefolgt.
Hohmann und das Party-Lied haben recht: Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut auf dem Hof des Frankenthaler Rathauses. Die Streikenden pfeifen und singen; sie jubeln und schauen hoch, in Richtung Büro des Frankenthaler Bürgermeisters, Nicolas Meyer (FWG).
ver.di fordert: Acht Prozent mehr Lohn, drei Tage mehr Urlaub
Dabei sind die Gründe, warum die Gewerkschaft ver.di zu Warnstreiks aufgerufen hat, nicht so erheiternd: Die Gewerkschaft und ihre Mitglieder fordern bessere Arbeitsbedingungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Konkret: Acht Prozent mehr Lohn, mindestens 350 Euro mehr pro Monat sowie drei Tage mehr Urlaub.
"Ich bin heute das erste Mal bei einem Streik dabei, und mag es eigentlich nicht, Arbeit liegen zu lassen", sagt eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Frankenthal. "Aber wir sind so unterbesetzt, deswegen wollte ich hier zeigen, dass wir für faire Löhne kämpfen". Eigentlich sei die Arbeit toll, sagt sie. Nur die Arbeitsbedingungen eben nicht.
"Das Nicht-Angebot, das die Arbeitgeber abgeliefert haben, ist schlicht eine Frechheit", sagt ein Erzieher aus Frankenthal. "Es ist ein sehr anstrengender Job, die Kinder brauchen es wirklich, dass wir mehr Zeit und Personal haben", sagt eine andere Erzieherin.
ver.di-Warnstreik in Frankenthal: Verständnis für Eltern
Am Donnerstag hatten bereits rund 1.000 Klinikbeschäftigte die Arbeit niedergelegt, unter anderem am Klinikum in Ludwigshafen. Am Freitag haben Mitarbeiter an den Krankenhäusern in Frankenthal, Landau und Worms gestreikt. Auch städtische Kitas in Ludwigshafen und Speyer waren geschlossen.
"Ich verstehe, wenn Eltern sich darüber aufregen, dass sie ihre Kinder heute nicht in die Kita bringen können", sagt eine Erzieherin aus Flomersheim. "Mein Kind geht selbst in die Kita. Aber ich denke, ein paar Tage kann man auch als Eltern irgendwie überbrücken, um sich für etwas Gutes einzusetzen."
ver.di-Warnstreiks für kommende Woche angekündigt
Die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 2,5 Millionen Beschäftigten im Öffentlichen Dienst gehen am 14. März in Potsdam weiter. Verhandelt wird für zahlreiche Berufsgruppen, unter anderem Erzieherinnen, Krankenpfleger, Busfahrer und Feuerwehrleute.
Gewerkschaft zufrieden mit Streiks
"Wir sind zufrieden mit den Streiks heute, es waren viele Kolleginnen und Kollegen hier in Frankenthal", sagt Jürgen Knoll, verdi-Bezirksgeschäftsführer der Pfalz.. Er verteilt am Ende der Kundgebung Dampfnudeln unter den Beschäftigten. Und kündigt an: Kommende Woche geht es weiter. "Wir werden fast jeden Tag streiken, in Kitas, Krankenhäusern, bei der Müllabfuhr und dem ÖPNV", sagt Knoll. "Wir zeigen den Arbeitgebern: So gehts nicht!"