Für die AfD war die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ein großer Erfolg: Nach dem vorläufigen Endergebnis erreichte die Partei 19,5 Prozent der Landesstimmen. Dieses Ergebnis überrascht den Politikwissenschaftler Kai Arzheimer nicht. "In den Umfragen hatte es sich ja so abgezeichnet", sagt Arzheimer, der Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist.
Außerdem bewege sich das Ergebnis im Rahmen dessen, was man bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr schon gesehen habe.
AfD: Stark auf dem Land - schwach in der Stadt?
Auffällig dabei ist, dass die AfD z.B. in der Westpfalz Ergebnisse weit über dem Landesschnitt eingefahren hat. In der Landeshauptstadt Mainz jedoch nur von 7,6 Prozent der Menschen gewählt wurde. Doch um ein klassisches Stadt-Land-Gefälle handelt es sich laut Kai Arzheimer nicht.
Wieder ein blauer Fleck im Westen Landtagswahl RLP: AfD gewinnt in der Westpfalz stark dazu
Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat die AfD ihr Ergebnis mehr als verdoppelt – besonders in der Westpfalz.
So gebe es z.B. auch ländliche Regionen, in denen sich die AfD schwer tue. Zum Beispiel in der Eifel, im Trierer Raum. "In den alten CDU-Hochburgen gibt es noch dieses ländlich-katholisch-konservative Milieu", erklärt der Politikwissenschaftler Arzheimer. Das sei weiterhin relativ resistent gegenüber der AfD.
Strukturwandel kann Wahlentscheidung beeinflussen
Andererseits sei die AfD in Städten wie Ludwigshafen und Kaiserslautern stark. "Das sind die alten industriellen Zentren, die zum Teil seit Jahrzehnten im Strukturwandel sind". Auch Pirmasens zählt Kai Arzheimer dazu - hier hat die AfD ihr bestes Ergebnis eingefahren und mit 32,1 Prozent sogar die meisten Stimmen aller Parteien bekommen.
Es hängt vieles davon ab, welche Leute in den einzelnen Regionen wohnen.
Bei der Unterstützung der AfD hänge vieles damit zusammen, welche Leute in den Regionen wohnen. "Eine Stadt wie Mainz ist natürlich anders aufgestellt als eine Stadt wie Ludwigshafen, obwohl der Größenunterschied gar nicht so riesig ist."
Ludwigshafen und Mainz unterscheiden sich deutlich
Ludwigshafen ist nach Einschätzung von Arzheimer eine alte Arbeiterstadt - mit allen Problemen, die damit verbunden sind. "In Mainz ist die Wählerschaft sehr jung, gut gebildet und verdient auch ganz gut."
AfD-Erfolg bei Jungwählern AfD auf Platz eins bei Wählern unter 25 Jahren: Analyse nach der Landtagswahl
Emotionale Zuspitzung im Netz und gesellschaftliche Akzeptanz: die AfD festigt ihre Position bei jungen Menschen, die der Partei auch immer mehr zutrauen, ihre Probleme zu lösen.
Generell scheinen das Einkommen der Menschen und die Zukunftsperspektiven eine große Rolle bei der Wahlentscheidung zu spielen. Nach wie vor sei ein Motiv, die AfD zu wählen, die Ablehnung von Zuwanderung. "Und das verbindet sich mit Ängsten vor dem sozialen Abstieg", so Kai Arzheimer.
Menschen in Mainz sind optimistischer
Dass die AfD in der Landeshauptstadt Mainz nicht so erfolgreich ist wie anderswo im Land, lasse sich also auch damit erklären, dass solche Ängste weniger verbreitet sind. Das sieht auch der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) so. "Dort, wo Menschen optimistisch in die Zukunft schauen, haben Extremistinnen und Extremisten weniger Zulauf", sagt Haase.
Die Landtagswahl habe außerdem gezeigt, dass die Mainzerinnen und Mainzer die demokratische Mitte als sinnvolle Problemlöser identifiziert hätten.
VG Eich: Frühere Hochburg der SPD wählt jetzt AfD
Auch im Mainzer Umland liegen die Werte der AfD unter dem Landesschnitt. Doch je weiter man nach Süden schaut, umso mehr steigen die Prozentzahlen. So kam die AfD in der Verbandsgemeinde Eich im Landkreis Alzey-Worms auf die meisten Stimmen - und zwar wählten 28 Prozent die Partei. Auch hier scheint "Unzufriedenheit" eine Erklärung zu sein. Das berichtet Verbandsbürgermeister Maximilian Abstein (parteilos).
Die VG Eich sei mal eine sozialdemokratische Hochburg gewesen. Viele Menschen arbeiteten bei Opel oder BASF. Bei der Landtagswahl habe offenbar eine Wählerwanderung von der SPD zur AfD stattgefunden - aus Frust über die Politik der Bundesregierung, schätzt Abstein. "Die Leute haben Existenzängste. Und da wählt man im Zweifel Parteien, die in Aussicht stellen, dass quasi 'die gute alte Zeit' wiederkommt."
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Starke Zivilgesellschaft in Mainz
Wo sich Menschen abgehängt fühlten, da habe die AfD leichtes Spiel, schlussfolgert auch Politikwissenschaftler Kai Arzheimer. Er stellt jedoch auch noch einen weiteren Unterschied zwischen Mainz und so manchen ländlicheren Regionen fest: In Mainz gebe es eine starke Zivilgesellschaft - mit vielen Vereinen, die gut vernetzt seien. "Die mobilisieren auch immer wieder gegen die AfD."