Normalerweise sieht man im VIP-Bereich der Mainz 05-Arena eher Sponsoren oder Manager. Am Mittwochabend sind es aber etwa 80 Eltern mit ihren besonderen Kindern.
Sie alle wollen Jürgen Klopp sehen. Den Mann, der Mainz 05 in die Bundesliga geführt hat, Trainer von Borussia Dortmund und FC Liverpool war und jetzt Manager für die Fußballmannschaften von Red Bull ist.
Jürgen Klopp: Ein Abend für die Eltern mit ihren besonderen Kindern
Aber um Fußball geht es an diesem Abend gar nicht. "Ich bin heute Abend hier, damit die Kinder und die Eltern Aufmerksamkeit bekommen, dass sie sich gesehen fühlen, dass sie sich gewertschätzt fühlen", sagt Jürgen Klopp dem SWR.
Andreas Kramer vom Mainzer "Wundertütennest" hat diesen "Mutmacher-Abend" organisiert. "Andreas hat irgendwo meine Handynummer her und hat mir eine Nachricht geschickt, da musste ich einfach kommen", lacht Jürgen Klopp.
Lachen und Selfies mit Jürgen Klopp
Bevor Jürgen Klopp auf die Bühne im VIP-Bereich der Mewa-Arena geht, begrüßt er die Eltern mit Handschlag. Zu jeder Mutter, zu jedem Vater geht er hin und redet mit ihnen. Jürgen Klopp spricht auch die Kinder an und lacht mit ihnen.
Der dreijährige Silas und seine Mutter Hannah Eckhoff Heisser sind auch da. Silas hat Spinale Muskelatrophie. Das ist eine Genkrankheit, bei der die Nerven die Befehle nicht an die Muskeln weiterleiten. Silas leidet daher an Muskelschwäche.
Eltern leiden unter dem Kampf mit den Behörden
Er ist auf Rollstühle angewiesen, Physiotherapie und spezielle Schuhe. Die Hilfsmittel muss Hannah Eckhoff Heisser bei den Ämtern beantragen. Jedesmal müsse sie einen Berg an Formularen bearbeiten, manchmal dauere es Monate bis etwas genehmigt werde, erzählt sie.
Ich empfinde es oft so, dass unterstellt wird, dass ich Privilegien rausholen möchte, aber ich möchte doch nur, dass Silas am Leben teilnehmen kann.
Es sei immer ein Kampf für das Kind und dazu habe sie Angst um Silas, da sie nie wisse, was die Zukunft bringt. Es komme ihr so vor, als ob die Leute denken, dass sie nur Privilegien rausholen wolle. Dabei gehe es doch nur darum, Silas zu ermöglichen, in den Kindergarten zu gehen, eben am Leben teilzuhaben.
Größter Fan von Jürgen Klopp: Die fünfjährige Antonia
Viele solcher Erlebnisse hört Jürgen Klopp an diesem Abend. Er sitzt auf der Bühne zwischen ZDF-Sportmoderator Sven Voss und Andreas Kramer. Die fünfjährige Antonia weicht Jürgen Klopp nicht mehr von der Seite. Er hat sie einfach auf seinen Schoss genommen.
Ein Vater erzählt, wie er verzweifelt ist, weil sein Sohn dauerhaft Sauerstoff braucht und er jemanden gesucht hat, der das im Kindergarten übernimmt. "Unser Kind wird immer Hilfe brauchen", sagt er, "das kostet Kraft und die will ich nicht bei den Kämpfen mit den Behörden vergeuden."
"Inklusion wird nicht gelebt"
Antonias Mutter geht noch einen Schritt weiter: '"Inklusion ist nicht in den Köpfen, die geplanten Kürzungen im sozialen Bereich zeigen, dass Inklusion nicht beachtet wird."
Und ein Vater spricht aus, was viele Eltern behinderter Kinder denken: "Ich will nicht mehr von anderen hören, ich sei so stark für mein Kind, ich will nicht immer bergauf kämpfen."
Jürgen Klopp verspricht inklusiven Spielplatz
"Das kann doch nicht wahr sein, dass ihr um alles kämpfen müsst", sagt Jürgen Klopp. "Wie wir mit den Schwächsten umgehen, definiert uns als Gesellschaft", stellt er fest. Die Behörden müssten schneller helfen. Der Initiative Wundertütennest verspricht er, sich darum zu kümmern , dass ein inklusiver Spielplatz in Mainz-Gonsenheim gebaut wird.
Wie wir mit den Schwächsten umgehen, definiert uns als Gesellschaft.
Und er sagt etwas, was alle berührt: "Wisst ihr, bei mir sieht es immer so aus, als ob alles super läuft. Aber das ist nicht wahr. Ich habe auch Probleme und ich bin auch mal in einem Tief", gesteht er.
"Jürgen Klopp hat Mut gemacht"
Eine Stunde reden die Eltern mit Jürgen Klopp. Danach bekommen die Kinder einen kleinen Fußball mit seinem Autogramm. Die meisten Eltern müssen jetzt gehen, weil ihre Kinder müde sind.
Auch die siebenjährige Julia will jetzt nach Hause. Ihr Vater Sebastian Ziegler nimmt sie an die Hand und sagt: "Bei Jürgen Klopp hat mir gut gefallen, dass auch er gesagt hat, dass er schwierige Zeiten hat. Wenn Starke Schwäche zeigen, dann macht das Mut."