Von Videoüberwachung bis Sicherheitspersonal

Wie Kommunen in RLP sich gegen Vandalismus schützen

Schmierereien an Hauswänden, eingeworfene Fensterscheiben oder ausgerissene Bäume - Vandalismus kennt viele Formen. Wir erklären, wie Kommunen in Rheinland-Pfalz dagegen vorgehen.

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Von Autor/in Christina Nover, Lara Dudek, Maren Kaps

Zwar gehen die Zahlen insgesamt zurück, trotzdem hat die Polizei im vergangenen Jahr Tausende Fälle von Sachbeschädigung auf Straßen, Wegen oder Plätzen in Rheinland-Pfalz bearbeitet. Das teilt das Landeskriminalamt mit. Danach wurden mehr als 9.000 Ermittlungsverfahren abgeschlossen, die meisten davon im Polizeipräsidium Koblenz - nämlich rund 3.500.

Hohe Schäden durch Vandalismus in RLP

Wie hoch die Schäden durch Vandalismus insgesamt sind, geht aus den Zahlen nicht hervor. Von den größeren Städten heißt es jedoch unisono, dass Sachbeschädigungen im öffentlichen Raum ein großes Ärgernis sind. Demnach entstehen durch Reinigungs- und Reperaturarbeiten mitunter hohe Kosten.

Am Regionalbahnhof in Wissen summieren sich die Ausgaben, die durch Vandalismus nötig werden, nach Angaben der Ordnungsbehörde beispielsweise auf rund 10.000 Euro pro Jahr. Auch am Bahnbetriebswerk in Trier-Nord, wo Züge geparkt und gewartet werden, kommt es jährlich unter anderem durch Graffiti zu Schäden von mehreren tausend Euro. In der gesamten Stadt Mainz sind es jedes Jahr sogar um die 88.000 Euro, die fürs Beseitigen von Vandalismus-Schäden an öffentlichen Gebäuden anfallen.

Doch was tun gegen Graffiti und andere Sachbeschädigungen? Hier gehen Kommunen unterschiedliche Wege.

Wirksamkeit von Videoüberwachung ist umstritten

In Stadecken-Elsheim (Kreis Mainz-Bingen) möchte der Ortsbürgermeister nach einer massiven Häufung von Vandalismus gerne Überwachungskameras aufhängen. Dies ist aufgrund von Datenschutzauflagen jedoch ein schwieriges Unterfangen und sollte nach Ansicht des Datenschutzbeauftragten des Landes, Dieter Kugelmann, eher als allerletzte Maßnahme gesehen werden. Vor allem, da die Wirksamkeit von Videoüberwachung stark umstritten ist, wie der Landesdatenschutzbeauftragte in seiner Orientierungshilfe für die Videoüberwachung in Kommunen wissen lässt.

Trotzdem setzen Städte in Rheinland-Pfalz vermehrt darauf. In Mainz wurden beispielsweise zum Johannisfest in diesem Jahr temporär Flächen in der Innenstadt videoüberwacht. In Ludwigshafen gibt es zudem ein bundesweit einmaliges Videoüberwachungsprojekt, das gegen illegale Müllablagerungen helfen soll.

Ein Hinweisschild zur Videoüberwachung bei der Mainzer Johannisnacht in der Innenstadt
Ein Hinweisschild zur Videoüberwachung bei der Mainzer Johannisnacht in der Innenstadt.

Auch in Neuwied erhofft man sich durch Videoüberwachung eine Verbesserung der Lage. Hier wird aktuell der Einsatz von Kameras an den Toilettenanlagen in der Innenstadt geprüft. Nach Angaben des Beigeordneten der Stadt, Ralf Seemann, hat man dort schon seit Jahren mit Vandalismus zu kämpfen. Die Schäden reichen demnach von Verschmutzungen und Schmierereien bis hin zur Beschädigung von Waschbecken und Toilettenschüsseln. Auch seien Schlösser immer wieder mutwillig zerstört worden.

"Vor eineinhalb Jahren hat man uns eine Toilettenanlage im Prinzip in die Luft gesprengt, indem man Böller in die Toilettenschüssel gestopft hat" berichtet Seemann von einem besonderes schweren Fall von Vandalismus. Danach habe man die Anlage mehrere Wochen sperren müssen. Nun will die Stadt in einer einjährigen Testphase an drei Standorten Kameras aufhängen, um herauszufinden, ob sie dem Vandalismus so Herr werden können. Die Investitionskosten liegen dafür laut Stadtverwaltung bei 48.000 Euro.

Private Sicherheitsdienste und mehr Polizeistreifen

Es gibt aber auch andere Ansätze, die Neuwied verfolgt, um Sachbeschädigungen zu verhindern. Beispielsweise wird ein privater Sicherheitsdienst eingesetzt, der in den städtischen Gebäuden und Einrichtungen regelmäßig nach dem Rechten sieht.

In Andernach gibt es nach Angaben der Stadt seit Kurzem regelmäßig gemeinsame Kontrollen von Polizei und Vollzugsdiensten im Stadtgebiet. Dabei sollen insbesondere "jugendtypische Straftaten, wie Körperverletzungen, Eigentums- und Sachbeschädigungsdelikte, präventiv verhindert" werden.

RLP

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Auch in Trier setzt die Bundespolizei auf verstärkte Kontrollen in Hotspots, die zum Beispiel bei Graffiti-Sprayern beliebt sind, wie das Bahnbetriebswerk in Trier-Nord. Neben verstärkten Kontrollen wäre eine Videoüberwachung hier sicherlich hilfreich, so Stefan Döhn von der Bundespolizei Trier. Bislang gibt es diese aber noch nicht.

Mit Moos, Holz und Kletterpflanzen gegen Graffiti

Mit Beratungen versuchen die Beamten der Zentralen Prävention des Polizeipräsidiums Trier dem Vandalismus entgegenzuwirken. Vor Ort geben sie zum Beispiel Gewerbetreibenden Tipps, wie sie ihre Fassaden für Sprayer unattraktiv machen.

Legale Flächen beugen illegalen Graffiti vor.

Bei kleineren Flächen würden Lacke und Folien helfen, sagt Marc Powierski von der Zentralen Prävention. Aber auch mit Fassadenbegrünung, eingearbeiteten Insektenhotels oder Holzfassaden könne man viel erreichen. Schließlich gehe es den Sprayern darum, sich mit den Graffiti einen Namen zu machen. Eine Kletterpflanze oder Mooswände würde man nicht besprühen.

Legale Flächen für Sprayer können helfen

In legalen Graffiti-Flächen sieht Sozialpädagogin Ines Jacoby vom Jugendzentrum auf der Höhe Trier eine weitere wichtige Maßnahme: "Legale Flächen beugen illegalen Graffiti vor". Das sind Flächen, die von der Stadtverwaltung freigegeben werden und bei denen mit einer Erlaubnis der Stadtjugendpflege gesprüht werden darf. In Trier gibt es um die 20 Orte, an denen das möglich ist. Das sind zum Beispiel Brücken- und Einsenbahnunterführungen. Auch andere Städte wie Mainz, Koblenz und Landau bieten solche Flächen an.

Die Bahnunterführung Kürenzer Straße
Die Bahnunterführung Kürenzer Straße/ Schönbornstraße zählt zu den Flächen, die von der Stadt fürs Sprayen freigegeben sind. Ideen für weitere legale Graffiti-Flächen nimmt die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben entgegen.

Auch konsequentes Anzeigen von Beschädigungen kann eine Möglichkeit sein, Vandalismus vorzubeugen. Die Theorie dahinter: Wenn Tätern bewusst wird, dass selbst "Kleinigkeiten" zur Anzeige gebracht werden und mitunter hohe Strafen nach sich ziehen können, sehen sie eventuell von weiteren Taten ab. So hat etwa die Stadt Landau Strafanzeige wegen beschmierter Plakate einer Demokratie-Aktion erstattet.

Graffiti-Beauftragte in Koblenz bringt jede Schmiererei zur Anzeige

In Koblenz gibt es seit vielen Jahren schon einen Graffiti-Beauftragten - beziehungsweise eine -Beauftragte, die jede Schmiererei erfasst. Auch Bürger können sich bei ihr melden, wenn ihnen neue Graffitis auffallen. Im Jahr werden laut Stadt rund 10.000 Anzeigen verfasst. Die Anzeigen haben aber auch einen ungünstigen Nebeneffekt: Die Stadt Koblenz landet so seit Jahren im Kriminalitätsranking auf einem der oberen Plätze.

Weiterer Wermutstropfen in Sachen Anzeigen: die Aufklärungsquote gegen Unbekannt lag laut Landeskriminalamt im vergangenen Jahr bei etwa 18 Prozent. Einigen ist diese Erfolgsrate zu niedrig. So sagt beispielsweise der Ortsbürgermeister von Stadecken-Elsheim, Thomas Barth (CDU), zum Thema Vandalismus: "Ich stelle keine Anzeigen mehr, weil regelmäßig die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellt."

Pfalz

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Knallbunte Schriftzüge an Hauswänden, Schmierereien an Bahnhöfen: Graffiti sind überall und prägen die Städte. Aber sie sind teilweise illegal und kosten die Kommunen viel Geld.

Einzelne Täter für viele Fälle verantwortlich

Dass Ermittlungen aber auch Früchte tragen können, zeigt ein Fall aus Andernach. Hier kam es laut Stadt 2024 zu einer Sachbeschädigungs-Serie durch Graffiti-Schmierereien an Hauswänden im Bereich der Stadtverwaltung. Durch die Polizei konnten demnach zwei Tatverdächtige ermittelt werden. Seitdem seien die Graffiti-Zahlen statistisch unauffällig.

Schutz vor Vandalismus durch Vorplanung

In Städten wie Pirmasens zählt es inzwischen zu den Grundsätzen bei Neu- oder Umgestaltungen im öffentlichen Raum, Mobiliar und Installationen möglichst sicher vor Vandalismus zu konzipieren. So werden Objekte etwa fest im Boden verankert. Außerdem kommen vielerorts auch spezielle Nanobeschichtungen auf Außenmauern zum Einsatz, die eine unkomplizierte Entfernung von Graffiti ermöglichen.

Bushaltestelle in Pirmasens, deren Rückseite von Kita-Kindern gestaltet worden ist
Bushaltestelle in Pirmasens, deren Rückseite von Kita-Kindern gestaltet worden ist.

Pirmasens achtet außerdem nach eigenen Angaben auf die Einbindung der Menschen in der Stadt: Workshops mit Kindern und Jugendlichen aus Kindertagesstätten oder im Rahmen von Initiativen wie "Demokratie leben!" führen dazu, dass Bushaltestellen künstlerisch gestaltet werden und kreative Rückwände nunmehr die vormals häufig demolierten Glasscheiben ersetzen. Auch mit Mosaikgestaltung an öffentlichen Treppen und Verschönerungsaktionen an Parks sollen Menschen einen stärkeren Bezug zu ihrem Umfeld bekommen und so mutwillige Zerstörung eingedämmt werden.

Kreative Ansätze gegen Vandalismus

In Trier wird auch mit Jugendlichen zusammengearbeitet. Wie Ines Jacoby vom Jugendzentrum in Trier berichtet, ist bereits ein Unternehmen aus Trier auf das Zentrum zugekommen und habe die Jugendlichen eine Fassade gestalten lassen, sagt die Pädagogin. Bei solchen Aktionen könnten sich die Jugendlichen kreativ ausleben, ohne dabei eine Straftat zu begehen und sich in Gefahr zu bringen.

Nicht nur Graffiti sind ein Problem in vielen Städten, sondern auch Aufkleber - vor allem in Fußballhochburgen wie Kaiserslautern und Mainz. Gute Ideen, um Vandalismus zu verhindern, kommen zum Teil auch aus den Reihen der eigenen Fans. So verteilt beispielsweise ein junger FCK-Fan seit der letzten Saison magnetische Pins, die er in seinem 3D-Drucker ausdruckt.

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