Richtung Wiesbaden sind Staus vorprogrammiert

Wegen Staus: Rheinhessische Handwerksbetriebe meiden Hessen

In den vergangenen Monaten hat es rund um Wiesbaden mehr Staus gegeben als im Vorjahr. Handwerksbetriebe aus Rheinhessen meiden deshalb schon länger Aufträge auf der anderen Rheinseite.

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Von Autor/in Alexander Dietz

Egal, ob über die Autobahn 643 und die Schiersteiner Brücke oder über die A60 und die Weisenauer Brücke: Wenn die Mitarbeiter des Mainzer Dachdeckerbetriebs Neuhäuser morgens mit einem Lkw zu einer Baustelle nach Hessen fahren wollen, müssen sie mehr Zeit einplanen. "Zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde", sagt Matthias Daub, kaufmännischer Mitarbeiter der Neuhäuser Qualitätsdächer GmbH.

Es gibt ja schon seit mehreren Jahren Verkehrschaos rund um Mainz. Erst war es die Schiersteiner Brücke. Dann musste die Salzbachtalbrücke gesperrt werden. Jetzt geht es weiter mit der Sperrung auf der A671 hinter Ginsheim-Gustavsburg.

Aufträge in Hessen weitgehend vermeiden

Die Fahrzeit zur Baustelle gehört zur Arbeitszeit der Mitarbeiter. Das muss auch bezahlt werden. Deshalb versucht der Dachdeckerbetrieb schon seit ein paar Jahren neue Aufträge in Rüsselsheim, Hochheim oder Wiesbaden weitgehend zu vermeiden.

Die längere Fahrzeit müsste der Betrieb schließlich auf den Preis aufschlagen. Deshalb könnten Unternehmen aus Hessen oft günstigere Angebote machen, erklärt Daub. "Das versuchen wir den Kunden dann zu erklären. Das verstehen sie auch meistens."

ADAC-Auswertung: Mehr Staus rund um Wiesbaden

Die Verkehrslage hat sich auf vielen Autobahnen im Rhein-Main-Gebiet in diesem Jahr nochmal zugespitzt. Das zeigt eine Auswertung des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) für die Deutsche Presse-Agentur.

Seit der Vollsperrung der Hochheimer Mainbrücke auf der A671 zwischen Ginsheim-Gustavsburg und Hochheim gab es auf einigen Autobahnen deutlich mehr Stau als im Vorjahr: Zum Beispiel auch auf der A66 zwischen dem Schiersteiner Kreuz und dem Wiesbadener Kreuz und der A643 zwischen dem Dreieck Mainz und der Schiersteiner Straße. Auf der A643 sind die Staustunden zwischen Ende März und Ende Mai zum Beispiel von 457 um fast 50 Prozent auf 673 angestiegen.

Entlastung am Kreuz Mainz-Süd

Auf der A60 standen die Autofahrerinnen und Autofahrer laut der ADAC-Auswertung zwar auch oft im Stau. Hier sind die Staustunden im Vergleich zum Vorjahr aber zurückgegangen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Baustelle am Kreuz Mainz-Süd mittlerweile beendet ist. Das bestätigt auch die Mainzer Polizei.

Handwerkskammer fordert schnellere Baustellen

Die Handwerkskammer Rheinhessen fordert wegen der vielen Staus, dass Baustellen zügiger umgesetzt werden sollten. Was die Verkehrslage rund um Mainz und Wiesbaden angeht, folgt seit ein paar Jahren "eine Katastrophe auf die nächste", so Hauptgeschäftsführerin Anja Obermann.

Sie hat auch beobachtet, dass einige Handwerksbetriebe deshalb Aufträge auf der anderen Rheinseite mittlerweile weitgehend meiden. Andere Unternehmen versuchten dagegen, ihre Anfangs- und Endzeiten anzupassen, erzählt sie. "In wirtschaftlich guten Zeiten haben diese Strategien auch gut funktioniert – in der Zeit der Rezession ist das allerdings sehr viel schwieriger."

Mainzer Dachdeckerbetrieb orientiert sich nach Rheinhessen

Beim Mainzer Betrieb Neuhäuser Qualitätsdächer ist man weiter nicht auf Auftraggeber aus Hessen angewiesen, sagt Matthias Daub. "Wir orientieren uns mehr in Richtung Alzey, Bingen und Wörrstadt und haben schon Aufträge für die nächsten vier bis fünf Monate, sodass wir das kompensieren können."

"Aber wir haben auch ein paar Stammkunden in Wiesbaden und Hochheim", sagt Daub. "Das machen wir natürlich weiter." Auch wenn das zur Folge hat, dass seine Kollegen dann erst einmal weiter im Stau stehen werden. Nach aktuellem Stand könnte im Juli aber auch die Hochheimer Mainbrücke auf der A671 wieder für den Verkehr freigegeben werden.

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Alexander Dietz
Alexander Dietz ist Reporter im SWR Studio Mainz.

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