AfD-Erfolg bei Jungwählern

AfD auf Platz eins bei Wählern unter 25 Jahren: Analyse nach der Landtagswahl

Emotionale Zuspitzung im Netz und gesellschaftliche Akzeptanz: Die AfD festigt ihre Position bei jungen Menschen, die der Partei auch immer mehr zutrauen, ihre Probleme zu lösen.

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Von Autor/in Mathias Zahn , Sebastian Grauer, Götz Kohlmann

Der Griff zum Smartphone nach dem Aufwachen ist längst Reflex: Ein kurzes Scrollen durch den Feed, drei Klicks in die Story, ein Blick auf die neuesten Trends. Für junge Erwachsene ist Social Media kein bloßer Zeitvertreib mehr, sondern die primäre Informationsquelle und hier entscheidet sich zunehmend, wo sie bei der nächsten Wahl ihr Kreuz setzen.

AfD profitiert von Algorithmen

Die AfD profitiere vom Mechanismus der Algorithmen, die Empörung belohnen, sagt die Politikwissenschaftlerin Anna-Sophie Heinze von der Universität Trier. In den sozialen Medien zählt, was Klicks bringt. Schnelles Wecken von Emotionen mit zugespitzten Botschaften. "Die AfD hat es geschafft, ihre politischen Positionen, anders als die anderen Parteien, mit einfacheren, emotional aufgeladeneren Posts über Social Media zu bespielen", sagt Heinze im SWR-Interview.

Das Ergebnis bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl: 21 Prozent der Wähler unter 25 Jahren stimmten für die AfD. Das ist Platz eins knapp vor der SPD (20 Prozent) in dieser Wählergruppe. Nur bei den Erstwählern liegt die SPD knapp vor der AfD.

Thema Bildung im Wahlkampf mit Migration verknüpft

Im rheinland-pfälzischen Landtagswahlkampf sei beispielsweise ein klassisches Jugendthema die Debatte um die Bildungspolitik gewesen, so Heinze. Der AfD sei es gelungen, das mit ihrem Kernthema Migration zu verbinden.

Die Position der Partei sei dann gewesen: An den Schulen laufe es so schlecht, weil es dort immer mehr Kriminalität gebe, wegen zu viel Migration, sagt Heinze, die seit Jahren zum Thema Jugend und Rechtsextremismus forscht.

"Die Strategie geht eher auf, wenn es reale Defizite gibt." Das seien dann auch einfache Botschaften, die sich im Netz schnell verbreiteten und bei jungen Menschen ankommen. "Diese Botschaften greifen dann diese Ängste aber nicht nur auf, sondern verstärken diese auch."

AfD ist auch bei jungen Wählern etabliert

Politikwissenschaftlerin Heinze sagt, die AfD profitiere aber auch von einer generellen Normalisierung. Das rechtsextreme Stigma trete in den Hintergrund. "Die Partei wird immer mehr als normale Partei unter jungen Menschen wahrgenommen. Eine Partei wie jede andere auch." Junge Menschen trauten der AfD auch zunehmend zu, ihre Probleme zu lösen.

Junge Generation von Zukunftsängsten geprägt

Die Trierer Professorin Claudia Ritzi hebt einen weiteren Punkt hervor. Bei Jungwählern ohne hohen Bildungsabschluss sei die Wahrscheinlichkeit höher, die AfD zu wählen. Und das spreche für viele Zukunftsängste, die diese Generation, diese Bevölkerungsgruppe prägten, sagt die Politikwissenschaftlerin im Gespräch mit dem SWR. Da sei die Sorge davor, wie es wirtschaftlich weitergehe, die Sorge davor, wie man vielleicht seinen Wohnraum überhaupt noch finanzieren solle, es sei ein Gefühl von Abstieg und Bedrohung. Und das motiviere die Anhängerinnen und Anhänger der AfD sehr stark. Zudem sei die Identifikation mit anderen Parteien sehr schwach.

AfD hat bei Kompetenzwerten deutlich zugelegt

Die Daten des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap belegen, dass die AfD in Rheinland-Pfalz bei den Kompetenzwerten deutlich zugelegt hat. Nicht nur bei ihrem Kernthema Migrations- und Flüchtlingspolitik und innere Sicherheit – auch bei Themen wie Wirtschaft, Arbeitsplätze oder soziale Gerechtigkeit.

Umfrage, Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026, Kompetenzen der AfD, in % | Asyl- und Flüchtlingspolitik 27,0 ([Vgl. 2021] +16,0) | Kriminalitätsbekämpfung 25,0 ([Vgl. 2021] +15,0) | Wirtschaft 17,0 ([Vgl. 2021] +13,0) | Arbeitsplätze 16,0 ([Vgl. 2021] +12,0) | soziale Gerechtigkeit 16,0 ([Vgl. 2021] +11,0) | Bildungspolitik 14,0 ([Vgl. 2021] +11,0) | Stärkung ländlicher Raum 13,0 ([Vgl. 2021] +10012,0) | Umwelt- und Klimapolitik 10,0 ([Vgl. 2021] +6,0) | Infratest-dimap. 23.03.2026, 08:50 Uhr

Politisches Interesse der Jüngeren hat zugenommen

Generell helfe der AfD aber auch die Polarisierung pro AfD oder contra AfD. Das politische Interesse der jungen Menschen ist gestiegen, so Heinze. Die Wahrnehmung sei, dass es wieder um etwas geht.       

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Erstmals publiziert am
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Mathias Zahn
Sebastian Grauer
Foto von Sebastian Gauer, Redakteur bei SWR Aktuell und im SWR Studio Trier
Götz Kohlmann

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