Kunstprojekt "Dispatchwork"

Wie Lego die Risse in Mainzer Fassaden verschwinden lässt

Lego und ähnliche Klemmbausteine finden sich eigentlich in Kinderzimmern - aktuell aber auch an vielen Stellen im Mainzer Stadtbild. Denn ein Künstler bessert damit Schäden aus.

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Von Autor/in Rabea Amri

"Schau mal, das sollte an der Stelle nicht weiter rausstehen, nimm lieber solche kleineren Steine," erklärt Künstler Jan Vormann dem Mainzer Schüler Elyas Bikri. Der versucht gerade, Legosteine so zusammen zu bauen, dass sie genau in das Loch in einer Hauswand in der Mainzer Innenstadt passen.

Elyas kramt nach anderen Steinen, die besser passen. Er ist mit seiner Mutter zu diesem ganz besonderen Stadtspaziergang gekommen, den das Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz zusammen mit Jan Vormann veranstaltet. Es geht darum, die Stadt bunter zu machen - indem kleinere oder größere Schäden an Häusern oder Wänden mit Klemmbausteinen ausgebessert werden.

Elyas Bikri sitzt auf dem Bürgersteig. An der Hauswand vor ihm ist der Putz abgeplatzt. In das Loch passt Elyas sein Lego-Bauwerk ein.
Elyas Bikri bastelt an seinem Lego-Bauwerk, das ein Loch in einem Haus in der Nähe des Mainzer Schlossgymnasiums ausbessern soll.

Globales Kunst-Projekt mit Lego

Der Bildhauer Jan Vormann war mit seinem Projekt "Dispatchwork" schon in vielen Städten zu Gast - unter anderem hat er marode Mauern und bröckelnde Fassaden in New York, Madrid oder Budapest mit Plastiksteinen ausgebessert. Das Zentrum Baukultur Rheinland-Pfalz hat den Künstler jetzt nach Mainz eingeladen.

Jan Vormann steht inmitten einer Gruppe Menschen, auf dem Tisch vor ihm Legosteine in größeren und kleineren Säcken und Tüten.
Jan Vormann (rotes T-Shirt) erklärt den Freiwilligen im Zentrum Baukultur, welche verschiedenen Arten von Plastiksteinen es gibt - und wie man damit am besten Löcher und kaputte Stellen repariert.

Hausfassaden in Mainz werden beim Stadtspaziergang repariert

Im Rahmen von Workshops bessert Jan Vormann mit Schülern des Mainzer Gutenberg-Gymnasiums kaputte Stellen auf deren Schulgelände aus. Und bei den Stadtspaziergängen abends nimmt er sich mit Mainzerinnen und Mainzern bröckelnde Fassaden in der Innenstadt vor, zum Beispiel in der Nähe vom Kurfürstlichen Schloss.

Jeder aus der Gruppe sucht sich selbst eine Stelle aus und beginnt dort mit der Arbeit. "Mit dem gelben Stein funktioniert es nicht so gut. Tausch den lieber gegen mehrere kleinere aus", rät der Berliner Künstler der Teilnehmerin Kerstin Lucas, die gerade versucht, eine Lücke in der Mauer des Schlossgymnasiums zu schließen.

Lego-Bauten rund ums Mainzer Schlossgymnasium

"Ich hoffe, die Schülerinnen und Schüler nehmen die Steine morgen nicht direkt wieder weg", sagt sie lachend. "Das war ganz schön viel Arbeit." Auch die achtjährige Luise Zeller hat sich eine Stelle am Schlossgymnasium ausgewählt - und zwar ein Loch im Boden des Schulhofes. Das versucht sie gerade mit passenden Steinen aufzufüllen.

Die achtjährige Luise kniet auf dem Schulhof, vor ihr Legosteine, die sie in ein Loch auf dem Boden setzt.
Luise Zeller verschönert eine Stelle auf dem Schulhof des Schlossgymnasiums in Mainz.

"Ich glaub, die Schüler freuen sich, dass ihr Schulhof etwas bunter ist," begründet sie ihre Wahl. "Das ist ein kleines Farbspiel im grauen Boden und neben der grauen Wand."

Nachahmer erwünscht: Jeder darf beim Lego-Kunstprojekt mitmachen

Zwar ist Jan Vormanns Aufenthalt in Mainz bald vorbei - aber das muss nicht das Ende des Kunstprojekts in der Landeshauptstadt bedeuten. Denn grundsätzlich kann sich jeder daran beteiligen und selbst in seiner Umgebung aktiv werden, sagt Jan Vormann. Er hofft, dass die kleinen Kunstwerke, die jetzt entstanden sind, vielleicht auch andere Menschen inspirieren.

Hoffentlich bringt das die Schüler des Schlossgymnasiums oder Passanten, die vorbei laufen, zum Schmunzeln. Und vielleicht fragen sich die Menschen auch, wie die bunten Steine hierher gekommen sind und warum.

Auf seiner Homepage kann jeder, der eine Stadt-Reparatur vornimmt, ein Foto hochladen. Mittlerweile gibt es Fotos aus mehr als 100 Städten - und nur die Hälfte davon sind von Jan Vormann selbst gemacht worden. Auch die ersten Mainzer Kunstwerke sind dort schon dokumentiert. Und möglicherweise kommen in nächster Zeit noch viele weitere dazu.

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Rabea Amri

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