Die Aufregung war Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) deutlich anzumerken. "Ich hoffe, es gibt keinen Wind und alles klappt so, wie wir uns das vorgestellt haben", sagte sie. Heute sei ein historischer Tag für Mainz. Der Grund: Die frühere Kirche St. Christoph bekommt rund 80 Jahre nach der Zerstörung wieder eine Turmspitze.
St. Christoph bei Bombenangriffen zerstört
Jahrhundertelang war die Kirche St. Christoph eines der markantesten Wahrzeichen von Mainz gewesen - bis sie bei Luftangriffen zerstört wurde. Die Ruine wird als Mahnmal gegen den Krieg mitten in der Mainzer Innenstadt erhalten - eine Gedenkstätte für die Kriegsopfer.
Spenden für neue Spitze gesammelt
80 Jahre lang stand der Turm der früheren Kirche ohne Spitze da - das sollte sich nun ändern. Der Verein "Initiative St. Christoph", der sich schon lange maßgeblich dafür einsetzt, dass die Gedenkstätte erhalten bleibt, hatte Spenden gesammelt. Mehr als drei Millionen Euro kamen zusammen, um St. Christoph einen neuen "Turmhelm" zu verschaffen.
Mit Hilfe eines riesigen Krans wurde der Plan nun in die Tat umgesetzt: Die fast 20 Meter hohe und knapp 15 Tonnen schwere Turmspitze aus Stahl wurde am Dienstag in die Luft gehievt und in Millimeter-Arbeit auf den Turm gesetzt. Als klar war, dass alles geklappt hat, brandete unter den vielen Schaulustigen auf dem Karmeliterplatz Applaus auf.
Symbolhaftes Zeichen der Erinnerung
Die Mainzer Baudezernentin ist erleichtert. "Das war jetzt wirklich spannend," sagt Marianne Grosse. "Dass das Einsetzen so perfekt funktioniert hat, ist ganz toll." Die neue Turmspitze besteht aus Stahl, und weist große Lücken auf - mit Absicht, wie Grosse betont. Es soll nur eine symbolhafte Rekonstruktion sein. Die Kirche sei im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, in dem Deutschland selbst der Aggressor war, so Grosse.
Man soll spüren, dass wir Dinge aus der Geschichte reflektiert haben.
Neue Aussichtsplattform mit Blick auf Mainz
Neben der Turmspitze erhält St. Christoph auch eine Aussichtsplattform. Die soll Besucherinnen und Besuchern einen ganz neuen Blick auf Mainz ermöglichen - allerdings nur im Rahmen von Führungen.
Es fehlt jedoch noch eine Wendeltreppe, um auf die Plattform hochzukommen. Wenn die eingebaut ist, soll es nach Angaben von Marianne Grosse aber schon bald mit den Führungen losgehen.