Am Freitagabend klingelte das Telefon bei Gartenbauer Hamdi Humolli in Nieder-Olm. Dran war ein Nachbar von der landwirtschaftlichen Halle in Mainz-Bretzenheim, die er für sein Gartenbau-Unternehmen nutzt.
Die Halle sei gerade mit Graffiti besprüht worden, teilte der Nachbar ihm mit. Hamdi Humolli fuhr hin. Die Polizei war auch schon eingetroffen - und hatte sogar die Täter bereits geschnappt.
Graffiti auf Halle in Mainz-Bretzenheim muss erstmal bleiben
Drei junge Männer waren wohl verantwortlich für den Vandalismus an der Halle, erzählt Hamdi Humolli. "So ein Stress kurz vorm Urlaub, das braucht man echt nicht", sagt er. Die Sachbeschädigung muss der Versicherung gemeldet werden, er braucht einen Kostenvoranschlag von einem Maler.
Am meisten ärgert Humolli aber, dass er den Schriftzug noch stehen lassen muss, bis mit der Versicherung alles geklärt ist. "Am liebsten würde ich selbst direkt drüber streichen", so Humolli.
Graffiti ohne Erlaubnis ist grundsätzlich Sachbeschädigung
Diese Art von Graffiti sei eine politische Botschaft, ordnet Dominik Mahr ein. Er ist Experte für Street-Art in Mainz. Bei Stadtführungen zeigt er die schönsten Werke und klärt über die Hintergründe von Street-Art und Graffiti auf.
Der Person, die da in Bretzenheim "Antifa" an die Wand gesprüht habe, sei es wahrscheinlich nicht wichtig gewesen, dass der Schriftzug eine gewisse Kunstfertigkeit hat. "Das ist einfach eine Message im öffentlichen Raum. Der Schriftzug soll wohl aussagen: Hier ist Antifa-Gebiet", erklärt Dominik Mahr. Grundsätzlich sei eigentlich jedes Graffiti oder Street-Art-Werk, das ohne Erlaubnis angebracht werde, Sachbeschädigung.
Polizei: Mehr als 500 Graffiti-Sachbeschädigungen im Raum Mainz
In der Kriminalitätsstatistik der Polizei wird Graffiti unter dem Überbegriff "Sonstige Sachbeschädigung auf Straßen, Wegen oder Plätzen" geführt. Im Jahr 2024 hat es laut Landeskriminalamt im Bereich des Polizeipräsidiums Mainz 554 Sachbeschädigungen durch Graffiti gegeben.
Wie sehr fällt das Graffiti oder die Street-Art dem Betrachter ins Auge? Das kann auch ein Kriterium für die Bewertung sein, ob etwas als Vandalismus wahrgenommen wird.
Dominik Mahr sagt, häufig komme es auch auf die Art und Größe des Graffitis oder der Street-Art an. "Wenn man ein riesiges Graffiti ohne Erlaubnis an eine Hauswand macht, ist das eine Sache", so Mahr. Ein schöner, kunstvoller Sticker an einem Fallrohr hingegen sei zwar auch Sachbeschädigung, aber in einer Form, die vielleicht auf mehr Akzeptanz stoße.
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Urbane Kunst im Mainzer Stadtbild
Street-Art gibt es in Mainz überall zu entdecken, erzählt Dominik Mahr. Im Tunnel in der Nähe des Hauptbahnhofs ist fast an jeder Stehle, an jedem Pfosten, an jeder Wand ein kleines Kunstwerk versteckt. Besprühte Schallplatten, minikleine Vogelhäuschen, bunte Fliesen und jede Menge Aufkleber mit ganz unterschiedlichen Motiven - viele Künstler ließen sich von Gegenständen oder auch besonderen Materialien inspirieren. "Unsere Intention als Street Artists ist, dass wir etwas Positives in die Welt senden wollen. Das ist unsere Stadt und wir möchten die auch mitgestalten", erklärt Mahr.
Street-Art sei nie destruktiv und solle die Menschen auch nicht nerven. Im Gegenteil - sagt Dominik Mahr: Sie soll ihnen gefallen. Kunst - ohne Eintrittskarte - einfach im öffentlichen Raum.
Die Menschen sollen Street-Art-Kunstwerke sehen und denken: "Oh, das ist schön". Uns ist das Gestalten im Positiven sehr, sehr wichtig.
Ollohof in der Mainzer Neustadt - ein Mekka für Street-Art
In Perfektion lässt sich das im sogenannten Ollohof in der Mainzer Neustadt bestaunen. Der Innenhof mit der dazugehörigen Einfahrt ist ganz offiziell von den Eigentümern, zwei Architekten aus Mainz, für die urbane Kunst freigegeben.
Hier sind bereits die unterschiedlichsten Werke entstanden - Sprühkunst vom Mainzer Graffiti-Künstler Leif.Lines, ein riesiges Wand-Bild der international bekannten Künstlerin Hera aus Frankfurt, und auch die traurige Maria und eins der bekannten Mainzer Monster haben ihren Weg in den Ollohof gefunden.
Street Art-Künstler in Mainz arbeiten gerne im Verborgenen
Um die Mainzer Street Art weiter zu fördern, hat Dominik Mahr "Loving Mainz" gegründet - Kürzel: LVNG MNZ - ein Label für urbane Kunst aus Mainz. Er und seine Partnerin Agnieszka sind selbst Street Artists und mit ihrer Kunst in Mainz vertreten. Was genau sie machen, wollen sie aber nicht verraten.
Das Geheimnisvolle, Mysteriöse ist sicherlich auch etwas, das Street Art faszinierend macht. "Die meisten von uns arbeiten ja im Verborgenen und wollen eigentlich auch nicht, dass man ihre Identität kennt," sagt Dominik Mahr schmunzelnd.