Am Vormittag steht Studentin Annika Birk im Foyer der TH Bingen vor Fotograf Thomas Brenner. Sie zeigt die sogenannte "Pommesgabel" mit ihrer Hand. Eine Geste, die vor allem gerne in der Metal- und Rock-Szene gezeigt wird. Sie grinst und es fällt auf: Sie will mit ihrem Foto für das Projekt "Demokratie – Akzeptanz – Vielfalt" auffallen.
Birk erzählt, dass sie mit ihrem Plakat gerne "Leute aus der Reserve locken" will. "Und zeigen, dass jeder einzelne etwas bewirken kann, indem er einfach nur da steht und sagt: Wir wollen unsere Demokratie behalten!"
Von Studierenden bis ältere Menschen - großer Zulauf bei Fotoaktion
Genau darum geht es bei der Mitmach-Aktion der TH Bingen, die unter dem Motto "Dein Gesicht für Demokratie!" steht. Sie richtet sich nicht nur an die Studierenden in Bingen, sondern an alle Menschen, die sich für ein gutes Miteinander und für Demokratie einsetzen möchten.
So bildet sich bereits am Vormittag eine kleine Warteschlange. An der Hochschule lassen sich an diesem Dienstag nämlich nicht nur Studierende oder Beschäftigte der TH fotografieren, sondern auch andere Menschen aus Bingen und der Umgebung. Zum Beispiel die 78-jährige Roswitha Nerius. "Ich möchte auch zeigen, dass ich für die Demokratie einstehe. Ich kann zwar nicht mehr auf Demos gehen. Dafür ich bin schon zu alt", sagt sie lachend. "Aber das ist eine Aktion, wo ich zeigen kann: Ich bin dafür."
Begleitet wird Nerius von Sozialarbeiterin Astrid Spengler. Auch sie hat sich fotografieren lassen und wollte so ebenso ein Zeichen für Demokratie setzen.
"Gerade in unseren Zeiten, wo das alles so unsicher geworden ist und sich Parteien breit machen, die die Demokratie nicht mehr als so wichtig empfinden, ist es für mich ganz wichtig, mal zu sagen: Ich stehe dazu und bin eine Demokratie-Enthusiastin."
Demokratie-Aktivist oder Demokratie-Gestalterin?
Neben den Fotos müssen sich die Menschen in Bingen nämlich noch einen Begriff aussuchen, der dann gemeinsam mit ihrem Bild auf das Plakat kommt: Zur Auswahl stehen zum Beispiel Demokratie-Fan, Demokratie-Aktivist oder Demokratie-Gestalterin. Aber auch eigene Begriff-Kombinationen sind möglich.
Sajad Jamal Esfarjani Nejad hat sich zum Beispiel für das Wort "Integration" entschieden. Er erzählt, dass er 2011 aus dem Iran nach Deutschland geflohen ist. Mittlerweile habe er die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitet als Doktorand an der TH Bingen. "Wir haben eine multikulturelle Gesellschaft und in der aktuellen Situation ist es wichtig, dass wir die Demokratie mit Integration verbinden."
Brenner hat mit seiner Aktion schon 3.000 Menschen fotografiert
Hinter der Foto-Aktion in Bingen steckt Fotograf Thomas Brenner aus Kaiserslautern. Seit März 2024 ist er mit seinem Projekt "Demokratie – Akzeptanz – Vielfalt" unterwegs und hat mittlerweile rund 3.000 Menschen in Rheinland-Pfalz fotografiert. Zu den Aktionen komme - wie am Dienstag in Bingen - oft ein Querschnitt der Gesellschaft. "Was sehr gut ist", sagt Brenner.
Gerade vor der Bundestagswahl in knapp vier Wochen sei aber sein Projekt wieder brandaktuell. "Jetzt machen sich die ganzen Leute Gedanken, ob sie wählen gehen oder nicht. Und ich glaube, jedes Statement, was wir machen können zur Demokratie, ist jetzt extrem wichtig."
Plakate sollen noch vor der Bundestagwahl aufgehängt werden
Die Technische Hochschule Bingen ist mit der Resonanz der Aktion mehr als zufrieden. "Es ist Wahnsinn", sagt Sprecherin Jessica Pleiner. "Mich macht besonders glücklich, dass die Menschen sagen: Es ist mir wichtig, mich für diese Werte einzusetzen." Schließlich stehe auch die TH für Werte wie Demokratie, Akzeptanz und Toleranz.
Die ersten Demokratie-Plakate aus Bingen sollen laut Pleiner auf jeden Fall noch vor der Bundestagwahl aufgehängt werden: An Bauzäunen, Bushaltestellen, aber natürlich auch auf dem Campus der Hochschule.