Michel Friedman wirft beim Rausgehen Luftküsschen in den Klassensaal und bedankt sich bei den Jugendlichen für den regen Austausch.
Man merkt ihm an, dass er die zwei Stunden genossen hat. Im Rahmen des ARD-Jugendmedientages sprach er mit den Schülerinnen und Schülern über Rassismus, Streitkultur, Toleranz und Demokratie.
"Wir sollten wieder lernen, Jugendliche ernst zu nehmen. Das ist freiwillig, was die hier machen, und das ist das Gegenteil von immer nur Tiktok und Chillen und Abhängen," so Friedman.
Aufregung bei den Schülern vor Friedman-Besuch
Inhalt und Ablauf des Treffens hatten die Jugendlichen selbst vorbereitet. Die Zwölftklässlerinnen Kalina Biyukova und Melissa Prüfert stellten ein Projekt gegen Rassismus vor, das an der Schule realisiert wurde.
"Wir waren super nervös wegen ihm", gesteht Kalina, "weil er so eine prominente Persönlichkeit ist." Die Aufregung sei dann aber im Laufe des Gesprächs schnell verflogen, beschreibt Melissa.
Fragen zu Rassismus und Toleranz
Friedman suchte immer wieder direkten Kontakt zu den Jugendlichen, stellte Fragen und hörte zu. Offen sprach er darüber, wie ihm selbst sein ganzes Leben lang Diskriminierung und Rassismus begegnet seien.
Wenn mich jemand rassistisch beleidigt, ist das, als ramme er mir ein Messer in den Körper. Ich denke dann, ich blute.
Seine Mutter habe ihm aber schon früh beigebracht, Rassismus sei das Problem der Rassisten, nicht sein eigenes. Gemeinsam mit den Schülern erarbeitete Friedman Gründe für Rassismus und benannte Stereotype, unkritisch übernommene Bilder und Vorurteile, die jeder Mensch, auch er selbst, habe, die aber jeder auch hinterfragen müsse.
Michel Friedman: "Streiten macht Spaß."
Bei den Schülern warb Friedman dafür, sich zu streiten, die Meinung des Anderen anzuhören, Positionen zu hinterfragen. Streit sei unverzichtbar und die Voraussetzung dafür, dass Demokratie funktioniere.
Er selbst verstehe sich als "Handlungsreisender des Grundgesetzes und der Demokratie" und er werbe mit Leidenschaft für die Freiheit, die nur die Demokratie ihm biete. Gerade heute sei es umso wichtiger, die Demokratie zu verteidigen.
Ich stehe drauf, dass alle Menschen gleich sind.
Schüler des Otto-Schott-Gymnasium beeindruckt von Friedman
Die Schülerinnen und Schüler hörten Friedman aufmerksam zu und brachten sich rege ein. Sechstklässler Levin Feja sagte nach der Veranstaltung, der Austausch sei "cool" und "wichtig" gewesen.
Ich fand's cool, und es ist wichtig, über Themen wie Rassismus zu reden, man muss ja auch was ändern.
Auch Melissa Prüfert und Kalina Biyukova waren nach den zwei Stunden zufrieden mit der Diskussion. Anstrengend sei sie gewesen, sagt Kalina: "Ich hab' so krass mitgedacht und musste mich voll anstrengen, seinen Gedanken zu folgen", erzählt die Zwölftklässlerin.
Sie habe noch viel mehr Fragen gehabt, die sie Michel Friedman habe stellen wollen. Jetzt sei sie "total groggy", sagt sie lachend, aber das sei ja auch das Ziel einer solchen Debatte.